Hinter der HeadlineFrasers hält ein gutes Viertel am Modekonzern Hugo Boss. Nun will das britische Unternehmen mehr: Es hat ein Übernahmeangebot abgegeben. Und beweist damit gutes Timing.Als Modeunternehmen ist Hugo Boss eigentlich für Auftritte mit einer gewissen Grandezza prädestiniert. Doch an der Börse zeigten die Metzinger zuletzt nur wenig Glanz. Die Aktie läuft seit Jahresbeginn seitwärts. Erst das gestern kommunizierte Übernahmeangebot des Grossaktionär Frasers sorgte für Bewegung.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Hugo Boss stellt bekanntlich unter den beiden Marken BOSS und HUGO Mode her. Die Frasers Group wiederum ist eine Unternehmensgruppe, die Marken wie Lonsdale oder Everlast bündelt. Dahinter steht der Brite Mike Ashley. Seit 2020 ist Frasers an Hugo Boss beteiligt. Inzwischen liegt der Anteil nach Angaben von Frasers bei 26,06%. Nun wurde ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot vorgelegt. 38 € je Aktie bietet Frasers. Das entspricht einem Aufschlag von rund 4% auf den letzten Schlusskurs. Wie ist das zu bewerten?Als cleverer Schachzug.Boss-Geschäft in Düsseldorf.ZVGFrasers wolle damit Flexibilität gewinnen, sagt Uwe Rathausky, Fondsmanager bei der Fondsgesellschaft Gané und mit dem Value Event Fonds an Hugo Boss beteiligt. Der Hintergrund: Üblicherweise, so will es das deutsche Übernahmerecht, müssen Unternehmen nach Überschreitung einer Kontrollschwelle von 30% ein Pflichtangebot abgeben. Es sei denn, die Kontrolle wurde durch ein vorausgehendes freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot erlangt. «Gelingt es also der Frasers Group, mit dem Angebot die 30% zu überschreiten, kann sie künftig nach Abschluss des Angebots flexibel agieren und weitere Aktien über die Börse kaufen.»Von wegen «All in»Um das zu erreichen, geht Frasers nicht mit einem hohen Übernahmepreis aufs Ganze, sondern versucht, die Anleger mit einem dürren Angebot zu locken. Nach dem Motto: Wer weiss, ob nicht ein paar Anleger die Geduld mit Hugo Boss verloren haben und zugreifen.Unternehmenskenner sehen Tiefstapelei. «Ein Low-Ball-Angebot, das deutlich unter dem tatsächlichen Unternehmenswert von Hugo Boss liegt», sagt Rathausky. «Opportunistisch und finanziell unattraktiv», schreibt Alexander Zienkowicz, Analyst von mwb research.Der Schritt unterstreicht die Bedeutung des Timings bei der Geldanlage gleich doppelt. Denn bei Hugo Boss kommen derzeit zwei Dinge zusammen. Zum einen ist das Unternehmen derzeit in einer Übergangsphase.Schon grundsätzlich betrachtet ist Mode kein einfaches Geschäft. Immerhin müssen jede Saison neu Begehrlichkeiten geweckt werden und in einen in der Regel vollen Kleiderschrank hinein verkauft werden. Dennoch gelang es Hugo Boss zwischen 2021 und 2024, den Umsatz zu steigern.Mit dem Programm «Claim 5 Touchdown» hat CEO Daniel Grieder, seit 2021 im Amt, Schritte zur Effizienzsteigerungen für zukünftiges, nachhaltiges Wachstum ergriffen. 2026 werde ein Jahr des Übergangs sein, sagte Grieder auf einer Pressekonferenz im Dezember vergangenen Jahres. Im Mai prognostizierte das Unternehmen für 2026 einen «währungsbereinigten Rückgang des Konzernumsatzes im mittleren bis hohen einstelligen Bereich». Fondsmanager Rathausky ordnet ein: «Hugo Boss hat den Investitionszyklus der letzten Jahre abgeschlossen, ist nettoschuldenfrei in Bezug auf zinstragende Verbindlichkeiten und wird in den kommenden Jahren erhebliche freie Cashflows generieren.»Die Börse ist skeptischZum anderen ist Hugo Boss an der Börse derzeit niedrig bewertet, wie zum Beispiel die Entwicklung des Kurs-Gewinn-Verhältnisses zeigt.Ein niedriger Kurs eines Unternehmens, dessen Management einen Restrukturierungskurs mit einem klaren Zeitplan eingeschlagen hat: «Die Frasers Group hat einen aus ihrer Sicht hervorragenden Zeitpunkt gewählt», sagt Rathausky. Eben gutes Timing bewiesen.Kommt ein höheres Angebot, falls die Resonanz zu schwach ausfällt? «Allenfalls minimal», sagt Rathausky, rechnet aber nicht damit. Immerhin sei Frasers Group selbst börsennotiert und müsse ihr eigenes Rating und ihre eigene Verschuldungssituation im Blick behalten. «Deswegen geht es ihr sicherlich nicht darum, Hugo Boss um jeden Preis zu erwerben, sondern Kredit, Refinanzierungskosten und künftige Gewinnbeiträge zu kalkulieren.»Damit dürfte für Frasers das Geduldsspiel weitergehen. Dass man gewillt ist, diese Tugend zu zeigen, zeigt auch die Meldung, mit der das Unternehmen das Angebot verkündete. Darin wurde die Unterstützung von Grieder und dem Vorsitzenden des Aufsichtsrat Stephan Sturm das Vertrauen ausgesprochen, obwohl Ashley Sturm im November vergangenen Jahres jenes Vertrauen entzogen hatte. Bereits auf der Hauptversammlung am 21. Mai 2026 habe die Frasers Group allen Tagesordnungspunkten zugestimmt und damit ihre Unterstützung und Zufriedenheit mit den Entscheidungen der Verwaltung zum Ausdruck gebracht, sagt Rathausky.Mit anderen Worten: Am Investmentcase Hugo Boss ändert sich mit dem Versuchsballon wenig; es bleibt ein Geduldsspiel. Dass ein Investor bereitsteht, der zur derzeitigen Bewertung zu kaufen bereit ist, begrenzt immerhin das Abwärtsrisiko für Anleger.