Unmittelbar nachdem die beiden Gesandten des amerikanischen Präsidenten Donald Trump die Ukraine verlassen hatten, hat Russland seine Luftangriffe auf die ukrainische Hauptstadt wieder aufgenommen. In der Nacht auf Dienstag startete Russland ukrainischen Angaben zufolge mehr als 160 Drohnen, hinzu kamen Dutzende Raketen und Marschflugkörper. Fast die gesamte Nacht über wurde Luftalarm ausgelöst.Allein in Kiew kamen offiziellen Angaben zufolge drei Menschen ums Leben, Dutzende weitere wurden verletzt. Getroffen wurden abermals Wohnhäuser, Supermärkte, Lagerhäuser und Personenzüge. Am Dienstagmittag wurde zudem ein Fernsehsender in Kiew angegriffen.Die Nächte zuvor waren in Kiew überwiegend ruhig, da Russlands Herrscher Wladimir Putin einen Angriffsstopp auf die ukrainische Hauptstadt während der Reise von Trumps Emissären Steve Witkoff und Jared Kushner angeordnet hatte. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor eine sichere Anreise und einen Verzicht auf Angriffe gegen Moskau zugesichert.Kiew bereitet sich auf den nächsten Kriegswinter vorÜber diese Verschnaufpause hinweg blieb der Vermittlungsversuch der Amerikaner offenbar ohne konkrete Ergebnisse. Ein Ende des Krieges scheint nicht näher. Auch die Tatsache, dass Russland seine Angriffe auf andere ukrainische Städte während des Besuchs fortsetzte, spricht nicht für Kompromissbereitschaft im Kreml.Selenskyj sagte nach den Gesprächen in Kiew, man plane nun mit einem weiteren Kriegswinter. Er drückte auch seine Hoffnung auf weitere westliche Unterstützung bei der Luftverteidigung aus. „Wir haben intensive Gespräche über unseren Bedarf an Luftverteidigung, die entsprechende technologische Zusammenarbeit und das für uns notwendige Winterpaket geführt“, sagte er.Aus ukrainischer Sicht war es ein Erfolg, dass Trumps Emissäre diesmal nicht nur in Russland aufschlugen, sondern auch in Kiew mit den Ukrainern redeten. Über ein eigentlich geplantes Telefonat mit Präsident Trump wurde aber nichts mehr bekannt.Besuch europäischer Diplomaten nicht vergeblichDass auf Einladung der Amerikaner auch ranghohe Diplomaten aus Berlin, London und Paris nach Kiew reisten, war nach französischer Darstellung aber nicht vergeblich. Witkoff und Kushner haben bei den Verhandlungen in Anwesenheit Selenskyjs demnach eine neue Verhandlungsetappe nach der russischen Duma-Wahl im September angekündigt.Nach Aussagen des Élysée-Palastes ist diese Ankündigung ernst zu nehmen, trotz der neuesten Angriffe auf die Ukraine. Die Europäer hätten bei den Gesprächen die Bedingungen für erfolgversprechende Friedensverhandlungen mit Moskau klargestellt. Man sei zuversichtlich, dass die Verhandlungen „auf solider Grundlage“ nach dem 20. September aufgenommen werden könnten.Die Vorschläge von Anchorage vom Sommer 2025 seien endgültig vom Tisch. Witkoff und Kushner hätten auch den sogenannten Friedensplan mit 20 Punkten vom Februar abgeräumt, der einige russische Forderungen etwa zum Donbass übernommen hatte. Beiden amerikanischen Emissären sei klar gewesen, dass sich die ukrainische Position auf dem Schlachtfeld verbessert habe, hieß es in Paris. Beim G-7-Gipfel in Evian hatte Trump erstmals eine gemeinsame Erklärung zur Bewahrung der „territorialen Integrität“ der Ukraine unterzeichnet.Aus französischer Sicht ist es auch ein gutes Zeichen, dass Deutschland, Großbritannien und Frankreich in die Gespräche einbezogen wurden. Deutschland war in Kiew durch den Diplomaten Günther Sautter vertreten, der den Nationalen Sicherheitsrat leitet.Derweil hat Russland seine Gangart im Streit mit Deutschland verschärft und angekündigt, das deutsche Generalkonsulat in St. Petersburg zu schließen. Dies geschehe als Reaktion auf Maßnahmen der Bundesregierung nach dem Drohnenvorfall von Leipzig. Das Generalkonsulat müsse seine Arbeit bis spätestens 18. September einstellen, teilte das russische Außenministerium am Montag mit. Zudem müssten die Mitarbeiter der Goethe-Institute Russland bis zum 13. September verlassen. Moskau reagiert damit auf die Schließung des eigenen Konsulats in Bonn und des Russischen Hauses in Berlin.