Das Taschengeld ist stattlich. 780.000 US-Dollar (etwa 670.000 Euro) erhält, wer bei den US Open in diesem Jahr das Viertelfinale erreicht hat. Zwar muss man beim Tennis stets einkalkulieren, dass von den beachtlichen Preisgeldern auch beachtliche Kosten abgezogen werden müssen. Für die Anreise, für die Unterbringung, für das eigene Trainer- und Betreuer-Team zum Beispiel.Doch bei den Beträgen, die an die jeweils besten Acht in der Frauen- und Männer-Konkurrenz ausgeschüttet werden, dürfte am Ende dennoch ein ordentlicher Gewinn stehen. Das gilt auch für Jessica Pegula und Emma Navarro, die an diesem Dienstag (Mittwoch, 1.00 Uhr MESZ) in New York im Viertelfinale aufeinandertreffen.Geld ist in den Familien reichlich vorhandenDabei gehören die beiden Amerikanerinnen ohne Zweifel zu jenen Tennisprofis, bei denen das Finanzielle seit jeher am wenigsten als Antrieb dient. Denn Geld war in den Familien der beiden schon vor ihren erfolgreichen Profikarrieren reichlich vorhanden. So wird das Vermögen des Investmentbankers und Unternehmers Ben Navarro, Emmas Vater, auf rund 3,2 Milliarden US-Dollar (etwa 2,8 Milliarden Euro) geschätzt.Und Terrence Pegula, der Vater von Jessica, soll mit Geschäften in der Öl- und Gasbranche ein Vermögen von rund zwölf Milliarden Dollar (etwa 10,3 Milliarden Euro) erwirtschaftet haben. Inzwischen gehören ihm unter anderem die NFL-Franchise Buffalo Bills und das NHL-Team der Buffalo Sabres.Das direkte Duell der beiden Milliardärstöchter lenkt das Scheinwerferlicht mal wieder auf ein Thema, das in New York zuvor schon Eva Lys angerissen hatte. „Tennis ist in Deutschland ein sehr, sehr privilegierter Sport“, hatte diese in der vergangenen Woche gesagt. Zugänglich sei er „meist nur für Menschen, die sich das auch leisten können“. Lys berichtete von Freunden, „die jetzt studieren“. Prompt sei in dieser Lebensphase zu wenig Geld da, um den eigenen Sport weiter betreiben zu können.Bis zu 500.000 Euro Investment für TennisprofisGeld ist eine der größten Einstiegshürden im Tennis. Das gilt für den Breiten- ebenso wie für den Spitzensport. Beim Deutschen Tennis Bund (DTB) schätzt man, dass im Übergang vom Nachwuchs- zum Profi-Bereich 50.000 bis 75.000 Euro pro Jahr investiert werden müssen – und das zumindest teilweise über einen Zeitraum von sechs, sieben Jahren.„Bevor klar ist, ob sie mit dem Beruf als Tennisprofi überhaupt Geld verdienen können, liegen wir am Ende bei einem Invest von mindestens 450.000 bis 500.000 Euro“, sagte Sport-Geschäftsführerin Veronika Rücker der F.A.Z. im vergangenen Jahr. Da gingen viele Talente verloren, spätestens sobald die Entwicklung nicht linear aufwärts verläuft.Es hat sicher auch mit diesen Hürden zu tun, dass Alexander Zverev seit Beginn der dritten Runde mal wieder der einzige verbleibende deutsche Tennisprofi bei den US Open ist. Und selbst dieser hatte zuletzt von finanziellen Sorgen berichtet.Als er sich 2022 im Halbfinale der French Open schwer verletzte und anschließend lange ausfiel, habe er sich gedacht: „Okay, also das Leben, das ich führe, kann ich jetzt nicht mehr so weiterleben, weil das Geld mache ich nicht mehr“, sagte Zverev in einem Video-Format des Youtubers Jens Knossalla. „Mein Leben von den Kosten her ist nicht günstig. Wir sind jährlich im guten siebenstelligen Bereich.“ Er gebe „mehrere Millionen“ für sich und sein Team aus, sagte Zverev. Auch über die Wohnung in Monte Carlo, wo er optimale Trainingsbedingungen vorfindet, habe er sich Gedanken gemacht.Drei Wege ins ProfitennisDie Nöte dürften im Fall von Zverev, der allein mit Preisgeldern im Laufe seiner Karriere bereits rund 70 Millionen US-Dollar (etwa 60,3 Millionen Euro) verdient hat, nicht gerade existenziell gewesen sein. Doch auch an seinem Beispiel zeigt sich eine Charakteristik des Profitennis. Denn im Grunde gibt es derzeit vor allem drei Wege, um als Tennis-Talent auf der Profitour Fuß zu fassen.Zverev steht für den ersten: Er stammt aus einer Tennis-Familie. Sein Vater, seine Mutter und sein Bruder waren allesamt mit unterschiedlichem Erfolg professionelle Tennispieler oder -trainer. Noch heute bilden sie den Kern von Zverevs Team und sind damit auf den Profitouren längst nicht das einzige Tennis-Familienunternehmen.Es gibt die Grand-Slam-Nationen Australien, Frankreich, England und USA, die allein mit ihren berühmten Major-Turnieren in Melbourne, Paris, Wimbledon oder New York im Schnitt jeweils rund 600 Millionen Euro einnehmen. Und es gibt den Rest. Zum Vergleich: der DTB, mit rund 1,5 Millionen Mitgliedern noch immer der größte Tennisverband der Welt, kommt auf einen Jahresumsatz von rund 14 Millionen Euro.Bleibt noch Option drei: eine Familie, für die die Anschubfinanzierung einer Profikarriere kein größeres Problem darstellt. Auch dafür gibt es auf den Touren von ATP und WTA einige Beispiele. Der Vater von Arthur Fery, der in Wimbledon ein kleines britisches Tennis-Märchen schrieb und als Wildcard-Starter ins Halbfinale einzog, ist beispielsweise ein Hunderte Millionen Euro schwerer Hedgefondsmanager samt eigenem Fußballprofiklub.Und das Duell der Superreichen zwischen Pegula und Navarro ist sicherlich die Extremform dieses Phänomens. Eine der beiden wird am Dienstag wie schon vor zwei Jahren ins Halbfinale einziehen. Der Lohn: 1,45 Millionen Dollar (etwa 1,25 Millionen Euro). Ein ordentliches Taschengeld also.
Was US-Open-Duell der Milliardärstöchter Pegula und Navarro über Tennis verrät
Das Viertelfinale zwischen Jessica Pegula und Emma Navarro lenkt den Blick auf hohe Kosten in ihrem Sport. Es hat wohl auch mit diesen Hürden zu tun, dass es nicht mehr deutsche Topspieler gibt.









