Wie die Sache ausgeht, ist offen. Sepp Müller, Christdemokrat und einer der stellvertretenden Vorsitzenden der Unionsfraktion im Bundestag, will Vorsitzender der sachsen-anhaltischen CDU werden. Vermutlich hätten Müller und seine politischen Karrierepläne es nicht in eine breitere Öffentlichkeit geschafft, wenn sie nicht im Zusammenhang mit der für Aufregung sorgenden Landtagswahl in seiner Heimat stünden und er nicht von Bundeskanzler Friedrich Merz öffentlich einen Rüffel bekommen hätte.Müller wurde 1989 in Lutherstadt Wittenberg geboren. Nach dem Abitur machte er eine Ausbildung zum Bankkaufmann und schloss anschließend ein Studium an der Frankfurt School of Finance & Management als diplomierter Bankbetriebswirt ab. Er arbeitete als selbständiger Kundenberater.2004 trat Müller der Jungen Union bei und engagiert sich seither in der CDU. Erst auf kommunaler Ebene, dann stieg er auf. 2017, nicht einmal dreißigjährig, zog er in den Bundestag ein. Dass er keine Angst vor Fürstenthronen hat, zeigte er schnell. Nachdem 2018 endlich eine Regierung gebildet worden war, die letzte unter Führung von Angela Merkel, begann der Sommer, in dem der Streit über die Migrationspolitik mit Wucht in die Reihen der Union zurückkehrte.Schon bei der Abwahl Kauders war Müller dabeiMerkel war so geschwächt, dass sogar Widerstand gegen die Wiederwahl ihres engen Vertrauten Volker Kauder zum Fraktionsvorsitzenden einigen Entschlossenen aussichtsreich erschien. Der Parlamentsnovize Sepp Müller war dabei. Gegen den Willen der Führungen von CDU und CSU wurde Ralph Brinkhaus zum Chef der Abgeordneten gewählt. Der Anfang vom Ende der Ära Merkel hatte nun auch ein Datum: Es war der 25. September 2018.Dass das keine Eintagsfliege war und Müller gut Mehrheiten organisieren kann, zeigte er zu Beginn dieser Legislaturperiode. Er wollte den Posten des für die Wirtschaftspolitik zuständigen stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden haben, vorgesehen war aber ein Parteifreund aus Sachsen. Müller riskierte eine Kampfkandidatur und setzte sich durch.Im sachsen-anhaltischen Wahlkampf hat er sich Feinde gemacht, weil er angesichts eines zu erwartenden schlechten Wahlergebnisses den CDU-Spitzenkandidaten Sven Schulze schon lange vor dem Wahltag davor warnte, es auch nur zu versuchen mit der Bildung einer Regierung. Müller hält besonders jegliche Zusammenarbeit mit der Linkspartei für fatal. Eine Kooperation mit der AfD lehnt er allerdings auch ab.Nachdem erst Merz Müller – ohne Namensnennung, aber unzweifelhaft – dafür gerügt hatte, er sei Schulze in den Rücken gefallen, legte der Fraktionsvorsitzende Thorsten Frei noch nach. Ob Müller das bei seinem Plan, CDU-Chef in Sachsen-Anhalt zu werden, hilft oder schadet, wird sich zeigen.