Die Sicherheitsbehörden aus Bund und Ländern haben sich vor dem Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) am 25. Juli in Berlin intensiver mit dem Attentäter beschäftigt als bisher bekannt. Laut Auskunft der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen befasste sich das Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ) bis zum Tag des Anschlags in acht Sitzungen mit dem Islamisten Abdul Ballout. Bisher hatten die Verantwortlichen lediglich mitgeteilt, dass das Gremium »mehrfach« über den Islamisten beraten habe.

Die noch unveröffentlichte Antwort des Bundesinnenministeriums liegt dem SPIEGEL vorab vor. Das GTAZ, ein 2004 eingerichtetes Gremium zum Abstimmen von Maßnahmen zur Abwehr islamistisch-terroristischer Gefahren, beriet demnach erstmals am 28. Mai 2025 zu Ballout. Die AG »Operativer Informationsaustausch« des Gremiums befasste sich dabei auf Einladung des Landeskriminalamtes Berlin mit offenbar dschihadistisch motivierten Reisen des Islamisten.

Am 22. Oktober – nachdem Ballout im Libanon wegen Terrorverdachts festgenommen und inhaftiert worden war – erfolgte eine weitere Sitzung. Am 7. November berieten die Sicherheitsbehörden dann über Maßnahmen, die nach seiner erwarteten Rückkehr nach Deutschland ergriffen werden sollten. Zehn Tage später wurde er am Flughafen in Berlin festgenommen und in Untersuchungshaft genommen.