Nvidia will seine Macht zementieren – und kauft für fast 13 Milliarden Dollar eine Firma dreier Nerds aus Frankreich, die nach einem Emoji benannt istHugging Face ist eine Plattform für KI-Modelle. Ausgerechnet ein Angriff durch KI-Agenten von Open AI hat die Firma berühmt und ihr Geschäftsmodell noch interessanter für Nvidia gemacht.07.09.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenNvidia-CEO Jensen Huang.Jonathan Drake / ReutersJensen Huang, der CEO von Nvidia, lächelt in die Kamera und wedelt mit einem gelben Schild, auf dem ein lachendes Gesicht mit zur Umarmung ausgestreckten Händen prangt. Neben ihm ist ein Mann in schwarzem T-Shirt und nach hinten gedrehter Baseball-Cap zu sehen. Er grinst über beide Ohren. Die beiden werden von einer Moderatorin von CNBC interviewt. Der Grund für ihre Freude: Sie haben gerade einen Mega-Deal abgeschlossen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Jensen Huangs Nvidia wird die Firma Hugging Face mit dem knuffigen Logo für 12,9 Milliarden Dollar übernehmen. Das verkündete Nvidia am Donnerstag. Hugging Face ist die Plattform für Open-Source-KI-Modelle schlechthin, also Modelle, deren zugrunde liegende Software und teilweise auch Trainingsdaten einsehbar sind. Auf Hugging Face kann man kostenlos auf KI-Tools zugreifen, sie teilen oder Datensätze zum Trainieren von KI-Modellen herunterladen.Für Nvidia ist der Markt mit den offenen KI-Modellen strategisch wichtig. Er wächst, die Modelle werden immer besser, und sie ermöglichen auch kleineren Firmen und KI-Entwicklern, eigene KI-Tools zu bauen – und dadurch KI-Infrastruktur auszubauen und Nvidia-Chips zu kaufen. Huang spricht von einem «Wachstumsmotor». Er sagt: «Die Hälfte unseres Geschäfts wird von offenen Modellen vorangetrieben.» Ausserdem seien da noch andere Bieter gewesen.Die Gründer und das ganze Team von Hugging Face würden zu Nvidia wechseln und die Plattform weiterhin unabhängig betreiben, sagte der Hugging-Face-CEO Clément Delangue, von Huang nur «Clem» genannt, im Interview. Die amerikanischen Wettbewerbsbehörden müssen der Übernahme zwar noch zustimmen. Wird sie genehmigt, hat Delangue gerade das Geschäft seines Lebens gemacht.Drei «Typen» aus Paris und ihre Spielzeug-IdeeDelangue und seine Mitgründer sind zwischen Ende dreissig und Anfang vierzig und ursprünglich aus Frankreich. Delangue hat Betriebswirtschaft studiert und bei der Firma Moodstocks in Paris gearbeitet, die maschinelles Lernen für Computer-Vision entwickelt hat und die später von Google übernommen wurde. In der Pariser Startup-Szene lernte er Julien Chaumond kennen, Chaumond wiederum kennt Thomas Wolf, den Dritten im Bunde, vom Ingenieurstudium. Die beiden spielten in der gleichen Rockband, erzählte Wolf in einem Interview.Als «Underdogs», wie sie sich selbst verkaufen, kommen sie 2016 nach New York. «Wir waren ganz gewöhnliche Typen aus Frankreich, ohne spezifischen Background oder Referenzen, mit einem gebrochenen Englisch», sagte Delangue vor zwei Jahren in einem Podcast.Sie hätten etwas entwickeln wollen, das technisch anspruchsvoll und trotzdem «spassig» sein sollte. Und dachten an einen virtuellen Begleiter, angelehnt an das kultige Tamagotchi-Spielzeug aus Japan, mit welchem man virtuelle Tiere füttern und grossziehen konnte. Sie wollten eine Chatbot-App bauen, eine Art KI-Tamagotchi, das beispielsweise den Gesichtsausdruck von Selfies erkennen und darauf reagieren kann. Als Logo wählten sie das freundlich umarmende Emoji.Rund drei Jahre arbeiteten sie am Produkt, das laut einem damaligen Investor rund 200 000 Nutzer hatte. Auf Linkedin schrieb der Investor darüber Jahre später: Das Hugging-Face-Team habe gewusst, wie ein gutes Produkt aussehe und dass ihres das nicht sei.Die Wende kommt nach einem KI-Modell von GoogleDoch bald sollte sich alles ändern. 2017 veröffentlichten Google-Forscher ein Forschungspapier, das die den heutigen KI-Modellen zugrunde liegende Technologie beschreibt. Google brachte gut ein Jahr später ein KI-Modell heraus, das darauf aufbaute. Thomas Wolf sagte seinen Gründerkollegen, dass er es ausprobieren und in Pytorch überführen wolle, damals bereits die beliebteste Programmiersprache für KI. Danach veröffentlichte er die Pytorch-Version, twitterte darüber – und der Tweet sei darauf von Hunderten gelikt worden, erinnert sich Delangue in einem Podcast. «Wir dachten damals: ‹Was passiert da gerade? Wir haben das Internet zum Absturz gebracht!›»In der Szene stiessen sie auf Anklang. KI-Forscher hätten sich bei ihnen wegen eigener Modelle gemeldet. Das Hugging-Face-Team baute eine Plattform, eine Art Bibliothek auf, aus der die Modelle geteilt und heruntergeladen werden konnten. Der Mitgründer Thomas Wolf sagte in einem Interview, dass sie sich von ihrer ursprünglichen Idee, also der mit dem virtuellen Begleiter, abwenden wollten. «Wir sagten: Gut, wir versuchen, etwas Ernsthaftes zu bauen. Wir glauben an KI.»Das Ganze wird häufig mit Github verglichen, einer ebenfalls bibliothekähnlichen Plattform für Programmcode, die später von Microsoft übernommen wurde. Hugging Face hat laut einem eigenen Bericht vom März mittlerweile mehr als 13 Millionen Nutzer und stellt über 2 Millionen verschiedene KI-Modelle bereit. Für die Firma arbeiten weltweit 250 Mitarbeitende, die meisten davon sitzen in Paris und ein Teil des Forschungsteams auch in Bern.Einnahmen generiert Hugging Face mit Zusatzfunktionen wie grösserem Speicherplatz, die meisten Nutzenden begnügen sich jedoch mit der kostenlosen Version. Trotzdem vermeldete die Firma kürzlich einen hochgerechneten Jahresumsatz von 100 Millionen Dollar. Die Plattform sei nahe daran, profitabel zu sein, sagte Delangue im Juli.Von Open-AI-KI-Agenten angegriffenDa sich auf der Plattform offene KI-Modelle auf die eigene Infrastruktur herunterladen und betreiben lassen, können etwa Firmen sie auf spezifische Arbeitsprozesse zuschneiden. Und verhindern, dass die Daten mit den KI-Firmen geteilt werden. Dank den auf Hugging Face verfügbaren Datensätzen können KI-Entwickler zudem eigene maschinelle Systeme trainieren.Hugging Face steht damit im Zentrum einer Debatte, die die KI-Welt derzeit umtreibt. Was ist sicherer: Auf geschlossene Modelle zu setzen, bei denen die KI-Firmen die zugrunde liegende Software und Trainingsdaten unter Verschluss halten – und diese dadurch zwar nicht kopiert, aber auch nicht kontrolliert werden können? Oder auf offene Modelle zu setzen, die diese Mechanismen offenlegen – und so transparenter untersucht werden können, aber auch Missbrauchsrisiken bergen?Der Hugging-Face-CEO Delangue sagte im Juli in einem Interview, es herrsche der Eindruck, Open-Source-Modelle seien unsicher, dabei habe man gesehen, dass auch geschlossene Modelle missbraucht werden könnten.Hugging Face selbst wurde im Juli gehackt, und zwar von KI-Agenten eines – geschlossenen – KI-Systems von Open AI, die aus einer vermeintlich sicheren Trainingsumgebung ausgebüxt waren.Um den Angriff zu stoppen und zu entschlüsseln, musste das Infrastrukturteam der Plattform damals auf ein offenes chinesisches Modell zurückgreifen. Die geschlossenen amerikanischen verweigerten die Hilfe, da sie das, was das Team mit ihnen teilte, ebenfalls als möglichen Hacking-Versuch interpretierten.China dominiert den Markt für offene KIIm Unterschied zu den USA dominiert China den KI-Markt mit offenen Modellen. Ein Hugging-Face-Bericht vom März zeigt, dass mit über 40 Prozent der Grossteil der von der Plattform heruntergeladenen offenen Modelle aus China stammt.Die Diskussion ist längst eine geopolitische geworden. Denn wenn Chinas offene Modelle immer besser und beliebter werden, können es sich die USA und Europa kaum leisten, auf diesem Feld untätig zu bleiben.Für die Firma ist das die perfekte Ausgangslage, um zu fordern, dass die Welt mehr offene KI-Modelle braucht. Und um zu zeigen, dass auf Hugging Face alles zusammenläuft. Jensen Huang scheint überzeugt. Entweder von dieser Argumentation oder schlicht von der Möglichkeit, dadurch noch mehr Nutzern Zugang zu KI-Modellen zu geben – und seinen Absatzmarkt zu vergrössern.Passend zum Artikel
13 Milliarden Dollar für Hugging Face – Nvidia setzt auf offene KI-Modelle
Hugging Face ist eine Plattform für KI-Modelle. Ausgerechnet ein Angriff durch KI-Agenten von Open AI hat die Firma berühmt und ihr Geschäftsmodell noch interessanter für Nvidia gemacht.














