Die Holocaustüberlebende Charlotte Knobloch hat sich erschüttert über das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt gezeigt. »An Tagen wie diesen fällt es mir schwer, meine Heimat noch wiederzuerkennen«, sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. »Dass Rechtsextreme in Deutschland in dieser Art wieder Wahlen gewinnen, das hätte ich mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können.«Knobloch zufolge ist das hohe Wahlergebnis der AfD ein Zeichen, dass »die Statik der Demokratie in unserem Land nicht mehr funktioniert – und ich sage ganz offen: Das macht mir Angst.« Ein »erschreckend großer Teil der Wähler in Sachsen-Anhalt« habe die Grundlage von Demokratie, Sicherheit und Wohlstand abgelehnt. Damit hätten sie auch die Prinzipien zurückgewiesen, die es Juden und Jüdinnen ermöglichten, Deutschland wieder als ihr Zuhause zu begreifen. »Das ist ein tiefer Einschnitt – ganz egal, welche Partei am Ende den Regierungschef stellt.«

Demokratische Parteien und Wähler müssten sich nun umso mehr für Freiheit, Respekt und Toleranz einsetzen, sagte Knobloch. »Wir dürfen – und ich will – dieses Land nicht verloren geben.«Josef Schuster sieht Gefahr für BildungspolitikDer Präsident des Zentralrats der Juden sprach von einem Resultat, das ihn »persönlich entsetzt«: »Über die letzten Monate war klar ersichtlich, welche Ziele die AfD verfolgt«, sagte Josef Schuster der »Welt«. »Wer sie heute gewählt hat – trotz oder wegen dieser Ziele – trägt die Verantwortung für dieses Ergebnis.«