Die USA bombardieren drei iranische Tanker, nachdem Teheran seine Attacken ausgeweitet hatZum ersten Mal hat Iran einen amerikanischen Flugzeugträger ins Visier genommen. Während Teheran im Persischen Golf in die Offensive geht, hält es sich bei der Unterstützung des Hizbullah in Libanon zurück.06.09.2026, 14.40 Uhr3 LeseminutenDieses Video soll den getroffenen Tanker «Kylo» zeigen.U.S. Central Command via ReutersOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nachdem Donald Trump die neue «Tanker für Tanker»-Doktrin im Krieg gegen Iran herausgegeben hat, werden die Erdöl-Frachter offenbar zum primären Ziel amerikanischer Angriffe. Am Samstag haben die USA erneut drei iranische Tanker beschossen.Laut dem amerikanischen Regionalkommando für den Nahen Osten, Centcom, wurden zwei der Tanker «dauerhaft unschädlich» gemacht und ein weiterer «vollständig zerstört». Einer der Tanker ist gemäss Centcom nach den Angriffen gesunken.Den amerikanischen Attacken war eine beachtliche iranische Eskalation vorausgegangen: Erstmals hatte Teheran einen amerikanischen Flugzeugträger mit ballistischen Raketen angegriffen. Ohne den Träger könnten die USA ihre Einsätze im Persischen Golf kaum fortführen. Zudem nahm Iran einen Zerstörer ins Visier. Die USA bestätigten die Attacke, laut Centcom konnten alle angegriffenen Schiffe jedoch, ohne Schaden zu nehmen, ausweichen.Iran weitet seine Angriffe ausIm Verlauf des Kriegs hatten die iranischen Streitkräfte bisher von Angriffen auf Flugzeugträger abgesehen. Die Angriffe vom Samstag deuten darauf hin, dass Teherans Vorsicht abnimmt und Iran künftig noch weitreichendere Attacken vornehmen könnte.Darauf deuten auch die Worte des iranischen Parlamentspräsidenten Mohammed Bagher Ghalibaf hin, des neuen starken Manns in Iran. «Die Amerikaner müssen verstehen, dass die Zeit der verhältnismässigen Antworten vorbei ist», sagte Ghalibaf am Sonntag. «Die Spielregeln haben sich geändert – von jetzt an werden Angriffe auf Irans Interessen eine schnellere, härtere und schmerzhaftere Vergeltung nach sich ziehen.»Das iranische Militär erklärte ausserdem, dass es seine Angriffe auf amerikanische Kriegsschiffe ausweiten werde, falls Washington weiterhin Tanker attackiere und die Seeblockade gegen iranische Häfen nicht lockere.Die USA geben sich davon unbeeindruckt: «Die Botschaft an die iranischen Revolutionswächter ist klar: Wenn ihr auf zwei unserer Schiffe schiesst, werden wir euch noch höhere wirtschaftliche Kosten aufbürden – indem wir drei eurer Schiffe ausschalten», sagte Admiral Brad Cooper, der Befehlshaber des amerikanischen Regionalkommandos für den Nahen Osten.Teheran kommt dem Hizbullah nicht zu HilfeWährend das iranische Regime nahe der Heimat eine weitere Sprosse auf der Eskalationsleiter erklimmt, hält sich Teheran an weiter entfernten Fronten zurück. Israel rückt in Südlibanon weiter vor und hatte vor wenigen Tagen verkündet, den 600 Meter hohen Hügel Ali al-Taher in der Nähe der Stadt Nabatieh jetzt vollständig zu kontrollieren. Die Anhöhe liegt ausserhalb der sogenannten gelben Linie, die die von Israel besetzte «Sicherheitszone» in Südlibanon markiert.Für Iran war der strategisch wichtige Ali-al-Taher-Hügel eigentlich eine rote Linie gewesen. Erst vor zwei Wochen hatte der Chef des Hizbullah-Medienbüros Youssef al-Zein Reportern gesagt, dass Teheran einen israelischen Angriff auf Ali al-Taher nicht tolerieren würde. «Das würde neue iranische Angriffe auf die ‹Entität› nach sich ziehen», sagte Zein Mitte August bei einem Austausch mit Journalisten in Beirut. Mit der «Entität» meint der Vertreter der mit Iran verbündeten Schiitenmiliz den jüdischen Staat.Laut der Nachrichtenagentur Reuters hatte Iran vor wenigen Tagen die USA über Vermittler warnend darauf hingewiesen, dass Teheran mit voller Kraft gegen einen israelischen Vorstoss bei Ali al-Taher reagieren würde. In Tunneln unter dem Berg sollen Hizbullah-Kämpfer eingeschlossen sein.Bisher blieb eine kraftvolle iranische Reaktion jedoch aus. Offenbar bleibt das Interesse in Teheran gering daran, Israel wieder in den Krieg hineinzuziehen. Denn der jüdische Staat dürfte weitreichender als die USA in Iran bombardieren, falls Teheran Raketen auf Israel schiesst. Im März hatten israelische Kampfjets etwa iranische Öldepots zerstört. Dies käme angesichts der anhaltenden Treibstoffkrise in Iran für das Regime zur Unzeit.Zunächst konzentriert sich Iran augenscheinlich auf die amerikanische Bedrohung vor der eigenen Haustür und lässt die israelischen Angriffe auf seinen Verbündeten in Südlibanon unbeantwortet. Das bedeutet jedoch nicht, dass in Libanon Ruhe eingekehrt ist: Nach einem Drohnenangriff des Hizbullah auf israelische Soldaten, die beim Ali-al-Taher-Hügel operieren, flogen israelische Kampfjets am Sonntag mehrere Attacken auf Südlibanon. Vier Menschen wurden laut libanesischen Medien bei den Luftangriffen getötet.Passend zum Artikel