Pro ArtikelWie weiter mit dem Ukraine-Krieg? Die drei Zwangslagen des Wladimir PutinDen russischen Präsidenten zu einem Frieden mit der Ukraine zu überreden, scheint weiter schwierig. Dennoch hat Donald Trump wieder sein Verhandlerduo Witkoff und Kushner nach Moskau geschickt. Denn auch die Fortführung des Krieges bringt dem Kremlchef nur weitere Probleme.06.09.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenDer russische Präsident Wladimir Putin hält am Krieg gegen die Ukraine fest, doch die Zeit läuft gegen ihn.Peter Kovalev / Zuma / ImagoDie Amerikaner haben ihr Skript für ein Ende des Krieges in der Ukraine, und Wladimir Putin hat das seine. Nach dem CIA-Chef John Ratcliffe versuchte das amerikanische Verhandlerduo Steve Witkoff und Jared Kushner am Samstag wieder einmal sein Glück in Moskau. Ratcliffes Mission war ein Fehlschlag, so berichteten amerikanische Vertreter in der «Washington Post». Der Geheimdienstchef habe den «Zeiger nicht bewegen können», der Kreml bleibe auf Kriegskurs.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Immerhin müssen Witkoff und Kushner – Donald Trumps Emissäre – nicht darauf gefasst sein, in einen Luftschutzkeller zu flüchten, wenn sie am heutigen Sonntag in Kiew, der zweiten Station ihrer Reise, eintreffen. Putin ordnete für die Dauer der amerikanischen Vermittlungsversuche bis Dienstag einen Stopp der Luftangriffe auf Kiew an. Die ukrainische Führung hatte dasselbe für Russland veranlasst.Doch Wladimir Putin ist gefangen in einer Reihe von Dilemmata. Sein Skript ist der Krieg. Eskalation nach aussen, noch mehr Repression nach innen. Ein Kriegsende, schnell herbeiverhandelt, ist unmöglich. «Sie werden mich hängen», soll er einem seiner Günstlinge anvertraut haben, so will der «Economist» erfahren haben. Putin, der Diktator, fürchtet um seine Macht und sein Leben, sollte der Ukraine-Krieg ohne einen Sieg nach russischen Bedingungen enden.1. Die Zeit ist sein FeindPutins Angriffskrieg gegen die Ukraine ist bereits in seinem fünften Jahr, er dauert länger als der enorm verlustreiche Zweite Weltkrieg der Sowjetunion. Jeder weitere Tag dieser sogenannten «militärischen Spezialoperation», die als Blitzkrieg geplant war, ist eine Niederlage. Nicht einmal ihr Minimalziel – die Eroberung des gesamten Donbass im Osten der Ukraine – konnte die russische Armee bisher erreichen. Der Kreml, die Wirtschaftselite, die russische Öffentlichkeit sind sich dieser Tatsache wohl bewusst. Den Kalender kann jeder lesen. Dennoch will Putin seinen Krieg weiterführen. Und um seine Niederlage propagandistisch zu wenden, stellt er den Überfall auf die Ukraine als Krieg des Westens gegen Russland dar. Die russische Armee müsse gegen die Nato-Länder kämpfen, welche die Ukraine unterstützten. Doch die Uhr kann er nicht aufhalten. Russlands Staatshaushalt gerät immer weiter in Schieflage, die Bevölkerung schrumpft, die wirtschaftliche Abhängigkeit von China wächst.Schwedens Ministerpräsident Ulf Kristersson hat dieser Tage eine Prognose gewagt: Russland bleibe für die nächsten fünfzig Jahre eine Sicherheitsbedrohung für sein Land und Europa. So lange wird Putin nicht leben, auch wenn er eifrig nach Verjüngungskuren und dem Austausch von Organen forschen lässt. Der russische Präsident wird im Oktober 74. Josef Stalin starb in diesem Alter. Putins Regime ähnelt dem seinen längst.2. Gesellschaft contra KremlDie Russland-Expertin Tatiana Stanowaja verglich kürzlich Putins Regime und die Zwangslage, in der es sich befindet, mit einem festsitzenden Bolzen: Je mehr Druck von aussen kommt, umso mehr verkeilt er sich. Deshalb geben auch andere Kremlbeobachter der Ausweitung der ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Warenlager und Raffinerien keine Chance, Putin zu mehr Flexibilität für einen Friedensschluss zu bewegen. Im Gegenteil. Die Antwort des russischen Präsidenten ist ein noch stärkeres Bombardement der ukrainischen Städte.Putin räumte diese Woche selbst ein, der Schaden durch die zunächst auf vierzig Tage festgesetzte ukrainische Angriffskampagne belaufe sich auf 1 Prozent der russischen Wirtschaftsleistung. «Ziemlich substanziell, aber nicht kritisch für uns», erklärte er. Die Spekulationen über eine Massenmobilisierung nannte er Unsinn.Und doch sind im Land mittlerweile zwei Trends erkennbar, eine Kluft, die grösser wird: auf der einen Seite der unerbittliche Kriegskurs des Präsidenten, auf der anderen der Wunsch in der Gesellschaft, offenbar auch in Teilen der Elite, nach einem Ende, einer Friedenslösung, der Rückkehr zu normaleren Zeiten. Putin kann diesen Wunsch nicht erfüllen, gleichzeitig aber auch keinen Dissens im Land zulassen. Die Duma-Wahlen in zwei Wochen werden entsprechend manipuliert.Die öffentliche Stimmung ist gleichwohl anders, sie drehte sich im April, stellte selbst das staatliche, dem Kreml also nahestehende Meinungsforschungsinstitut FOM fest. Mehr russische Bürger geben seither an, Angst zu verspüren – 53 Prozent waren es im August –, während eine Minderheit erklärt, sie fühle sich ruhig.Was manche in der russischen Wirtschaftselite tatsächlich über den Krieg und Putins Obsession mit der Ukraine denken, wurde deutlich, als sich Anfang Juli der Milliardär Andrei Melnitschenko im «Economist» zu Wort meldete. In einem längeren Interview und einem von ihm verfassten Essay beschrieb der Grossindustrielle, der lange in der Schweiz gelebt hat, die Fortführung des Ukraine-Krieges als nicht tragfähig für Russland. Der Ukraine gestand er das Recht auf Souveränität zu, ebenso aber natürlich dem russischen Staat. Melnitschenko plädierte für einen Interessenausgleich. Er besuchte sogar Putin im Kreml, um ihm seine Sorgen über die Weiterführung des Krieges darzulegen. Der Milliardär ging ein Risiko ein. Doch sein Fall zeigt die Spannung in der russischen Gesellschaft, die Putin nicht auflösen kann.3. Nordkorea im GrossformatMelnitschenko, der Düngemittelhersteller und Kohle- und Stromproduzent, beschwor unter den verschiedenen Szenarien für Russland auch eine besonders düstere Vision: die langfristige Abschottung seines Landes, den Rückzug von Politik und Gesellschaft von der Welt, die Reduzierung des Handels auf den Austausch mit China. Russland als ein Nordkorea im Grossformat, nach innen gekehrt, nach aussen militärisch abgesichert durch das Atomwaffenarsenal. Es ist das dritte Dilemma, vor dem Putin steht.Denn die imperialistische Idee des russischen Präsidenten birgt das Risiko des Kleinerwerdens. Der Versuch, Territorium an sich zu reissen, die «Neurussland» genannten heutigen vier Oblaste im Süden und im Osten der Ukraine, die Krim, später vielleicht auch die Moldau, die baltischen Staaten, Weissrussland, weitere Teile Georgiens – all dies bewirkt ironischerweise das Gegenteil. Russland wird international zum Paria-Staat und muss jetzt schon die Folgen des weitgehenden Abbruchs der Wirtschaftsbeziehungen zu Europa hinnehmen.Ohne Aussicht auf ein Kriegsende in der Ukraine oder aber nach einem als ungerecht empfundenen Friedensschluss wird die Versuchung in Russland gross sein, sich nach innen zurückzuziehen. Es ist das Rezept, für das eurasische Nationalisten bereits werben. Je länger Putin den Krieg fortführt, umso weniger anziehend, geistig kleiner wird sein Russland.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»7 KommentareRoger Schwab 07.09.2026Da fehlt mir die differenzierte Darstellung in sämtlichen Kommentaren. Wohlen Sie denn alle eine direkte Konfrontation mit Russland, oder begrüssen Sie die Gefahr dieser hinterlistigen Anschlägen, ich verweise auf Deutschland. Warum muss der deutsche Aussen betonen, Deutschland ist nicht im Krieg mit Russland, wirklich nicht? Warum fanden sich in Kiev 2012 amerikanische Militärattachés? Es ist leider ein Zeichen der Zeit, kein Stein darf mehr auf dem andern stehen. Alles muss liberalisiert und befreit werden. Aber dabei ist der letzte Weltkrieg noch keine 100 Jahre her, und die Russen, die sind vor den Kopf gestossen, auf dem linken Bein erwischt worden. Jelzin und Clinton erlebten dann die Vodka trächtigen Treffen, aber immerhin, die Nachkriegsordnung wurde neu verhandelt und vereinbart. Frage: hat sich die westliche Hemisphäre daran gehalten? Nein. Wir sind im Begriff, diese Stabilität zu zerlegen, Europa kann nur verlieren. Ein einziger Kommentar erwähnte, auf welchem linken Bein Europa sich befindet. Diese immerlahmen Mechanismen der EU, diese Doppelmoral dies und jenseits des Atlantik sind fatal. Es beginnt aber schon bei vielen von Ihnen, Sie denken doch immernoch 1+1=2, sagen aber 1+1=3. Hmmm ich fürchte 1+1=½ in Zukunft. Unterschätzen Sie Vladimir Putin nicht und verstehen Sie, dass das russische Sozialgefüge ganz anders zum unserigen funktioniert. Natürlich hat er das nötige veranlasst, Unebenheiten mehr oder minder elegant beseitigen zu lassen. Aber der Mossad und die CIA tun es auch. Aber Putin sitz fest im Sattel, und seine Entourage auch. Die Zustände als Stalinistisch zu bezeichnen sind daneben in vielerlei Hinsicht, aber vorwiegend dessen, als dass es den Russen heute noch nie so gut gegangen ist. Dieses Volk erlitt eine enorme Kaufkraft- und Wohlstandszunahme. Wir werden die nächste Mobilmachung in Russland nach den Wahlen erleben und so ins offene Messer laufen, nur das einige von Ihnen sagen können: 1+1=3Matthias Frei 07.09.20264 EmpfehlungenPUTIN ist ein Diktator und Kriegsverbrecher - er gehört in ein Hochsicherheitsgefängnis in Einzelhaft in Den Haag für den Rest seines Lebens.
Die drei Sackgassen von Wladimir Putin im Ukraine-Krieg
Den russischen Präsidenten zu einem Frieden mit der Ukraine zu überreden, scheint weiter schwierig. Dennoch hat Donald Trump wieder sein Verhandlerduo Witkoff und Kushner nach Moskau geschickt. Denn auch die Fortführung des Krieges bringt dem Kremlchef nur weitere Probleme.













