Linke Aktivisten stellen Nigel Farage eine Falle – und bringen ihn mit neuen Vorwürfen um zwielichtige Spenden in BedrängnisEin Undercover-Bericht zeigt, wie Berater des nationalistischen Politikers einen Plan zur Umgehung der britischen Gesetze für Parteispenden aushecken. Die Reform UK spricht von einem inszenierten «Schwindel».05.09.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenNeue Enthüllungen überschatten die Jahreskonferenz von Reform UK: Der Parteichef Nigel Farage steht unter Druck.Tolga Akmen / EPAEigentlich wollte Nigel Farage, der Anführer der rechtsnationalen Partei Reform UK, in diesen Tagen endlich wieder für Optimismus sorgen. An der derzeit stattfindenden Parteikonferenz möchte er mit einem 100-Tage-Programm zeigen, wie er im Fall eines Wahlsiegs die britische Migrationspolitik und den Sozialstaat reformieren würde. Ein Auftritt von Jordan Bardella vom französischen Rassemblement national soll ausserdem zeigen, wie toll die Beziehungen zur europäischen Rechten sind.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Doch nun muss sich Farage erneut mit happigen Vorwürfen um Parteispenden herumschlagen. Ein Bericht von Undercover-Journalisten zeigt, wie zwei Berater von Farage anscheinend einen Plan ausarbeiten, um die britischen Gesetze zur Parteienfinanzierung zu umgehen. Der Film, der am Donnerstagabend auch vom britischen Channel 4 ausgestrahlt wurde, dürfte die Krise der Partei weiter verschärfen.«Nigel weiss es nicht, wird es nicht wissen»Hinter der Dokumentation stehen die linksaktivistischen Journalisten Lawrence Carter und Louis Wilson, die gemeinsam das Investigativprojekt Verbatim gegründet haben. Im Film tarnt sich Wilson als William Lockwood, ein in Grossbritannien lebender Sohn eines reichen Amerikaners, der Reform UK unterstützen will. Das Problem: Parteispenden sind nur zulässig, wenn sie durch im Vereinigten Königreich registrierte Wähler oder dort ansässige Unternehmen getätigt werden. Der angebliche Vater dürfte also kein Geld zahlen, sondern nur der Sohn.Zunächst trifft sich «William Lockwood» mit dem politischen Leiter von Reform UK, James Orr. Sie einigen sich darauf, dass Lockwood Meinungsumfragen bezahlt, die die Partei bei einer Demoskopie-Firma in Auftrag gibt. Da der Geldbetrag nicht direkt an Reform UK fliesst, sondern von der Firma in Rechnung gestellt wird, handelt es sich nicht zwingend um eine Parteispende. Das sei «total legitim», sagt Orr in der verdeckten Aufnahme und versichert: «Nigel (Farage) weiss es nicht, wird es nicht wissen.» Insgesamt fliessen 32 500 Pfund für Umfragen, die etwa zeigen, dass die Labour-Partei bei allfälligen Wahlen verlieren würde oder dass Gewerkschaften Farage unterstützen.Dann stellt der Undercover-Journalist eine direkte Spende von 500 000 Pfund in Aussicht. Er trifft sich mit Farages Stabschef Dan Jukes, der den Plan vorschlägt, das Geld des amerikanischen Vaters über den Sohn zu leiten, um so die geltenden Spendengesetze zu umgehen.Im Juli 2026 kommt es schliesslich zu einem Treffen zwischen Farage, Jukes und Lockwood sowie dem amerikanischen Vater, der in Wahrheit ein Schauspieler ist. Bei Austern, Weisswein und Guinness-Bier bedankt sich Farage zunächst für die Finanzierung der Umfragen. Dann erklärt ihm Lockwood den Plan mit der grossen Spende. Farage sagt: «Thank you.» Der Parteichef war gemäss diesen Aufnahmen ein Mitwisser.Reform fällt in Umfragen zurückReform UK hat bereits Konsequenzen gezogen. Am Donnerstag hat die Partei mitgeteilt, dass Orr und Jukes ihre Posten bis zum Abschluss einer internen Untersuchung niedergelegt hätten. Gleichzeitig bestreitet sie jegliches Fehlverhalten. Man sei Ziel eines «Schwindels» geworden, den ausländisch finanzierte Klimaaktivisten inszeniert hätten. Farage selbst beteuerte, es seien keine Gesetze gebrochen und kein Geld überwiesen worden. Es handle sich um einen klaren Fall von «entrapment» – die Verleitung zu einer Straftat. Zudem habe seine Partei die Umfragen nicht in Auftrag gegeben.Doch selbst wenn die jüngste Affäre womöglich keine juristischen Konsequenzen haben wird, verstärkt sie den Eindruck, dass es Farage mit dem Gesetz nicht so genau nimmt. Im Sommer wurde bekannt, dass der Politiker Zuwendungen in Millionenhöhe nicht deklariert hatte; es läuft eine Untersuchung der parlamentarischen Ethikkommission. Derweil scheint der Stern von Reform UK zu sinken: Nachdem die Partei während Monaten die Umfragen angeführt hatte, fiel sie jüngst hinter die Labour-Partei des neuen Premierministers Andy Burnham zurück.Passend zum Artikel