Trump entfacht die Debatte um die Falklandinseln neu – Milei dankt und rüstet rhetorisch aufDer argentinische Präsident verkündet Sanktionen gegen zwei Firmen, die ein riesiges Ölfeld im Südatlantik ausbeuten wollen. In Argentinien ist der Kampf um die Kontrolle über die «Malvinas» sehr populär.05.09.2026, 05.30 Uhr5 Leseminuten«Die Malvinas gehören uns»: Argentiniens Präsident Javier Milei setzt nun auf einen nationalistischen Diskurs.Diego Martin / ImagoEin Idol von Javier Milei ist Margaret Thatcher. Doch daran wird der anarchokapitalistische Präsident Argentiniens in diesen Tagen nicht gerne erinnert. Denn es war die «Eiserne Lady», die als Premierministerin Grossbritanniens 1982 unerbittlich blieb und auf die argentinische Besetzung der Falklandinseln mit militärischer Härte reagierte. Nach ein paar Wochen endete der Krieg mit einem britischen Sieg. Argentinien bezahlte die Attacke mit mehreren hundert toten Soldaten. Und einem nationalen Trauma, das bis heute anhält.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Doch nun keimt in Argentinien neue Zuversicht auf, dass die «Islas Malvinas» irgendwann nicht mehr nur auf argentinischen Landkarten zum Staatsgebiet zählen, sondern auch in der Realität wieder eigenes Territorium werden. Es war Donald Trump, der mit vagen Aussagen kürzlich diese Hoffnungen genährt hat. Der amerikanische Präsident erklärte, die Haltung der USA bezüglich der Falklandinseln werde derzeit «überprüft» – genauso wie viele andere Positionen.Ein nationales Trauma: Während des Falklandkriegs im Jahr 1982 starben Hunderte von argentinischen Soldaten.Stock & People / ImagoDas war wohl weniger als Zugeständnis an seinen engen Verbündeten Milei gedacht, als dass es vielmehr eine Spitze gegen die linke Regierung in London war. Denn Trump ist der Meinung, dass Grossbritannien die USA im Krieg gegen Iran im Stich gelassen habe und als Nato-Partner generell zu wenig ins Militär investiere. Deshalb wisse er nicht, ob er die Briten in einem Konflikt um die Falklandinseln unterstützen würde, liess Trump durchblicken.Geschwächtes Grossbritannien?Für Milei ist das Anlass genug, rhetorisch aufzurüsten. Am Donnerstagabend richtete er sich, flankiert von zahlreichen Ministern, an die Nation. In seiner Ansprache zur Malvinas-Angelegenheit hielt er Grossbritannien vor, auf dem absteigenden Ast zu sein – angesichts der «multiplen Krisen in den Bereichen Zuwanderung, Demografie und Wirtschaft». Für die argentinischen Forderungen hingegen wehe derzeit ein «günstiger Wind des Wandels».Milei kündigte an, die bestehenden Sanktionen zu verschärfen, die sich gegen Firmen richten, die ohne argentinische Zustimmung auf den Inseln aktiv sind. Solche Unternehmen und ihre Besitzer dürften keine Geschäfte in Argentinien machen, mahnte Milei. Es geht dem Präsidenten dabei vor allem um das Projekt «Sea Lion»: Die Firmen Navitas aus Israel und Rockhopper aus Grossbritannien planen, 220 Kilometer nördlich der Inseln ein Ölfeld unter dem Meeresboden auszubeuten. Dieses liegt innerhalb der maritimen Zone der Falklands und gilt als eines der grössten im Südatlantik. Die Vorbereitungsarbeiten für die Ölförderung haben bereits begonnen.Besonders schwerwiegend sei, dass eine nicht erneuerbare Ressource gefördert werde, die den Argentiniern gehöre, sagte Milei. Das habe es noch nie gegeben. «Wenn wir nicht handeln, werden sie in wenigen Monaten in der Lage sein, sich Teile der Ölreserven anzueignen, die unter unserem Meer lagern. Das werden wir nicht zulassen!» Milei wirft Grossbritannien vor, eine Uno-Resolution aus dem Jahr 1976 zu missachten: Diese fordert beide Parteien auf, keine einseitigen Massnahmen zu treffen, solange der Territorialkonflikt ungelöst ist.Argentinisches SäbelrasselnMit einem militärischen Abenteuer wie 1982 drohte Milei zwar nicht. Er betonte, alle «diplomatischen, ökonomischen und gerichtlichen» Instrumente einsetzen zu wollen, die Argentinien zur Verfügung stehen. Gleichzeitig unterstrich er die schon länger bestehenden Pläne für eine neue Flottenbasis in Feuerland. Diese soll die strategische Position Argentiniens im Südatlantik und in der Antarktis stärken.Sein Land habe die Wahl, betonte Milei: «Entweder verwandeln wir uns in eine grosse Nation, die in der Lage ist, ihre Souveränität zu verteidigen – oder wir bleiben auf dem Weg des Niedergangs, der uns unweigerlich in die Unterwerfung führen wird.»Statt mit seinem üblichen Motto «Viva la libertad, carajo!» («Es lebe die Freiheit, verdammt noch mal!») beendete der Präsident seine Ansprache mit den Worten «Viva la patria!». Milei, dessen Umfragewerte im Keller sind, weiss, dass solche nationalistischen Töne in weiten Kreisen der argentinischen Bevölkerung gut ankommen.Zum argentinischen Anspruch auf die Inseln herrscht im Land weiter Konsens, wie auch dieses Strassenschild an der Küste in Feuerland zeigt.Danflcreativo via ImagoBesonders in der Frage der Falklandinseln gibt es einen so breiten Konsens wie sonst kaum in der polarisierten Gesellschaft: Laut einer Umfrage aus diesem Jahr halten über 90 Prozent am argentinischen Anspruch auf die Inseln fest und finden diese Frage wichtig. So begrüsste auch eine klare Mehrheit die Aktion einiger argentinischer Nationalspieler an der Fussball-WM in diesem Sommer. Nach dem Sieg über England im Halbfinal hielten sie ein Transparent hoch, auf dem stand: «Las Malvinas son argentinas.»«Eine heilige Angelegenheit für Argentinier»Der Regierung Milei hingegen werfen zwei Drittel der Befragten vor, sich bisher zu wenig um das Thema gekümmert zu haben. Diesen Eindruck will offensichtlich auch Mileis Chefstratege Santiago Caputo korrigieren. «Die Malvinas sind eine heilige Angelegenheit für die Argentinier», schrieb er kürzlich auf der Plattform X. Er zeigte sich erfreut darüber, dass die USA ihre Position bezüglich der Falklands «angepasst» hätten. Von einem strategischen Verbündeten wie Trump könne man aber auch nichts anderes erwarten.In London gibt man sich derzeit noch unbeeindruckt von der argentinischen Kraftmeierei. Wes Streeting, Staatssekretär für Verteidigung, schrieb auf X, Mileis nächtliche Erklärung verrate mehr über die argentinische Innenpolitik als über die Falklandinseln. «Unser Engagement für die Falklands ist absolut und unerschütterlich», hielt Streeting fest. Die Inseln würden britisch bleiben, weil sich die Bewohner dafür entschieden hätten, britisch zu sein.Milei’s statement overnight tells us more about domestic politics in Argentina than it does about the Falkland Islands.The Falklands are British because Falkland Islanders choose to be British.Our commitment to the Falklands is absolute and unshakeable 🇬🇧 🇫🇰 pic.twitter.com/pi0xd7OhYS— Wes Streeting (@wesstreeting) September 4, 2026
Trump entfacht Falkland-Debatte – Milei fordert britisches Ölprojekt heraus
Der argentinische Präsident verkündet Sanktionen gegen zwei Firmen, die ein riesiges Ölfeld im Südatlantik ausbeuten wollen. In Argentinien ist der Kampf um die Kontrolle über die «Malvinas» sehr populär.










