Nobelpreisträgerin María Corina Machado geht erstmals auf Distanz zu Donald TrumpDie venezolanische Oppositionspolitikerin kritisiert das Öl-Abkommen mit den USA. Nun wird sich zeigen, ob der amerikanische Aussenminister Marco Rubio weiter hinter ihr steht.04.09.2026, 16.31 Uhr4 LeseminutenDarf sie bald zurück? Die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado im Exil in Panama.Enea Lebrun / ReutersEine Woche hat sie sich Zeit gelassen – und wohl jedes Wort ihrer öffentlichen Erklärung genau abgewogen. Nun stellt María Corina Machado, die Anführerin der venezolanischen Opposition, das von Präsident Donald Trump verkündete Öl-Abkommen infrage. Damit geht sie erstmals auf Distanz zum amerikanischen Präsidenten, den sie stets als Friedenstifter und Unterstützer Venezuelas gepriesen hat.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. 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Schliesslich wurde es von einer Regierung und einem Parlament ausgehandelt, deren demokratische Legitimität die Opposition bestreitet.Mit dem Verweis auf die fehlende Befugnis kritisiert auch die letztjährige Nobelpreisträgerin das Abkommen. «Die Bodenschätze unseres Landes gehören nicht einem illegitimen Regime», sagte Machado. Venezuela habe es in seiner Geschichte immer wieder erlebt, dass jemand «über das entscheidet, was uns gehört – in unserem Namen, aber ohne uns einzubeziehen».Sie betonte erneut, dass solche Vereinbarungen unter der Führung legitimer staatlicher Autoritäten sowie in einem demokratischen und souveränen Rahmen und mit klaren Regeln für Investoren geschlossen werden müssten. «Wer unterschreibt? Was genau wird eigentlich unterschrieben? Wer stellt dieses Geld bereit? Wer gibt die Garantien? Wie werden die Venezolaner davon profitieren?», fragte sie.Sie will Trump nicht direkt kritisierenMaría Corina Machado versuchte dabei tunlichst, direkte Kritik an der Regierung Trump zu vermeiden. Die Vereinigten Staaten seien weiterhin der wichtigste Partner, den Venezuela brauche, um sein strategisches Potenzial voll zu entfalten, erklärte sie. «So sieht es die Mehrheit der Venezolaner, darin spiegeln sich die gemeinsamen Werte beider Länder wider, und dafür habe ich mich mein ganzes Leben lang eingesetzt.»Dennoch dürfte Machado mit ihren Worten in Washington keine Begeisterung ausgelöst haben. Bisher hatte sie sich jeder Kritik an der Zusammenarbeit zwischen der Trump-Regierung und dem Regime in Venezuela unter Führung von Delcy Rodríguez enthalten.Rodríguez hatte nach der Militäraktion der USA vom 3. Januar dieses Jahres als Nachfolgerin von Präsident Nicolás Maduro die Regierungsgeschäfte übernommen. Maduro steht nun in New York wegen des Vorwurfs des Drogenhandels vor Gericht. Seitdem lobt Trump Rodríguez, die ehemalige Aussenministerin und Vizepräsidentin des Regimes, immer wieder für die reibungslose Zusammenarbeit.Trump traut Machado die Kontrolle Venezuelas nicht zuMachado war dagegen von Trump direkt nach der Militäraktion aus dem Spiel um die direkte Nachfolge Maduros genommen worden. Sie habe keine Kontrolle über die Militärs und sonstigen Sicherheitskräfte, behauptete er. Das Land müsse erst stabilisiert, dann wieder aufgebaut werden, bevor der Weg zur Demokratie beschritten werden könne: So lautete die Argumentation, mit der Aussenminister Marco Rubio die Oppositionsführerin davon abhielt, weiter für sofortige Neuwahlen zu plädieren. Die Präsidentschaftswahl von 2024 hatte nach den von der Opposition veröffentlichten Wahlprotokollen Machados Stellvertreter Edmundo González gewonnen. Doch das Regime erkannte dieses Ergebnis nicht an und erklärte Maduro zum Sieger.Seitdem wurde Machados Rückkehr nach Venezuela mehrfach verhindert oder es wurde ihr davon abgeraten. Sie hatte Venezuela Ende vergangenen Jahres verlassen, um den Friedensnobelpreis entgegenzunehmen. Seitdem wartet sie im Ausland auf die Möglichkeit zur Rückkehr. Die gestaltet sich schwerer als erwartet.Anhänger von Machado bei einer Demonstration Ende Juli in Caracas.Nurphoto / GettyIm Juni wollte Machado im Privatjet nach Curaçao reisen, und von dort per Schiff weiter nach Venezuela. Doch die USA unterstützten die Aktion nicht, worauf Curaçao die Landeerlaubnis zurückzog. Nach dem Erdbeben Ende Juni versuchte Machado, mit einem Linienflug von Panama nach Venezuela zu gelangen, was das Regime in Caracas verhinderte.Hätte Machado Venezuela nicht verlassen sollen?Deswegen war es überraschend, dass der US-Aussenminister Rubio erst Anfang dieser Woche in einem Interview erklärte, dass Machado als venezolanische Staatsbürgerin das Recht habe, jederzeit in ihr Land zurückzukehren. «Wir können sie nicht daran hindern, irgendwohin zu reisen», sagte Rubio. Washington habe ihr von der Rückkehr bisher wegen erheblicher Sorgen um ihre Sicherheit abgeraten. Die USA wollten sicherstellen, dass ihr bei einer Rückkehr nichts geschehe. Nun wird sich zeigen, wie Rubio auf Machados Kritik reagieren wird.In Venezuela ist sie weiterhin eine zentrale Leitfigur der Opposition. Auch zwei Jahre nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl verfügt sie laut Umfragen weiterhin über grossen Rückhalt. Viele sehen es heute als Fehler an, dass Machado zur Entgegennahme des Nobelpreises das Land verlassen hat. Denn im Ausland ist ihr Einfluss geschrumpft.Ihre politische Legitimität als Oppositionsführerin verdankt sie auch der Tatsache, dass sie Venezuela nach der Wahl 2024 zunächst nicht verliess und sich trotz massiver Repression monatelang im Land versteckt hielt. Nun fordern viele ihre Rückkehr, auch wenn das zu einer schweren politischen Krise und neuer Polarisierung führen könnte. Denn Machado lehnt einen Dialog mit dem Regime bis heute ab.In Venezuela spekulieren einige, dass die Mitglieder der Regierung Trump ebenfalls strategisch weiterdenken. So haben die Amerikaner die weitgehend unbekannte ehemalige Parlamentspräsidentin Dinorah Figuera zur Vertreterin der Opposition bei den von Washington unterstützten Verhandlungen über einen Transitionsprozess gemacht. Damit gäbe es zumindest eine personelle Alternative vor Ort – zu María Corina Machado, aber auch zu Delcy Rodríguez, falls diese nicht mehr im Sinne Washingtons handeln sollte.Passend zum Artikel