iPhone Duo: Apple bringt ein faltbares Smartphone auf den MarktZwei Durchbrüche in der Materialwissenschaft machen faltbare Handys möglich: Flüssigmetall und ultradünnes Glas. Was hat es damit auf sich? Und was dürfen Konsumenten von dem neuen Gadget erwarten?09.09.2026, 19.56 Uhr5 LeseminutenAktualisiertApple CEO John Ternus mit dem neuen iPhone Duo. Cupertino, USA, 9. September 2026.Carlos Barria / REUTERSApple hat am Mittwoch mehrere neue iPhones vorgestellt. Ein Modell davon ist ein Smartphone, bei dem das Display in der Mitte gefaltet werden kann. Die Firma nennt das neue Gadget iPhone Duo. CEO John Ternus hat es an der Produktpräsentation mit dem berühmten Satz «one more thing» angekündigt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das Gerät hat zwei Bildschirme: Einen kleinen auf der Vorderseite, und einen grossen, faltbaren auf der Innenseite. In Deutschland soll das iPhone Duo 2299 Euro kosten, in der Schweiz 1999 Franken. Ausgeliefert wird in beiden Ländern ab dem 23. Oktober.Die Smartphoneindustrie arbeitet seit über zehn Jahren an faltbaren Displays. Nun kommt Apple mit seinem Foldable spät. Samsung verkauft in Europa seit 2019 aufklappbare Smartphones, Google seit 2023, Xiaomi seit 2024.Doch Apple hat den Ruf, den Rivalen absichtlich den Vortritt zu lassen und neue Geräte erst dann in sein Sortiment zu nehmen, wenn sämtliche Kinderkrankheiten beseitigt sind. Im Fall von faltbaren Handys sind dies insbesondere unschöne Knickfalten im Display und Scharniere, die mit der Zeit ausleiern.Nun ist die Technologie aber ausgereift. Nach und nach dürften sich damit immer mehr Konsumenten für ein faltbares Handy entscheiden. Das sehen jedenfalls Marktanalysen voraus. Laut dem Institut Future Market Insights sollen bis in zehn Jahren ein Drittel aller neu verkauften Geräte faltbar sein. Das Marktvolumen soll sich von heute 14 Milliarden Dollar auf 175 Milliarden Dollar vervielfachen.Zugeklappt gut mit einer Hand bedienbarWas Nutzer an faltbaren Geräten schätzen, ist bereits aus Produktetests wie jenem zum Samsung Galaxy Z Fold 8 klar: Zugeklappt sind sie kleiner als die meisten aktuellen Smartphones. Das heisst, sie passen besser in die Hosentasche und – besonders entscheidend für Menschen mit eher kleinen Händen – man kann sie besser mit einer einzigen Hand bedienen.Sind sie hingegen aufgeklappt, ist der Bildschirm so gross, dass man darauf im Zehnfingersystem tippen kann. Auch um Videos zu schauen, Fotos zu bearbeiten oder um gleichzeitig mit zwei unterschiedlichen Apps zu arbeiten, kann ein grösserer Screen angenehm sein.Geöffnet hat das iPhone Duo einen Bildschirm-Durchmesser von 19 cm. Screenshot aus der Apple-ProduktankündigungAppleDoch die Bauweise hat auch Nachteile. Zum einen sind die Falthandys zusammengeklappt spürbar dicker und schwerer als normale Smartphones.Zum anderen sind sie empfindlicher: Während normale Smartphones hartes Glas für das Display nutzen, besteht die Oberfläche der Falt-Displays aus weichem Kunststoff über ultradünnem Glas. Der Kunststoff verkratzt schnell, es reicht ein fester Druck mit dem Fingernagel.Dazu kommt, dass Falthandys weniger gut gegen Staub geschützt sind als normale Smartphones. Gelangt ein hartes Staubkorn ins Display, zum Beispiel durch die bewegliche Falte, kann es dort sichtbare Schäden verursachen.Für viele dürfte der gewichtigste Nachteil aber beim Preis liegen: Falthandys sind um einiges teurer als normale Smartphones. Sie kosten heute zwischen 1100 und 2100 Franken in der Schweiz, in Deutschland zwischen 1000 und 2200 Euro. Das iPhone Duo gehört in beiden Märkten zu den teuersten erhältlichen Modellen.Durchbrüche aus der MaterialwissenschaftDass faltbare Handys jetzt auf den Markt kommen, liegt an Fortschritten der Materialwissenschaft. Zwei neue Technologien ermöglichen faltbare Displays: Flüssigmetall in den Scharnieren und ultradünnes Glas im Display.Ultradünnes Glas ist etwa 60 Mikrometer dünn und damit etwa halb so dick wie ein menschliches Haar. In diesem Zustand lässt sich Glas biegen, ohne zu brechen. Für faltbare Smartphones ist das ein grosser Vorteil, weil der Bildschirm deswegen nicht von einer hässlichen Falte in der Mitte zweigeteilt wird.Ultradünnes Glas ist so beständig wie Glas, aber biegbar.Schott / CC BY-SA 4.0Flüssigmetall ist, anders als der Name vermuten liesse, ein Feststoff. Genauer gesagt besteht es aus einer Legierung, also einer Mischung aus verschiedenen Metallen, die durch blitzartiges Abkühlen härter wird als Titan. Anders als bei normalem Metall, dessen Atome im festen Zustand ein starres, regelmässiges Kristallgitter bilden, liegen die Atome bei Flüssigmetall ungeordnet durcheinander – ähnlich wie in einer gefrorenen Flüssigkeit.Ein normales Metallstück lässt sich durch Biegen verformen, eine Büroklammer aus Eisen etwa. Flüssigmetall hingegen ist so hart, dass es seine Form kaum verändert, selbst wenn man versucht, es mit Werkzeugen zu bearbeiten. Falls es trotzdem gebogen wird, federt es immer wieder in seine ursprüngliche Form zurück. Im faltbaren Smartphone, wo die Scharniere über die Jahre immer und immer wieder in der gleichen Weise beansprucht werden, ist dies wichtig, damit der Faltmechanismus nicht ausleiert.Wissenstransfer aus dem Labor dauert JahrzehnteSowohl Flüssigmetall wie auch ultradünnes Glas sind keine neuen Erfindungen. Die wissenschaftlichen Grundlagen dafür wurden in den 1960er Jahren geschaffen.Der ETH-Professor und Materialwissenschafter Chih-Jen Shih ordnet ein: «Es ist ganz normal, dass es Jahrzehnte dauert, bis sich wissenschaftliche Erkenntnisse in der Industrie durchsetzen. Es braucht jahrelanges Tüfteln am Prozessengineering, bis die Produktion präzise und robust genug ist – und damit rentabel.»So wurde ultradünnes Glas erst interessant für die Smartphone-Industrie, als es dem deutschen Unternehmen Schott mit einer neuen Zusammensetzung und einem chemischen Verfahren in den 2010er Jahren gelang, die Glasscheiben flexibler und hitzeresistenter zu machen. Ein weiteres Jahrzehnt verstrich, bis Firmen einen Weg fanden, die Produktion so zu verbessern, dass sie nicht den Grossteil der Gläser wegen Qualitätsmängeln wieder einschmelzen mussten.Die Ausschussrate ist bei ultradünnem Glas aber heute noch ein Problem: Laut der Fachpublikation «Patsnap Eureka» landen noch immer 30 bis 40 Prozent der Glasscheiben im Ausschuss.Beim Flüssigmetall scheiterten die Firmen lange an der Frage, wie sie die heisse, flüssige Legierung so schnell abkühlen können, dass die Atome keine Zeit haben, um eine Kristallstruktur zu bilden. Schliesslich ist Metall in der Kristallstruktur vergleichsweise weich.In den 1990er Jahren entdeckten Forscher aber eine neue Zusammensetzung der Metalllegierung, die weniger schnell abkühlen musste und trotzdem ihre Härte behielt. Nun war es auch möglich, grosse Objekte wie Golfschläger aus Flüssigmetall herzustellen.Es dauerte weitere Jahrzehnte, bis Firmen auch kleine Teile wie Zahnräder für die Scharniere in Smartphones produzieren konnten, die auf den Mikrometer genau so aussehen mussten, wie sie geplant waren. Erst um das Jahr 2020 perfektionierten chinesische Zulieferer die Serienherstellung für solche Präzisionsteile.Im neuen iPhone Duo steckt also jahrzehntelange Forschung an Materialien und Herstellungsprozessen. Nun muss Apple hoffen, dass die Kundschaft bereit ist, dafür viel Geld auf den Tisch zu legen.Dies ist die aktualisierte Version eines Textes vom Freitag, 4. September. Damals berichteten wir über das Gerücht, dass es bald ein faltbares iPhone geben würde.Passend zum Artikel
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