Überraschende Einigung bei VW: Aufsichtsrat stimmt Plan des Vorstands einstimmig zuÜber Tage sah es nach Eskalation aus, jetzt wurde sie in letzter Minute abgewendet. Bis 2030 wird Europas grösster Autobauer 50 000 weitere Stellen abbauen. Bei einem anderen besonders kritischen Punkt gibt es noch kein endgültiges Ergebnis.Cornelius Welp, Frankfurt03.09.2026, 22.24 Uhr3 LeseminutenDie Einigung bei VW kam früher als erwartet.Clemens Bilan / EPADie Zerreissprobe schien unvermeidlich. Zu weit lagen die Positionen der Parteien auseinander, zu sehr hatten sie sich in den vergangenen Tagen auch öffentlich exponiert. Um 20 Uhr 44 am Donnerstagabend verschickte der Wolfsburger Konzern dann jedoch eine Mitteilung, deren Überschrift ein «starkes Signal für die Volkswagen Group» vermeldet.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In dieser berichtet der Konzernchef Oliver Blume, dass «der Aufsichtsrat dem Zukunftsplan des Konzernvorstands einstimmig zugestimmt hat». Für den Manager ist das ein Triumph, den nur wenige Beobachter erwartet hatten. Das gilt umso mehr, als das Gremium seinen Vorschlägen zwar nicht in allen, aber doch in den meisten Punkten gefolgt ist.Dabei ist schon der Zeitpunkt der Einigung überraschend. Denn die eigentliche Sitzung des Gremiums sollte erst am Freitag stattfinden. In den vergangenen Tagen hatte es jedoch bereits Verhandlungen gegeben, in denen sich die Vertreter der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch, des mit 20 Prozent am Konzern beteiligten Landes Niedersachsen und der Arbeitnehmer um einen Kompromiss mühten. Am Donnerstag tagte dann das Präsidium des Aufsichtsrats. Dabei habe sich der Weg zu einer Lösung eröffnet, heisst es im Umfeld des Konzerns.Ziel der Einigung sind nun «wettbewerbsfähige Kosten, deutlich effizientere Strukturen und in der Folge eine nachhaltige Verbesserung der Profitabilität». Ziel ist eine operative Umsatzrendite von 9 Prozent im Jahr 2030, derzeit liegt sie nur bei knapp 4 Prozent. Die Herausforderung ist also gross: Der Zukunftsplan sei das «strategisch tiefgreifendste Transformationsprogramm in der Geschichte der Volkswagen Group», heisst es in der Mitteilung.Das Schicksal der Werke ist noch offenDer Konzern rechnet damit, weltweit dauerhaft nur noch 9 Millionen Autos im Jahr abzusetzen, vor einigen Jahren waren es mehr als 11 Millionen. Die Mitteilung beziffert allein die Überkapazität in Europa auf 500 000 Fahrzeuge im Jahr. Um dieser zu begegnen, hält der Vorstand die Schliessung der Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm für möglich.Diese Pläne haben Politiker und Gewerkschafter in den vergangenen Tagen besonders heftig kritisiert. Die Einigung im Aufsichtsrat entscheidet ihr Schicksal nicht. Der Aufsichtsrat habe zur Kenntnis genommen, dass derzeit «keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gestaffelt ab den Jahren 2031 bis 2034 gewährleistet werden kann». Deshalb würden nun parallel und ergänzend alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft.Die Hälfte der Stellen fällt in Deutschland wegEinen weiteren Stellenabbau hat das Gremium dagegen durchgewinkt. «Angesichts des zunehmenden globalen Wettbewerbsdrucks, veränderter Nachfragestrukturen und des technologischen Wandels in der Automobilindustrie ist eine konsequente Anpassung der Personalkapazitäten an die wirtschaftliche Realität unabdingbar», heisst es in der Mitteilung. Konkret bedeute das, dass bis 2030 konzernweit 50 000 zusätzliche Stellen abgebaut werden sollen. Etwa die Hälfte davon dürfte auf Deutschland entfallen. Infolge eines Ende 2024 beschlossenen Sparprogramms fallen bereits ähnlich viele Stellen weg.Um sich für die Zukunft fit zu machen, will der Konzern zwischen 2027 und 2031 insgesamt 135 Milliarden Euro in Sachanlagen sowie Forschung und Entwicklung investieren. Gleichzeitig will er die Zahl der Modelle bis 2035 um rund 50 Prozent reduzieren, deren Ausstattungsvarianten sogar um rund 75 Prozent verringern. Zudem sollen Beteiligungen verkauft und Entscheidungswege deutlich vereinfacht werden.Der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) sprach von «einem gemeinsamen Weg für die notwendige Transformation». Der Konzern investiere kräftig in Zukunftsfähigkeit, für die Standorte werde er langfristige Perspektiven entwickeln. Die Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo bezeichnete den Plan als «Notwendigkeit, um unseren Konzern erfolgreich ins nächste Jahrzehnt zu führen, ohne dass die damit verbundenen Vorhaben einseitig auf Kosten der Beschäftigten gehen». Es klingt fast so, als wären sich alle schon immer einig gewesen.Passend zum Artikel
Überraschende Wende: VW-Aufsichtsrat stimmt Zukunftsplan des Vorstands zu
Über Tage sah es nach Eskalation aus, jetzt wurde sie in letzter Minute abgewendet. Bis 2030 wird Europas grösster Autobauer 50 000 weitere Stellen abbauen. Bei einem anderen besonders kritischen Punkt gibt es noch kein endgültiges Ergebnis.











