Feministin mit glamourösem Flair: Gloria Steinem, eine der prägendsten Figuren der Frauenbewegung, ist totSie veränderte die Welt der Frauen mit Stil, Schärfe und Gelassenheit. Als Mitbegründerin des modernen Feminismus kämpfte Gloria Steinem für sexuelle Selbstbestimmung und politische Macht. Nun ist die amerikanische Journalistin und Aktivistin 92-jährig gestorben.03.09.2026, 18.57 Uhr3 LeseminutenSie verkörperte die amerikanische Frauenbewegung mit Stil, was ihr von Feministinnen auch den Vorwurf der Oberflächlichkeit eintrug: Gloria Steinem am 13. Februar 1986 vor einem Vortrag in New York.Dick Loek / Toronto Star / GettySie nahm auch mit neunzig noch am politischen Geschehen teil. Als Donald Trump 2024 zum Präsidenten gewählt wurde, wurde Gloria Steinem von der «New York Times» gefragt, wie es sein könne, dass fast die Hälfte der Frauen einen Mann wählten, der durch seinen Sexismus aufgefallen sei und sogar wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden sei. Darauf sagte die Feministin, man wisse nicht, was im Herzen jeder Frau, die für Trump gestimmt habe, vorgehe. Frauen hätten in den vergangenen Jahrzehnten viel erreicht, das dürfe man nicht vergessen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Es war eine erstaunlich gelassene Antwort für eine der weltweit bedeutendsten Vorkämpferinnen für Frauenrechte. Damit sagte Steinem: Historische Errungenschaften wie das Recht auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung oder politisches Mitspracherecht sind durch eine einzige Wahl nicht rückgängig zu machen. Sie meinte damit nicht, dass sich der Feminismus überflüssig gemacht hätte.Die zweite Welle des FeminismusFrühen Feministinnen wie Gloria Steinem ist es zu verdanken, dass Frauen heute ganz unterschiedliche Lebensentwürfe wählen können. Steinem gehörte zu den prägendsten Stimmen der Frauenbewegung des 20. Jahrhunderts – nicht nur in den USA, sondern weltweit.Zusammen mit anderen amerikanischen Aktivistinnen wie Betty Friedan oder Andrea Dworkin führte sie die zweite Welle des Feminismus an, die parallel zur sexuellen Revolution der 1960er Jahre verlief. Sie setzte sich für den legalen Zugang zu Verhütungsmitteln und das Recht auf Abtreibung ein. Sie kämpfte dafür, dass Frauen am Arbeitsmarkt teilnehmen, gleich bezahlt werden, politische Ämter bekleiden.Eine ihrer berühmten Aussagen lautet: «Natürlich können Frauen nicht alles haben, solange man von ihnen erwartet, dass sie alles tun müssen.»Sie stand dezidiert links und war Parteimitglied: Steinem spricht am 13. Juli 1972 auf dem Parteitag der Demokraten in Miami Beach, Florida.APBewunderung für Gisèle PelicotBekannt als Journalistin wurde Steinem durch eine Reportage, für die sie verdeckt als «Bunny» im «Playboy Club» in New York recherchierte. In dem Beitrag für das Magazin «New York» beschrieb sie die schlechten Arbeitsbedingungen der Frauen und den Sexismus dort.Der Kampf gegen sexuelle Gewalt an Frauen war ihr zeitlebens ein Anliegen. In einem Videointerview mit «The Independent» diesen Februar sprach Steinem Gisèle Pelicot ihre Anerkennung und Dankbarkeit aus. Pornografie bewertete sie als Ausbeutung.Ihre Kernanliegen brachte Steinem in dem feministischen Magazin «Ms.» zur Sprache, das sie 1971 mitbegründete. Damit schuf sie eine wichtige feministische Öffentlichkeit: So verhalf sie Journalistinnen zu einer stärkeren Präsenz und förderte gleichzeitig weibliche Perspektiven in der medialen Berichterstattung.Steinem an einer Kundgebung für reproduktive Selbstbestimmung am 4. Juli 1981 in Washington.Scott Applewhite / APDie Stilikone polarisierteDie 1934 in Ohio geborene Steinem, die deutsch-jüdische Wurzeln hat, war immer auch eine stilvolle Erscheinung. Ein Markenzeichen war etwa die grosse, leicht getönte Brille. Ihr Hang zu Glamour machte sie für manche Feministinnen verdächtig – als vertrüge sich dies nicht mit ihren feministischen Anliegen. Dabei beschrieb sie selber den Druck von Schönheitsidealen auf Frauen in ihrem Buch «Der Schönheitsmythos».Auch wurde Steinem vorgeworfen, was heute als Schwäche der Demokraten gilt, deren Mitglied sie war: Sie fokussiere zu sehr auf individuelle Lebensentwürfe und Identitätspolitik, vertrete also einen akademisch-elitären Feminismus und verliere die Frauen der Arbeiterklasse aus dem Blick.Diese Widersprüche verkleinern aber nicht ihre Verdienste für Frauen, denen sie sagte: «Ihr seid etwas wert.» 2013 verlieh ihr Präsident Barack Obama die Freiheitsmedaille des Präsidenten, die höchste zivile Auszeichnung der Vereinigten Staaten.Die höchste zivile Auszeichnung der USA: Präsident Barack Obama überreicht Gloria Steinem am 20. November 2013 im Weissen Haus die Freiheitsmedaille des Präsidenten.Win McNamee / GettyDass sich Haltungen ändern können, wenn sich gesellschaftliche Bedingungen verbessern, bewies Steinem im Jahr 2000. Lange hatte sie Frauen von der Ehe abgeraten, um sich nicht abhängig zu machen. Nun heiratete sie mit 66 zum ersten Mal – den britischen Unternehmer David Bale, Vater des Schauspielers Christian Bale. Die Ehe habe sich verändert, sagte sie ihren Kritikerinnen, die Frau habe darin nun gleiche Rechte: «Heute ist eine Ehe auf Augenhöhe möglich.» Auch dank ihr.Passend zum Artikel
Gloria Steinem ist tot: Sie gab den Frauen die Wahl – und dem Feminismus ein Gesicht
Sie veränderte die Welt der Frauen mit Stil, Schärfe und Gelassenheit. Als Mitbegründerin des modernen Feminismus kämpfte Gloria Steinem für sexuelle Selbstbestimmung und politische Macht. Nun ist die amerikanische Journalistin und Aktivistin 92-jährig gestorben.










