PfadnavigationHomeRegionalesHamburgRussland-Konflikt„Vaterlandslose Gesellen“ – de Vries kritisiert Wagenknechts Russland-HaltungStand: 04.09.2026Lesedauer: 3 MinutenChristoph de Vries (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium des Innern.Quelle: Bernd von Jutrczenka/picture alliance/dpaDie Bundesregierung verschärft nach dem vereitelten Drohnenanschlag von Leipzig den Kurs gegen Moskau – Innenstaatssekretär Christoph de Vries (CDU) greift dabei BSW-Chefin Wagenknecht frontal an.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenNach dem mutmaßlich von Russland gesteuerten Anschlagsversuch mit einer sprengstoffbeladenen Drohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle verschärft sich der Ton gegenüber Moskau. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Christoph de Vries, sprach am Donnerstag in Hamburg von einer „neuen Eskalationsstufe“ hybrider Angriffe „für die Russland verantwortlich ist“ und griff zugleich BSW-Chefin Sahra Wagenknecht scharf an.„Wir sind nicht im Krieg, aber wir sind seit geraumer Zeit tagtäglich Ziel hybrider Angriffe in Deutschland“, sagte de Vries bei einem Pressegespräch der Hamburger CDU‑Landesgruppe. Desinformationskampagnen, Cyberangriffe, Sabotageakte und Vorfälle in der Ostsee gehörten längst zum Alltag. Mit dem versuchten Sprengstoffanschlag von Leipzig sei jedoch erstmals eine neue Qualität erreicht worden.Lesen Sie auch„Jetzt ist zum ersten Mal in Kauf genommen worden, dass Leib und Leben hier in Deutschland Schaden nehmen, dass auch deutsche Staatsbürger zu Tode kommen“, sagte de Vries. Der Vorfall zeige, dass Deutschland und Europa einer sehr realen Bedrohung ausgesetzt seien.Besonders scharf reagierte der Innenpolitiker auf die Haltung von Sahra Wagenknecht. Während die Bundesregierung Russland für den Anschlagsversuch verantwortlich macht und mit Sanktionen reagiert, habe die BSW-Vorsitzende vor einer Eskalation durch Deutschland gewarnt. „Wir sind sehr konkret und sehr real bedroht durch Russland, nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa“, sagte de Vries. In dieser Situation habe Wagenknecht nicht den russischen Präsidenten Wladimir Putin kritisiert, sondern die Bundesregierung.„Meine feste Überzeugung ist: Sie werden nicht auf der Seite Deutschlands stehen, ihres Vaterlands“, sagte de Vries mit Blick auf die politischen Ränder. „Das sind keine Patrioten, das sind vaterlandslose Gesellen.“Der CDU-Politiker verwies darauf, dass die Sorgen vor Russland in den baltischen und skandinavischen Staaten deutlich stärker ausgeprägt seien als in Deutschland. Bei einem Treffen mit Vertretern der Anrainerstaaten der Ostsee habe Einigkeit darüber bestanden, dass die russische Bedrohung vielfältige Formen annehme: von Cyberattacken über Sabotage bis hin zur Instrumentalisierung von Migration.Lesen Sie auchAls Reaktion setzt die Bundesregierung nach Angaben von de Vries auf weitere Maßnahmen gegen Moskau. Neben der Schließung russischer Einrichtungen in Deutschland, einer verschärften Visa-Politik und zusätzlichen Sanktionen soll auch der Druck auf die sogenannte russische Schattenflotte erhöht werden. Über diese alternden Tanker umgeht Russland westliche Sanktionen und finanziert nach Auffassung westlicher Staaten seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine.Wie genau gegen die Schiffe vorgegangen werden soll, ließ de Vries offen. Die militärische Eskorte von Tankern durch russische Kriegsschiffe habe die Lage zusätzlich kompliziert. Deutschland prüfe gemeinsam mit europäischen Partnern weitere Möglichkeiten.Neben außenpolitischen Konsequenzen sieht de Vries auch im Inland erheblichen Handlungsbedarf. Deutschland brauche „eine Zeitenwende in der inneren Sicherheit“ und bei den Nachrichtendiensten. Deshalb treibe die Bundesregierung eine Reform von Bundesnachrichtendienst und Verfassungsschutz voran. Ziel sei es, die Dienste technologisch und rechtlich auf den Stand europäischer Partner zu bringen.Dabei geht es insbesondere um neue Befugnisse im digitalen Raum. Sicherheitsbehörden müssten nicht nur Cyberangriffe beobachten, sondern Angreiferstrukturen auch ausschalten können, sagte de Vries. Er warb zudem für weitergehende Möglichkeiten bei Online-Durchsuchungen.Lesen Sie auchMindestens ebenso groß bewertet der Staatssekretär die islamistische Gefahr. Der islamistische Terrorismus sei „die größte Bedrohung für die innere Sicherheit in Deutschland“. In den vergangenen zehn Jahren habe es 16 vollendete Anschläge und 24 vereitelte Anschlagspläne gegeben. Nach Angaben von de Vries handelte es sich bei nahezu allen Tätern der vergangenen Jahre um ausländische Gefährder.Deshalb fordert das Innenministerium unter anderem eine verpflichtende elektronische Fußfessel für gefährliche Islamisten, bundeseinheitliche Regeln für Präventivhaft sowie strengere Konsequenzen für verurteilte Unterstützer terroristischer Organisationen. Außerdem müsse stärker gegen islamistische Radikalisierung vorgegangen werden. Terrorismus sei lediglich „die Spitze des Eisbergs“, sagte de Vries. Entscheidend sei, Radikalisierungsprozesse bereits im Vorfeld zu verhindern.Redakteurin Julia Witte genannt Vedder arbeitet in der Hamburg-Redaktion von WELT und WELT AM SONNTAG. Seit 2011 berichtet sie über Hamburger Politik.