Schiffsbeschlagnahmung : Russland wirft Norwegen Piraterie vor03.09.2026, 12:51Lesezeit: 2 Min.Norwegen hat auf Betreiben einer ukrainischen Firma ein russisches Schiff beschlagnahmt. Laut Forschern wurde dieses für Propagandazwecke genutzt.Die Sprecherin des russischen Außenministeriums hat Norwegen wegen der Beschlagnahmung eines Schiffes auf Spitzbergen „echte Piraterie“ vorgeworfen und eine entsprechende Reaktion angekündigt. Norwegen hatte das russische Schiff namens „Professor Moltschanow“ am Mittwoch auf Antrag des ukrainischen Staatsunternehmens Naftogaz auf Spitzbergen beschlagnahmt. Die Firma teilte laut dem norwegischen Rundfunk mit, es gehe darum sicherzustellen, dass Russland seinen ausstehenden Verpflichtungen nachkomme.Die Beschlagnahmung sei infolge einer Anordnung des Bezirksgerichts von Nord-Troms erfolgt, teilte der Gouverneur von Spitzbergen, Lars Fause, mit. Das Schiff liegt demnach derzeit in Barentsburg. Laut der Mitteilung des Gouverneurs hat das Bezirksgericht Nord-Troms in der Sache Ende August ein Urteil gefällt, das dem ukrainischen Unternehmen das Recht einräumt, das russische Schiff zu beschlagnahmen. Demnach sind das Gerichtsverfahren und das Urteil Teil des Kampfes des Unternehmens um die Rückforderung von Geldern, die 2014 von Russland bei der Annexion der Krim enteignet wurden.Die Spannungen rings um Spitzbergen nehmen zu„Wir werden uns um die Betroffenen dieser Beschlagnahmung kümmern. Wir werden auch alles tun, um die Besatzung und die Passagiere nach Russland zurückzubringen“, sagte Fause gegenüber dem norwegischen Rundfunk.Rings um Spitzbergen nehmen seit Jahren die Spannungen mit Russland zu, Hintergrund ist die zunehmende Bedeutung der Arktis für Schifffahrt und Ressourcenabbau angesichts des schmelzenden Eises. Russland unterhält auf der Inselgruppe weiterhin eine Präsenz in Barentsburg und Pyramiden. Spitzbergen ist demilitarisiertes Gebiet, doch gibt es in Norwegen die Sorge, dass infolge der Zunahme der Spannungen in der Arktis Russland versuchen könnte, seinen Einfluss vor Ort zu vergrößern. Für Aufsehen sorgte in dem Zusammenhang vor ein paar Jahren eine militärisch anmutende Feier zum „Tag des Sieges“ in Barentsburg. In diesem Jahr wurden an dem Tag Jugendliche in militärischen Uniformen zu dem Ort befördert.Das nun beschlagnahmte Schiff wurde für derartige Aktionen vor Ort genutzt. Das sagte Kari Aga Myklebost, Professorin für russische Geschichte an der Universität von Tromsö, dem norwegischen Rundfunk. Auch wenn die Routen zwischen Murmansk und Barentsburg als kommerzieller Tourismus beworben würden, sei das Schiff in der Praxis nicht dafür genutzt worden, sondern für nationalistische Propaganda und Hybridoperationen.