Das Ergebnis monatelanger Ermittlungen einer New Yorker Anwaltskanzlei hat den vor einem Jahr erstmals geäußerten Verdacht erhärtet, dass die Los Angeles Clippers gegen eine der essenziellen sportlichen Fairnessregeln der nordamerikanischen Basketballliga NBA verstoßen haben.Teammanager sowie der Eigentümer der NBA-Franchise, der Multimilliardär Steve Ballmer, fanden offensichtlich Wege, ihrem Starspieler Kawhi Leonard mehr Geld zukommen zu lassen, als nach den Salary-Cap-Regeln der Liga erlaubt gewesen wäre.Vorschriften zur Umgehung der GehaltsobergrenzeDie Anwälte fanden nicht nur Belege für zwei, sondern für insgesamt vier regelwidrig eingefädelte Abmachungen zwischen dem Basketballprofi und Geschäftspartnern des Teams. Und sie beschrieben „ein Muster an Fehlverhalten und mehrfachen schwerwiegenden Regelverstößen seitens der Clippers“. Das Team hatte demnach nicht zum ersten Mal gegen dieselben Vorschriften zur Umgehung der Gehaltsobergrenze verstoßen.Entsprechend hoch fiel das Strafmaß aus: Die Clippers müssen eine Geldbuße von 30 Millionen Dollar (etwa 25,9 Millionen Euro) an die NBA zahlen und wurden für die fünf Nachwuchsdrafts von 2029 bis 2033 von der Ziehung von Spielern in der ersten Runde ausgeschlossen. Teambesitzer Steve Ballmer erhält eine Sperre von einem Jahr und kann sich in dieser Zeit nicht um Teamangelegenheiten kümmern. Geschäftsführerin Gillian Zucker (ein Jahr Sperre) und Sportdirektor Lawrence Frank (sechs Monate Sperre) wurden für ihre Rolle ebenfalls zur Verantwortung gezogen.Kawhi Leonard kann nun zu den Toronto Raptors zurückkehren.AFPBallmer wolle gegen die „schreiende Ungerechtigkeit“, von der einer seiner Anwälte sprach, im Rahmen eines Schiedsgerichtsverfahrens vorgehen, hieß es schnell. Das wird schwierig, denn dieser Weg steht Teameigentümern nicht offen. Die Clippers und ihr Eigentümer müssen die Liga vor einem ordentlichen Gericht verklagen. Unterdessen hat Kawhi Leonard das Thema bereits in aller Stille ad acta gelegt. Er akzeptierte eine Geldstrafe von 700.000 Dollar (etwa 603.000 Euro) und kann nun ohne weitere Verzögerung zu seinem alten Team, den Toronto Raptors, zurückkehren.Der Fünfunddreißigjährige, der 2014 mit den San Antonio Spurs und 2019 mit dem kanadischen Team Meister geworden war, hatte sich vorsichtshalber den Beistand der Spielergewerkschaft gesichert. Und er war bereit, eine Teilschuld zuzugeben, was er am Mittwoch in einer Stellungnahme so formulierte: „Ich übernehme die volle Verantwortung für die Fehleinschätzungen von Personen aus meinem engsten Umfeld und bedauere die Unruhe, die diese Situation bei den Fans und meiner Familie ausgelöst hat.“NBA-Chef: „Härte der Strafen spiegelt Schwere der Verstöße wider“Die Liga beendete mit dem Bericht und einer damit verbundenen, unzweideutigen Presseerklärung die Spekulationen darüber, ob sie womöglich nach einem Weg gesucht hatte, Ballmer – den mit Abstand reichsten Teambesitzer in der NBA –, dem das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ ein Vermögen von rund 135 Milliarden Dollar (etwa 116 Milliarden Euro) zuschreibt, mit Glacéhandschuhen anzufassen.Dazu sah NBA-Commissioner Adam Silver, der anfänglich ziemlich konziliant geklungen hatte, angesichts der zusammengetragenen Beweise und Indizien offensichtlich keinen Grund mehr. „Das im Rahmen von Tarifverhandlungen vereinbarte System der NBA zur Festlegung der Spielervergütung ist ein grundlegender Bestandteil des Wettbewerbs. Ich bin zutiefst enttäuscht über die eklatanten Verstöße gegen unsere Regeln und über die Versäumnisse der Clippers. Die Härte der Strafen spiegelt die Schwere der Verstöße wider.“Adam Silver ist seit 2014 NBA-Commissioner.AFPAls Orientierungsrahmen mag ein Fall aus dem Jahr 2000 dienen, als die Minnesota Timberwolves versucht hatten, den Basketballer Joe Smith mit einem hoch dotierten, ebenfalls regelwidrigen Vertrag an sich zu binden. Damals wurden der Teambesitzer und der verantwortliche Chefmanager gesperrt und fünf Draft-Picks gestrichen. Smith kam allerdings schlechter weg als Leonard, als sein Vertrag für ungültig erklärt wurde und er bei einer späteren Abmachung weniger als die Hälfte der ursprünglichen Gehaltssumme von 86 Millionen Dollar aushandeln konnte.Die jüngste Strafaktion erreicht zumindest in einem Punkt sehr viel größere Dimensionen. Denn nach den Regeln der NBA sind beschuldigte Teambesitzer dafür verantwortlich, die Kosten für die Ermittlungen zu übernehmen. Diese Auslagen werden nicht aus dem Budget der Liga finanziert. In einem Schreiben an Silver beklagte sich Ballmers Anwalt David Kelley deshalb nicht nur über das Verfahren und dass der Ruf seines Mandanten bei dieser „Art von Hexenjagd“ mit ihren „voreingenommenen Schlussfolgerungen“ nicht nur „irreparabel ramponiert“ worden sei.Ballmer habe dafür auch noch „fast 50 Millionen Dollar“ (etwa 43,1 Millionen Euro) aus eigener Tasche bezahlen müssen und unter anderem die Rechnungen von „wenigstens sechs Anwaltskanzleien beglichen, von denen viele nur aufgrund der Forderungen der Ligaanwälte verpflichtet“ worden waren. Und dies alles nur wegen der „grundlosen Behauptungen eines Podcasters“.Gegen NBA-Regeln verstoßende WerbeverträgeEine Darstellung, die von den ermittelnden Juristen in ihrem Untersuchungsbericht vorsorglich zurechtgerückt wurde: Man sei bei den Clippers auf eine „konfrontative und verschleiernde Art und Weise“ gestoßen, durch die sich die Recherchen verzögert hätten.Von den vier Unternehmen, die die fraglichen, gegen NBA-Regeln verstoßenden Werbeverträge mit Leonard aufgrund ihrer Rolle beim Bau der 2024 eröffneten Clippers-Arena verschleiern konnten, verweigerte eine Firma jede Kooperation, eine zweite produzierte Informationen, die „widersprüchlich oder unglaubwürdig waren“, und leistete anschließend keinen weiteren Beitrag zur Aufklärung.Pablo Torre, der vor vier Monaten den Pulitzer-Preis für seine Recherchearbeit und die unterhaltsame Art der Aufbereitung seiner Ermittlungen im Livepodcast-Journalismus erhalten hatte, ging noch am Mittwoch in seiner jüngsten Folge umfassend auf die NBA-Entscheidung ein. Er kündigte an, dass die Causa für ihn noch lange nicht erledigt sei. „Da kommt noch mehr, als in dem Bericht steht. Das ist noch nicht alles.“
NBA und Salary Cap: LA Clippers erhalten 30-Millionen-Dollar-Strafe
Wegen Verstößen gegen die Gehaltsobergrenze verhängt die NBA drakonische Strafen gegen die LA Clippers und Besitzer Steve Ballmer. Der Fall stellt ein ganzes System infrage.











