Nach dem Eklat um die Ausladung der Band Alphaville (“Forever Young“) vom Glücksgefühle-Festival, wollen die Musiker trotz Wiedereinladung nicht an dem Festival auf dem Hockenheimring teilnehmen. „Wir nehmen die Entschuldigung und Wiedereinladung des Veranstalters Markus Krampe zur Kenntnis und hoffen, dass er von nun an die Bedeutung von Rede- und Kunstfreiheit beim „Glücksgefühle Festival“ gebührend respektiert“, teilte Alphaville-Sänger Marian Gold der dpa mit. „Ungeachtet dessen haben die vorangegangenen Äußerungen eine Atmosphäre geschaffen, in der wir von einem Auftritt absehen. Die Gage für den nicht stattfindenden Auftritt wird Alphaville an eine gemeinnützige Organisation spenden“, hieß es weiter.Als die Nachricht über den abgesagten Auftritt die Runde machte, mehrte sich Kritik. „Letztendlich ist es so, dass wir das schon extrem fragwürdig finden und auch absurd, jemanden auszuladen, der sich gegen die AfD äußert oder gegen Trump oder wie auch immer. Jemand, der stabil ist für die Demokratie“, sagte Campino, Frontmann der Toten Hosen, am Mittwochabend bei einem Konzert in Münster. „Ich finde, da ist eine neue Grenze überschritten und eingerissen.“Die Veranstalter hatten Alphaville zuvor ausgeladen, weil man sich nicht darauf habe einigen können, „politische Äußerungen auf unserer Bühne zu unterlassen“. Zuvor verwies der 72-Jährige Gold bereits in einem Beitrag auf Facebook auf die Absage, wonach die Veranstalter keine politischen Themen oder Äußerungen jeglicher Art auf der Bühne dulden. Die Veranstalter teilten der Deutschen Presse-Agentur mit: „Unsere Bühne ist keine Plattform für politische Äußerungen. Das Glücksgefühle-Festival ist komplett unpolitisch – und das gilt unabhängig davon, in welche politische Richtung eine Äußerung geht: für rechts, für links oder für jede andere politische Richtung.“So hatte sich auch Markus Krampe, der das Event seit 2023 mit dem ehemaligen Fußballnationalspieler Lukas Podolski organisiert, zuvor in der „Bild“-Zeitung geäußert.Konzert war für Freitag geplant„Diese Begründung gleicht aus unserer Sicht einem Maulkorberlass – uns allen bestens bekannt aus Diktaturen“, schreibt Gold in dem Beitrag. „Das eine derartige Einschränkung der Meinungs-, Rede- und Kunstfreiheit nun auf einem der größten Popfestivals Deutschlands angekommen zu sein scheint, empfinden wir als absolut untragbar und erschütternd.“Die Veranstalter erklärten: „Das Verhalten von Alphaville und Marian Gold ist inakzeptabel. Wir lassen uns nicht in irgendeine politische Ecke drängen und werden uns hier mit allen Mitteln wehren.“ Eigentlich hätte die Band am Freitag bei dem Festival auftreten sollen.Eine Frage des Rahmens„Wir hatten Alphaville in diesem Jahr bereits bei zwei anderen Veranstaltungen zu Gast. Bei der ersten Veranstaltung kam es vonseiten der Band zu zahlreichen politischen Äußerungen von der Bühne. Deshalb haben wir im Vorfeld des zweiten Auftritts sehr deutlich kommuniziert, dass wir dies bei unseren Veranstaltungen nicht möchten“, hieß es zur Erklärung. „Bei diesem zweiten Auftritt wurde diese Vorgabe dann auch eingehalten. Vor dem Glücksgefühle Festival haben wir deshalb noch einmal ausdrücklich daran erinnert und unseren Standpunkt klar kommuniziert.“Weiter heißt es: „Uns geht es dabei ausdrücklich nicht um die politische Haltung von Marian Gold oder Alphaville und auch nicht darum, jemandem seine persönliche Meinung abzusprechen. Es geht ausschließlich darum, welchen Rahmen wir als Veranstalter für unsere Veranstaltungen und unsere Bühnen setzen.“Einfach eine gute ZeitWorum es den Veranstaltern bei den Äußerungen konkret geht, blieb unklar. Alphaville-Sänger Marian Gold hatte sich zuletzt bei Konzerten in der Ansage des Songs „Carry Your Flag“ deutlich gegen rechtsradikale Tendenzen und für Freiheit, Toleranz und Demokratie eingesetzt. Das habe zu Diskussionen mit den Veranstaltern der „Glücksgefühle“ geführt, sagte Bandmanager Christian Mielke der dpa.In der Erklärung des Festivals heißt es: „Wir möchten den Menschen ein Wochenende ermöglichen, an dem sie den Alltag hinter sich lassen, abschalten und einfach eine gute Zeit haben können.“ Und weiter: „Genau deshalb haben wir darum gebeten, politische Äußerungen auf unserer Bühne zu unterlassen. Darauf konnten wir uns mit Alphaville letztlich nicht einigen, weshalb es nicht zu einem Auftritt gekommen ist.“
Alphaville lehnt Auftritt auf „Glücksgefühle“-Festival ab
Zuvor wurden die Musiker ausgeladen, da sie nicht von politischen Äußerungen auf der Bühne ablassen wollten. Nach Kritik folgte die Wiedereinladung — die nun abgelehnt wurde.










