Eigentlich hat es schon vor einem Jahr erste Hinweise gegeben, was die britische Frasers Group mit ihrem Engagement bei Hugo Boss anstrebt. Der englische Konzern um Vorstandschef Michael Murray will die totale Kontrolle über das Modeunternehmen. Im Juli hatte Murray die Dividendenpolitik des Modespezialisten kritisiert und gefordert, dass die Hugo Boss AG die gehaltenen eigenen Aktien einziehen solle. Und das Einziehen der Aktien hätte automatisch den Anteil der Aktionäre an dem Unternehmen gesteigert, die Aktien halten und nicht verkaufen. Dazu gehörte eben auch die Frasers Group.Nun haben die Briten die Karten auf den Tisch gelegt: Sie wollen nicht nur die faktische Kontrolle über das Modeunternehmen, die sie mit knapp 48 Prozent schon haben, da eine solche Mehrheit immer ausreicht, um in den Hauptversammlungen die Entscheidungen im eigenen Sinne steuern zu können. Die Fraser Group will zudem auch mehr als 50 Prozent des Grundkapitals übernehmen, möglicherweise um das Unternehmen im eigenen Konzernverbund konsolidieren zu können.Damit ist klar: Das Traditionsunternehmen Hugo Boss gehört künftig zur Unternehmensgruppe des Selfmade-Milliardärs Mike Ashley, der aus einem einzelnen Sportartikelgeschäft in Maidenhead nahe London mit einer aggressiven Übernahmestrategie den Milliarden-Konzern Frasers entwickelt hat. Vor dem Hintergrund dieser Geschichte wäre es mehr als überraschend, wenn die strategischen Leitlinien für die Marke Hugo Boss künftig nicht in London bei den Strategen von Ashleys Schwiegersohn Michael Murray, sondern weiter in Metzingen entwickelt würden.Dass Murray kein stiller Anteilseigner sein wird, der sich nicht in die operative Führung einmischt, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass sein Unternehmen nun schon zum zweiten Mal den erst im Mai 2025 gewählten Aufsichtsratschef Stephan Sturm zur Disposition stellt. Und auch Vorstandschef Daniel Grieder sollte sich nicht allzu sicher fühlen. Die Tango-Affäre, in der Grieder 2023 an Teilen des Aufsichtsrats vorbei mit kursrelevanten Informationen an den umstrittenen österreichischen Investor René Benko einen zweiten Ankeraktionär für Hugo Boss aufbauen wollte, kam nach Informationen der F.A.Z. bei der Frasers Group nicht gut an.Klar ist, dass das Aussetzen des Aktienrückkaufprogramms allenfalls Rückzugsgefechte und Spiegelfechtereien sind. Die Zukunft von Hugo Boss wird auf der Insel entschieden.