PfadnavigationHomeRegionalesBerlin & BrandenburgLaute Proteste gegen Rundgang der AfD in NeuköllnVeröffentlicht am 02.09.2026Lesedauer: 3 MinutenDie Berliner AfD-Abgeordneten Thorsten Weiß (2.v.r.) und Alexander Bertram (r.) führten Abgeordnete der österreichischen Schwesterpartei FPÖ durch den Bezirk Neukölln. Quelle: Fabian Sommer/dpaDie Berliner AfD wird bei ihrem Rundgang durch Neukölln von zahlreichen Gegendemonstranten begleitet. Auch zahlreiche Polizeikräfte sind im Einsatz.Dutzende von Demonstranten haben immer wieder versucht, einen Wahlkampftermin der Berliner AfD in Neukölln zu stören. Begleitet von Trillerpfeifen in zum Teil ohrenbetäubender Lautstärke waren Slogans wie «Nazis raus», «Schämt euch», «Neukölln ist für alle» oder «Ganz Berlin hasst die AfD» zu hören. Einige Demonstranten skandierten «Haut ab, haut ab».Anlass des Termins in Neukölln war ein Besuch von Abgeordneten der österreichischen Schwesterpartei aus Wien in der deutschen Hauptstadt, denen Mitglieder der AfD-Fraktion im Abgeordnetenhaus den Norden des Bezirks zeigen wollten, darunter auch die Teile, die als Brennpunktkiez gelten. Mit dabei waren unter anderem der stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende Alexander Bertram und der Innenpolitik-Experte der Fraktion, Thorsten Weiß.Der Rundgang startete am Hermannplatz und führte unter anderem durch die Sonnenallee bis zur Karl-Marx-Straße. Die Zahl der Gegendemonstranten gab die Berliner Polizei mit rund 50 an. Die Polizei selbst war mit einer Hundertschaft im Einsatz und bemühte sich, beide Gruppen zu trennen. Nicht immer gelang das vollständig.Vereinzelt kam es zu Rangeleien zwischen Demonstranten und Polizeikräften, die die Demonstration zum Teil mit Schutzkleidung begleiteten. Nach Angaben einer Polizeisprecherin wurden mindestens zwei Gegendemonstranten vorübergehend zur Feststellung ihrer Identität festgenommen.Passanten reagieren verwundertPassanten auf dem Bürgersteig in der Sonnenallee oder Gäste vor Shisha-Bars und Döner-Imbissen in der Karl-Marx-Allee reagierten eher verwundert über die AfD-Gruppe, denen in kurzem Abstand die laut rufenden Demonstranten folgten.«Was ist denn hier los?», fragte eine ältere Frau irritiert, die das Geschehen von ihrem Balkon aus verfolgte. «Das ist schon richtig, wenn es friedlich bleibt», sagte eine Frau über die Gegendemonstration.Die Berliner AfD-Fraktion war im vergangenen Jahr zu Besuch in Wien und will den Kontakt zur FPÖ (Freiheitliche Partei Österreichs) ausbauen, die in Österreich in mehreren Bundesländern mitregiert. Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund reiste Anfang des Jahres mit Mitstreitern zur FPÖ nach Salzburg.Am Ende des Rundgangs fasste Innenexperte Weiß ein neues Positionspapier der AfD-Fraktion zusammen: Unter anderem forderte er, ausländische Straftäter und Gefährder konsequent «außer Landes» zu bringen. In Neukölln wie in Berlin insgesamt gebe es einen «signifikant hohen Ausländerkriminalitätsanteil», sagte er.AfD fordert Ende der offenen DrogenszeneDer AfD-Abgeordnete sprach sich für eine Nulltoleranzpolitik beim Thema illegale Drogen aus. Die AfD fordert die Verdrängung der offenen Drogenszene im Norden Neuköllns, die konsequente Verfolgung des Drogenhandels und die Abschiebung ausländischer Dealer.Der Kampf gegen Organisierte Kriminalität durch systematische Kontrollen und Vermögensabschöpfung müsse verstärkt werden. Weiß forderte, die volle Härte des Gesetzes anzuwenden, damit solche Zustände nicht weiter wachsen könnten. «Das heißt, wir müssen hier als AfD quasi der Sheriff sein, der die Tür eintritt, um den Miststall auszuräuchern.»Die SPD-Kandidatin für das Amt der Bezirksbürgermeisterin von Neukölln, Janine Wolter, kritisierte den AfD-Termin als gezielte Inszenierung von Vorurteilen. Ein vielfältiges, lebendiges Neukölln mit Menschen aus aller Welt werde auf ein Klischee von Kriminalität und Bedrohung reduziert.Das sei Stimmungsmache auf dem Rücken der Menschen, die dort lebten, sagte die SPD-Politikerin. «Wer unseren Bezirk als Kulisse für die eigene Hetze missbraucht, disqualifiziert sich für jede ernsthafte Debatte über seine Zukunft.»dpa-infocom GmbH