Der Dax legt zu Beginn des Septembers eine Verschnaufpause ein. Im August hatte über weite Strecken noch ein Rekord den nächsten gejagt. Seinen bisherigen Höchststand erreichte der deutsche Leitindex am vergangenen Freitag mit 26.618 Punkten. Davon war er im Verlauf des Handels am Mittwoch zeitweise mehr als 800 Punkte und damit mehr als drei Prozent entfernt.Neben Gewinnmitnahmen, die sicherlich eine Rolle spielen dürften, drücken zwei Faktoren auf die Stimmung der Anleger. Zum einen scheint ein moderater Anstieg des globalen Zinsniveaus bevorzustehen. EZB-Ratsmitglied und Bundesbankpräsident Joachim Nagel sagte der französischen Zeitung „Le Monde“ in einem am Mittwoch veröffentlichten Gespräch, dass die Märkte derzeit zu 95 Prozent erwarten, dass die Europäische Zentralbank in der nächsten Woche ihre Zinssätze erhöhen werde. „Und ich würde sagen, dass die Märkte ein recht gutes Gespür dafür haben, wie wir auf die jetzige Lage reagieren werden“, wird Nagel von dem Blatt zitiert. Für den weiteren Kurs der EZB nach der Ratssitzung im September wollte er aber keine Versprechen abgeben.Anderswo scheinen die Zeichen ebenso auf eine strengere Geldpolitik hinzudeuten. Die Spitzen der japanischen und amerikanischen Zentralbanken hatten in den vergangenen Tagen entsprechende Hinweise gegeben oder Aussagen getätigt, die in dieser Richtung interpretiert wurden. Die anhaltend hohe Inflation in mehreren Weltregionen gilt als Hauptgrund für die lauter werdenden Überlegungen der Zentralbanker, die Zinsen zu erhöhen. Mit einer im August auf 3,3 Prozent angestiegenen Inflation im Euroraum liegt die Teuerung schon den sechsten Monat lang über dem Ziel der EZB von zwei Prozent.Energiepreise bestimmen die Kurse wieder stärkerDie Zentralbanken haben allerdings das Problem, dass die hohe Inflation wahrscheinlich nur zum Teil durch eine restriktivere Zinspolitik, die die Nachfrage dämpfen kann, wieder eingefangen wird. Denn der andere Faktor, der auf die Börsenstimmung drückt, ist auch mit für die Inflation verantwortlich: Im Krieg zwischen den USA und dem Iran ist keine Entspannung in Sicht und damit auch nicht für den Ölpreis. Nach einem leichten Abfall seit Ende Juli tendiert der Preis für ein Barrel (Fass zu 159 Liter) der Nordseesorte Brent wieder in Richtung 100 Dollar.Der Preis war angestiegen, nachdem beide Seiten des Konflikts am Mittwoch neuerliche Angriffe auf Schiffe gemeldet hatten, die die für den Ölhandel wichtige Straße von Hormus vor der Küste Irans passieren wollten. Am Mittwoch kostete ein Barrel 95,12 Dollar und war damit acht Prozent teurer als noch eine Woche zuvor. Auch den Preis für europäisches Erdgas treiben die Kampfhandlungen in die Höhe. Mit 74,43 Euro je Megawattstunde kostete der wichtige Erdgas-Terminkontrakt TTF an der Börse in Amsterdam mehr als zu Beginn des Irankrieges.Lichtblicke für manche EinzelwerteKombiniert mit der Aussicht auf steigende Anleihezinsen, die Aktien als Wertanlage unattraktiver machen, herrscht gerade eine schlechte Mischung am Aktienmarkt. Der Analyst Jochen Stanzl kommentiert, dass Anleger sich immer mehr eingestehen müssten, „dass derzeit niemand weiß, was die dynamisch steigenden Gaspreise und Renditen aufhalten soll. Kurzfristig macht sich auf dem Parkett eine gewisse Stimmung der Hoffnungslosigkeit breit.“Trotz allem sieht es für manche Einzelwerte weiter gut aus. Nach einem positiven Kommentar der britischen Großbank Barclays zum Sportartikelhersteller Adidas waren dessen Aktien gefragt. Die Analysten der Bank erhoffen sich von einer geplanten Produktvorstellung in diesem Monat neues Anlegervertrauen in die Pipeline und Markenentwicklung von Adidas. Mit der Empfehlung, die Aktie zuzukaufen, stieg der Kurs der Adidas-Papiere zeitweise um mehr als zwei Prozent. Auf Jahressicht liegt der Wert der Aktie jedoch fast neun Prozent im Minus.Aktien der Deutschen Bank gehörten am Mittwoch ebenso zu den Gewinnern im Dax. Hier hatten die Kollegen der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs eine Kaufempfehlung ausgesprochen, was den Aktienkurs zeitweise um mehr als zwei Prozent steigen ließ.