Der Teuerste kommt zum Schluss: Am letzten Tag des Sommer-Transferfensters wechselte der Argentinier Enzo Fernandez aus London nach Manchester. Bis zu 145 Millionen Euro zahlt City für Chelseas Mittelfeldspieler.Unter den zehn Top-Transfers findet sich nur ein Bundesligaspieler wieder: Yan Diomande, aus Leipzig nach Madrid gewechselt, 125 Millionen Euro teuer. Das ist aus deutscher Sicht, nach den Rekorden in der vergangenen Saison, eine Enttäuschung.Sinnbild einer Exportliga: Florian Wirtz, 145 Million Euro teuerdpaDamals kamen gleich mehrere spannende Spieler aus der Bundesliga nach England. Florian Wirtz und Hugo Ekitiké wechselten nach Liverpool, Omar Marmoush kurz vorher zu Manchester City, Nick Woltemade nach Newcastle. Der Ausbildungsmarkt Bundesliga glänzte, seine schnellen, Pressing-gewohnten Akteure waren auch im Zentrum des weltweiten Fußballs gefragt.Ein Jahr später ist Ekitiké verletzt, Wirtz fremdelt mit dem englischen Fußballstil, Marmoush und Woltemade sind schon weitergezogen. Die schlechten Erfahrungen der Engländer mit den Rekordzugängen made in Germany sind ein Grund für den schlechten deutschen Export-Sommer.Ein weiterer: Die Premier League ist der Bundesliga noch weiter enteilt. Sie vertraut lieber Spielern, die den Spielstil gewohnt sind. Als Stürmer Niclas Füllkrug kürzlich nach Bremen zurückkehrte, sprach er über seine Zeit beim späteren Absteiger West Ham. Das Training, die Spiele, die Regeneration, auch die medizinische Betreuung seien ganz anders als in Deutschland. Füllkrug hätte sich niemals ausmalen können, „wie groß die Unterschiede sind“. Sein Verein zuvor in Deutschland: Borussia Dortmund.„Hätte mir nicht ausmalen können, wie groß die Unterschiede sind“: Stürmer Niclas FüllkrugdpaDie Bundesliga muss sich weiter professionalisieren. Dafür aber fehlt ihr an vielen Stellen das Geld. Viele Teams finanzieren sich durch einen Exportüberschuss, der aus England in die Liga fließt. Eintracht Frankfurt und der VfB Stuttgart gelang es so, den Branchengrößen in Deutschland näherzukommen.Bei beiden Klubs ist nun der Frust groß: Die Eintracht gab Larsson und Bahoya, zwei talentierte Mittelfeldspieler, für weniger Geld als erhofft nach England ab. Ihre Strategie, den Spielern früh ein Preisschild umzuhängen und den einst illusorischen Wert später zu erzielen, verfing nicht mehr. Der VfB ließ in einer Champions-League-Saison Spielmacher Chema Andres ziehen, für weniger als gedacht, auch nach England.Für die meisten Bundesligaklubs gehört es zum Geschäftsmodell, mehr Geld mit Spielern zu verdienen, als für sie auszugeben. Das hat bisher prächtig funktioniert, vor allem wegen der englischen Nachfrage. Selbst zu einer Käuferliga zu werden, ist wegen der exponierten Marktlage der Premier League kaum möglich. Frei bleibt nur der letzte Posten vor ihr, der Veredler am Ende der Lieferkette. Dafür aber muss der deutsche Fußball wieder innovativer werden.
Transfersommer: Darum ist die Bundesliga keine Exportliga mehr
Englands Klubs schieben die Rekordsummen inzwischen lieber untereinander hin und her. Für die exportorientierte Bundesliga verheißt die Trendwende nichts Gutes.













