Das Tennis hat so seine Bauernregeln. Dass das siebte Spiel in einem umkämpften Satz entscheidet, in welche Richtung er kippt, zum Beispiel. Dass ein verlorener Tiebreak mehr schmerzt als ein mit Break verlorener Satz. Oder dass ein Rebreak fürs Selbstbewusstsein mehr wert ist als ein „normales“ Break. Und dann ist da noch die Weisheit, die zumindest im Profitennis von Generation zu Generation weitergegeben wird: Nach einer langen Verletzungspause dauert es noch einmal exakt so lange, ehe eine Spielerin oder ein Spieler das alte Niveau erreicht hat.Auftritt Carlos Alcaraz. Fast fünf Monate lang hatte der Spanier wegen einer komplizierten Handgelenksverletzung kein Profimatch bestritten, als er am Montagnachmittag bei den US Open zu seiner Erstrundenpartie antrat. Gegen den Russen Roman Safiullin gab er sein langersehntes Comeback. Alcaraz gewann 6:4, 6:4, 6:4 und wirkte dabei nicht, als sei er noch rund fünf Monate von seiner Bestform entfernt. Anschließend betonte er immer wieder, wie sehr er das alles vermisst habe, dass er zwar Zweifel gehabt habe, sich sein Körper aber „richtig gut angefühlt“ habe.Ist Carlos Alcaraz schon wieder der Alte?Nun muss man wissen, dass eine Verletzung am Handgelenk für Tennisprofis in etwa das ist, was der Kreuzbandriss für Fußballprofis ist: eine der langwierigsten und schwerwiegendsten Verletzungen, vor allem jedoch eine, nach der niemand sicher sein kann, dass alles wieder so wird, wie es vorher einmal war. Es ist das Handgelenk, das einen guten von einem sehr guten Tennisspieler unterscheiden kann mit der Fähigkeit, dem Ball beim Schlagen den entscheidenden Drall zu geben. Und Alcaraz, da sind sich viele Experten einig, hatte bislang „das beste Handgelenk“ im gesamten Profitennis.Und nun? War was? Oder war doch schon wieder alles beim Alten? Wer wollte, konnte in dem einen oder anderen verpassten Gewinnschlag erkennen, dass Alcaraz nach seiner langen Spielpause noch ein bisschen Rost abschütteln musste. Konnte erkennen, dass der Aufschlag noch nicht wieder ganz so präzise war. Konnte erkennen, dass er noch nicht immer den richtigen Schlag zum richtigen Zeitpunkt spielte. „Mein Niveau wird auf jeden Fall noch besser werden“, sagte Alcaraz selbst. Aber er sei „wirklich, wirklich glücklich, dass ich es endlich geschafft habe“.Denn abgesehen von ein paar Anlaufschwierigkeiten war vieles von dem, was Alcaraz vor der Verletzungspause zu dem gemeinsam mit Jannik Sinner alles überragenden Tennisspieler der vergangenen drei Jahre gemacht hatte, schon wieder da: diese fast kindliche Freude über jeden gelungenen Ballwechsel. Die Vorhand. Der Spielwitz. Sogar die neue Frisur gehört zum inzwischen etablierten Alcaraz-Programm. Nach Bubischnitt, raspelkurz oder blondiert überraschte der Dreiundzwanzigjährige in New York mit einer schwarzen Wuschelmähne.Es gibt allerdings noch eine Sache, die bei aller Begeisterung über Alcaraz’ starkes Comeback-Match berücksichtigt werden muss. Denn auch wenn sein Gegner Safiullin in seiner Karriere schon ein paar beachtliche Ergebnisse erzielt hat, gehört er als 99. der Weltrangliste derzeit wahrlich nicht zu den größten Hürden, die es für Topspieler zu überspringen gilt.Und es gibt im Tennis eben auch noch zwei andere Weisheiten, die dazu dienen, Ergebnisse richtig einzuordnen. Die eine: Man spielt immer nur so gut, wie der Gegner es zulässt. Eine andere: Die Aufgaben im Turnierverlauf werden nicht leichter. Am Mittwoch in Runde zwei spielt Alcaraz gegen den Portugiesen Jaime Faria. Er ist die Nummer 72 der Welt.
Carlos Alcaraz nach Sieg bei US-Open-Comeback in New York glücklich
War was? Fast fünf Monate lang bestreitet Carlos Alcaraz kein Profimatch. Bei seiner Rückkehr bei den US Open trotzt er prompt einer Tennis-Bauernregel. Dennoch ist Vorsicht geboten.










