Am US Open nimmt Stan Wawrinka Abschied von den Major-Turnieren: «Ich werde es wirklich vermissen», sagt er mit brüchiger StimmeMit dem Erstrunden-Aus gegen Matteo Berrettini verlässt «Stan the Man» die grosse Tennisbühne – ausgerechnet in Flushing Meadows, wo er vor zehn Jahren sein letztes Major gewann.01.09.2026, 12.12 Uhr4 LeseminutenStan Wawrinka dankt den Fans in Flushing Meadows: Sie bejubelten seinen letzten Auftritt an einem Major-Turnier.John Angelillo / ImagoStan Wawrinkas letzter Schlag an einem Major ist eine einhändige Rückhand. Wie hätte es anders sein sollen? Sie kommt nicht mehr so wuchtig wie einst, doch selten brandete danach so viel Jubel auf.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Als der Italiener Matteo Berrettini den Ball für Wawrinka unerreichbar retourniert, endet das Erstrundenmatch am US Open – und damit Wawrinkas Karriere an den Major-Turnieren. Die 8125 Zuschauer im voll besetzten Grandstand in Flushing Meadows erheben sich. Einige tragen Shirts mit «Stan the Man»-Aufschrift, andere im Publikum verbeugen sich in Richtung des Tennisprofis aus der Romandie.Sie bekamen einiges geboten. Wawrinkas Kampfgeist flammte auch mit 41 Jahren auf, als er gegen die Weltnummer 43 in den ersten beiden Sätzen ins Tie-Break ging. Er hätte gewinnen können, vergab aber zehn von zwölf Breakchancen. Im dritten Satz liess Wawrinka Berrettini gewähren. Nach knapp drei Stunden stand es 6:7, 6:7, 0:6. Ein «Bagel», ein Satz zu null, zum Major-Abschied – wie bei Roger Federer im Viertelfinal in Wimbledon 2021.Wawrinka wird es verkraften. Ein Abschied von der grossen Tennisbühne in New York bildete nach 78 Major-Turnieren den perfekten Rahmen. «Ich habe einen Weg gefunden, hier mein bestes Tennis zu spielen», sagte Wawrinka in seiner Abschiedsrede.Der Mann, der die «Big Three» störteBei 18 Teilnahmen in New York feierte Wawrinka 46 Siege und kassierte 17 Niederlagen. An keinem anderen Major gewann er prozentual mehr Matches. Und hier gelang ihm vor zehn Jahren auch das Kunststück, den «Big Three» Rafael Nadal, Roger Federer und Novak Djokovic im dritten Jahr in Folge einen Major-Titel zu entreissen. Nur der Sieg in Wimbledon fehlt Wawrinka zum «Karriere-Grand-Slam».Seinen ersten Major-Titel holte er 2014 am Australian Open. Er schlug erst Novak Djokovic im Viertelfinal, dann die Weltnummer eins Rafael Nadal im Final. Plötzlich trat «der Schweizer, der verliert», wie Wawrinka sich wegen der Überpräsenz von Roger Federer ironisch nannte, aus dessen Schatten. Wawrinka kletterte auf Platz 3 der Weltrangliste. Ein Jahr später besiegte er Djokovic im Final von Roland-Garros.2016 stand Wawrinka erneut gegen Djokovic in einem Final, diesmal am US Open. In der Kabine zitterte er vor Nervosität. Sein Trainer Magnus Norman sagte Wawrinka, er sei stolz auf ihn, egal wie das Match ausgehe. Wawrinka begann zu weinen – wenige Minuten bevor er der Weltnummer eins gegenüberstand. Djokovic hatte er bis dahin nur 4 Mal in 23 Duellen besiegt.Doch Wawrinka schlug Djokovic dann, wenn es zählte: am Australian Open 2014, im Roland-Garros-Final 2015 – und dann auch in New York. In einem leuchtend pinkfarbenen Outfit fegte Wawrinka über den Court, wehrte 14 von 17 Breakbällen ab und nutzte selbst 6 von 10. Auf dem Weg in den Final hatte er fast doppelt so lange gespielt wie Djokovic, doch nach drei ausgeglichenen Sätzen war es der Serbe, der Schwäche zeigte.Stan Wawrinka posiert am Tag nach seinem Triumph am US Open 2016 auf dem Rockefeller Center in New York.Richard Drew / APAuch Wawrinka kämpfte mit Krämpfen, er habe noch nie so gelitten wie in New York, sagte er später. Doch er biss sich durch. Am Ende krönte sich Wawrinka in New York – nachdem er 2013 und 2015 im Halbfinal gescheitert war – endlich. Novak Djokovic adelte ihn: Wawrinka sei im Kopf stärker gewesen als er.Und wie es eine fast schon kitschig anmutende Fügung des Spielplans wollte, hätte Wawrinka zehn Jahre später in der zweiten Runde am US Open erneut auf Djokovic treffen können – wenn nicht beide bereits in der ersten Runde ausgeschieden wären.Noch einmal gehört New York «Stan the Man»Zu Beginn seiner Abschiedstournee in diesem Jahr schaffte es Wawrinka am Australian Open als ältester Spieler seit 48 Jahren in die dritte Runde an einem Major-Turnier. Bei den restlichen Major-Turnieren war die erste Runde dann Endstation für Wawrinka. Gefeiert wurde der Publikumsliebling so oder so überall – in Melbourne, Paris und Wimbledon.Eine Dernière in New York stand jedoch lange auf der Kippe. Wawrinka erhielt keine Wild Card. Die Veranstalter vergaben sie an die Amerikaner Darwin Blanch und Patrick Kypson. «Beschämend» nannten einige Journalisten die Entscheidung, auch Fans pulsierte in Online-Kommentaren die Krampfader.Nach der Enttäuschung reiste Wawrinka zurück in die heimischen Berge und veröffentlichte einen Abschiedsbrief an New York und das US Open auf Instagram. «Diese Stadt hat mich herausgefordert. Sie hat mich angespornt. Sie hat etwas in mir zum Vorschein gebracht, was nur wenige Orte jemals könnten», schrieb er. Den Sieg am US Open nannte Wawrinka einen der schönsten Momente seines Lebens.Kaum war Wawrinka in den Bergen angekommen, beorderten die Veranstalter ihn doch wieder zurück in die USA. Einer der Spieler hatte seine Wild Card wegen einer Verletzung zurückgegeben. Wawrinka rückte ins Hauptfeld nach.Fans und Medien bekamen also doch ihren Willen. Und Wawrinka die Chance, sich dort zu verabschieden, wo er vor zehn Jahren triumphierte. «Let’s go, Stan, let’s go!», riefen die Fans, als nach dem Match ein Video mit seinen besten US-Open-Momenten lief. Als Wawrinka im Video die Trophäe hochhielt, jubelte die Menge besonders laut.Mit brüchiger Stimme sagte Wawrinka: «Ich werde es vermissen. Ich werde es wirklich vermissen.» Solche Momente seien ein Grund, warum er bis 41 auf dem Court gestanden sei. «Ich liebe dieses Spiel so sehr, dass ich bis an meine Grenzen gehen wollte», sagte Wawrinka.Entsprechend kostete Wawrinka seine letzten Momente an einem Major voll aus. Er liess das Publikum immer wieder aufschreien, testete, wo die Fans im Grandstand am lautesten jubeln. Dorthin schlug er die Bälle, die er signiert hatte. «What a man. Stan the Man», sagte der Kommentator.Passend zum Artikel
Stan Wawrinka verabschiedet sich emotional von der grossen Tennisbühne
Mit dem Erstrunden-Aus gegen Matteo Berrettini verlässt «Stan the Man» die grosse Tennisbühne – ausgerechnet in Flushing Meadows, wo er vor zehn Jahren sein letztes Major gewann.











