In gewisser Weise ist Camerajet sogar ein Exemplar einer neuen Produktgattung. Denn eine Zahnbürste, die eine Kamera integriert hat, um mit einer ebenfalls eingebauten Mundspülung die Zahnzwischenräume zu reinigen, gibt es bisher nicht. Dyson kombiniert somit zwei Aktionen, die Menschen eigentlich am Morgen und Abend hintereinander machen müssten. Aber wie das Unternehmen in einer Studie nachweist, nutzen neun von zehn Menschen Zahnseide gar nicht oder nicht regelmäßig.1000 Mal pro SekundeCamerajet ist zunächst eine Schallzahnbürste. Sie reinigt die Zähne, indem sie den Kopf mit den Borsten vibrieren lässt. Schon das macht diese Bürste anders als die Konkurrenz. Die variablen Schallbewegungen mit einer Frequenz von 1000 pro Sekunde verhindern unter anderem durch einen sich verändernden Winkel, dass die Borsten zum Stillstand kommen, wenn sie sich in bestimmten Bereichen bewegen und eventuell festsetzen.Oben sitzt der Minitank für das Mundspülmittel.HerstellerDamit sollen schon mal die Zähne sauberer und das Zahnfleisch besser geschont werden als durch die Produkte der Konkurrenz. Nach dem Zähneputzen stellen viele Menschen ihre Mundpflege ein. Sagt Dyson. Wenige machten sich die Arbeit, die Zwischenräume mit Zahnseide gründlich zu reinigen.Innerhalb von 100 MillisekundenDiese Arbeit übernimmt Camerajet schon während des Putzens. An dem Prozess beteiligt ist eine Kamera, die unterhalb des Bürstenkopfes sitzt und mit einem 100.000 Pixel auflösenden Makroobjektiv mit 28 Bildern je Sekunde in Echtzeit die Zwischenräume analysiert. Um daraus ableiten zu können, welche Stellen wie stark mit Belag, also Plaque, besetzt sind, lässt sich das Gerät von der KI helfen. Sie sagt aufgrund der Bilder und der Trainingsdaten voraus, auf welche Bereiche zwischen den Zähnen die Mundspülung ihren Strahl ausrichten soll. Und die Erkenntnis geschieht innerhalb von 100 Millisekunden.Konischer Strahl für mehr BelagabtragHerstellerSelbst mit dem Strahl versucht sich Dyson von der Konkurrenz abzusetzen. Er ist konisch, weil ein üblicher nadelförmiger Strahl den Belag nicht so effektiv entfernen würde. Sagt Dyson und verweist auf gemeinsame Tests mit der Universität in Singapur.12,5 Milliliter SpülmittelNatürlich lässt sich Camerajet ins heimische WLAN einbinden und spricht mit dem Smartphone über Bluetooth. Die Mydyson-App verwaltet das Gerät. Für andere Produkte von Dyson verwenden wir die App selten bis gar nicht. In diesem Fall macht uns diese Funktion neugierig: In der Live-Ansicht können Nutzer Zähne und Zahnfleisch genau unter die Lupe nehmen, während sie die Bürste durch den Mund führen.Natürlich bietet Dyson auch Zahnpasta und Mundspülung an.HerstellerDer Alltag könnte so aussehen. Im Bad die Camerajet aus der Ladestation holen. Dort wird nicht nur Energie, sondern auch Wasser für die Spülung geladen. Per Knopfdruck füllt die Station 12,5 Milliliter innerhalb von drei Sekunden. Danach lässt man wie bei anderen Schallzahnbürsten den Kopf über die Zähne gleiten. Wenn es nach Dyson geht, benutzt man ihre eigene schaumfreie Zahnpasta, weil diese nicht der Kamera die Sicht versperrt. Der Kopf hat Doppelborsten für die Oberfläche und den Zahnfleischrand. Während des Putzens reinigt die Spülung gezielt die Zwischenräume. Dafür bietet Dyson ebenso ein eigenes Produkt an: eine schaumreduzierte Mundspülung, die auf den Strahl abgestimmt ist. Nach dem morgendlichen und abendlichen Ritual landet das Gerät wieder in der Ladestation.Irgendwann meldet der RFID-Tag, der im Bürstenkopf sitzt, dass er gerne ausgetauscht werden würde, weil er weiß, wann er aufgesetzt wurde und wie lange er gedient hat. Wie viel so ein Aufsatz kostet, hat Dyson noch nicht verraten. Ebenso wenig, wie viel die Zahnpasta und Mundspülung kosten. Nur der Preis für die Camerajet steht fest: 480 Euro. In dem Starterpaket sind je einmal Zahnpasta und Mundspülung enthalten.