Die für das kommende Frühjahr geplante John-Galliano-Retrospektive im Costume Institute des Metropolitan Museum in New York wird nicht stattfinden. „Ich möchte nicht, dass die Debatte um meine Person das Met in eine schwierige Lage bringt oder von der herausragenden Arbeit des Costume Institute ablenkt“, schrieb Galliano am Montag in einer Erklärung auf Instagram. „Ich erkenne zudem an und respektiere, dass eine Ausstellung zu Ehren meines Schaffens für manche Menschen schmerzhaft wäre.“Seit der Ankündigung der Ausstellung Ende Juli hatte es Diskussionen über die Vergangenheit des britischen Modemachers gegeben. Galliano, 1960 in Gibraltar geboren, wurde 1996 Chefdesigner von Dior. Im Februar 2011 zeigten Videoaufnahmen, wie er sich in einem Pariser Café im betrunkenen Zustand gegenüber einem Paar antisemitisch äußerte und sich als Hitler-Verehrer zu erkennen gab („I love Hitler“). Dior entließ ihn, und Galliano wurde von einem Gericht in Paris wegen Beleidigung schuldig gesprochen.Nach seinem Prozess im Juni 2011: John Galliano verlässt das Gericht in Paris.APAm Montag schrieb der Designer nun: „Ich übernehme weiterhin die volle Verantwortung für den Schmerz, den meine Worte in der Vergangenheit verursacht haben – insbesondere für das Leid, das ich der jüdischen und der asiatischen Gemeinschaft zugefügt habe –, und ich bedaure dies zutiefst. Mir ist bewusst, dass echte Wiedergutmachung nicht durch eine Ausstellung, institutionelle Anerkennung oder eine einzelne öffentliche Geste erreicht wird. Es ist eine fortwährende Verantwortung, die sich im Zuhören, im Dazulernen und im eigenen Verhalten im Laufe der Zeit zeigt.“Max Hollein, der Direktor des Metropolitan Museums, schrieb in er kurzen Erklärung: „Nach eingehenden Gesprächen mit John Galliano haben wir gemeinsam beschlossen, die Ausstellung nicht zu realisieren.“ Das neue Thema der Frühjahrsausstellung, die immer mit der „Met Gala“ eröffnet wird, soll zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben werden. Die Ausstellung „John Galliano: Horizons“ sollte vom 9. Mai 2027 bis zum 9. Januar 2028 laufen und „einen der einfallsreichsten und einflussreichsten Designer der letzten vier Jahrzehnte“ in den Mittelpunkt stellen. Bisher hatte es im Costume Institute des Museums nur zu zwei lebenden Designern Einzelausstellungen gegeben, zu Yves Saint Laurent (1983) und Rei Kawakubo (2017).Auch der „Bruch, der durch sein antisemitisches, rassistisches und gegen Asiaten gerichtetes Verhalten in den Jahren 2010 und 2011 verursacht wurde“, sollte in der geplanten großen Retrospektive beleuchtet werden, hatte das Museum vor einem Monat mitgeteilt. Ebenso sollte es um seine „anschließende Behandlung wegen Suchterkrankung sowie sein späteres öffentliches Eingeständnis seines Fehlverhaltens“ gehen.Die Kritik an den Ausstellungsplänen war in den vergangenen Tagen gewachsen. Unter anderem bezeichnete Julie Menin, als City Council Speaker ranghohe jüdische Vertreterin in der Stadtverwaltung, die Ausstellung in einem Brief an Max Hollein, Kurator Andrew Bolton und Mitorganisatorin Anna Wintour als „schweren Fehler“. Auch Unterstützer des Museums äußerten sich ablehnend.Anna Wintour, die den Designer seit Jahrzehnten unterstützt, teilte nun mit, Gallianos Entscheidung, die Ausstellung nicht stattfinden zu lassen, sei „sehr mutig und zeugt von seinem Charakter“. Galliano war zuletzt durch seine Kollektionen für Maison Margiela wieder positiv ins Gespräch gekommen. Nach dem Abschluss seiner zehnjährigen Tätigkeit für das Modehaus Ende vergangenen Jahres will er im September in ungewohnter Rolle als Designer zurückkehren: Am 30. September wird er seine erste Kollektion im Rahmen einer zweijährigen Partnerschaft mit der spanischen Fast-Fashion-Kette Zara vorstellen. Auch das wird ihm Kritik einbringen.