PfadnavigationHomeRegionalesNordrhein-WestfalenMinisterium nennt neue Details zu filmreifem AusbruchStand: 16:50 UhrLesedauer: 3 MinutenEin Fallrohr an der JVA Duisburg. Es ist mit Blech geschützt, um Klettern zu verhindern.Quelle: Christoph Reichwein/dpaWie gelang es einem Häftling, durch ein vergittertes Fenster über das Dach zu entkommen? Das NRW-Justizministerium enthüllt überraschende Details. Unterdessen wird der Fall zum Politikum.Der Untersuchungshäftling, der mit einem hollywoodreifen Ausbruch aus der JVA Duisburg-Hamborn entkommen ist, fiel nach dpa-Informationen zuerst Mitgefangenen durch Poltern auf dem Dach auf. Durch das Gejohle der Häftlinge wurden die Bediensteten auf den Ausbruch aufmerksam. Der 35-Jährige hatte sich laut NRW-Justizministerium durch eine schmale Öffnung gezwängt.Das Ministerium teilte am Montagnachmittag neue Details zu dem Ausbruch mit. Demnach hatten die Bediensteten am Sonntagmorgen gegen 3.20 Uhr «eine außerordentlich laute Geräuschkulisse» im Hafthaus wahrgenommen. Erst dachten die Beamten, es gebe eine Schlägerei. Dann stellten sie laut Ministerium aber fest, «dass mehrere Gefangene lautstark aus dem Fenster riefen, dass der "Serbe es geschafft" habe.»Zugang mit Schrank versperrtAls die Bediensteten die Zelle des Häftlings öffnen wollten, war der Zugang mit einem Schrank versperrt. «Der Schrank wurde sodann zur Seite getreten, um einen freien Zugang zum Haftraum zu erhalten», so das Justizministerium. Die Zelle war leer, der Vorhang vor dem Fenster zu. Als die Beamten ihn zur Seite schoben, entdeckten sie einen glatt herausgetrennten Gitterstab.Welches Werkzeug der 35-Jährige dafür genutzt hat, ist bislang unklar. Vor Ort wurde nichts gefunden, eventuell hatte der Mann es eingesteckt. Fest steht: Der Häftling zwängte sich durch eine nur 27 Zentimeter breite und 35,5 Zentimeter hohe Öffnung.Das Feingitter davor hatte er weggedrückt und zwei Tischbeine als Hilfe zum Herausklettern benutzt. «An dem Gitter des darüberliegenden Haftraumes dürfte er sich bis zur Dachkante hochgezogen haben», so das Ministerium. Offenbar lief der Mann dann über das Dach. Nach ersten Ermittlungen nutzte er womöglich ein Regenrohr, um von dem viergeschossigen Gebäude auf die Straße zu kommen. Am Montagnachmittag war der Mann weiter auf der Flucht.Ausbrüche sind selten gewordenMit dem Ausbruch von Duisburg ist erstmals seit über fünf Jahren einem Häftling in Nordrhein-Westfalen ein klassischer Gefängnisausbruch aus dem geschlossenen Vollzug geglückt. Zuletzt war dies nach Angaben des NRW-Justizministeriums einem Gefangenen am 2. Juni 2021 aus dem Gefängnis in Bielefeld-Brackwede gelungen. Die Daten reichen bis 1979 zurück.Gefängnisausbrüche sind selten geworden. So brachen 1991 in einem Jahr in NRW 45 Gefangene aus, 1993 waren es 41 und 1994 immerhin 43 Gefangene. Bessere Technik und Organisation, aber auch verbesserte Haftbedingungen sorgten dann dafür, dass schon in den Jahren 2004 und 2006 keinem einzigen Gefangenen ein Ausbruch gelang.Vorfall wird Thema im LandtagKommende Woche wird der Vorfall Thema im Düsseldorfer Landtag. Die SPD-Fraktion hat eine sogenannte Aktuelle Viertelstunde im Rechtsausschuss beantragt. In den vergangenen Wochen hatte es mehrere Fälle aus dem Strafvollzug gegeben, die den Landtag beschäftigt hatten. Unter anderem gab es Durchsuchungen in mehreren Gefängnissen wegen mutmaßlich korrupten Bediensteten.dpa-infocom GmbH