PfadnavigationHomeNewstickerDPAafxlinetopthemenTödliches Fährunglück vor Zypern: Noch 20 Menschen vermisstStand: 16:06 UhrLesedauer: 4 MinutenDie Suche nach den Vermissten dauert weiter an.Quelle: Nedim Enginsoy/AP/dpaNach dem Schiffsunglück vor Nordzypern suchen Rettungstrupps mit Hochdruck nach den Vermissten. Familien bangen um Angehörige. Gegen die Schiffsbesatzung werden schwere Vorwürfe erhoben.Nach dem Fährunglück vor der Insel Zypern mit mindestens acht Toten stehen schwere Vorwürfe gegen die Schiffsbesatzung im Raum. Wie der nordzyprische Sender BRT berichtete, wird gegen den Kapitän, den Unternehmensdirektor und sieben weitere Verdächtige der Vorwurf der «Tötung durch Fahrlässigkeit und Unachtsamkeit» erhoben.Die Fähre war am Sonntag kurz nach dem Auslaufen aus dem Hafen im nordzyprischen Kyrenia (türkisch: Girne) in Richtung der südtürkischen Stadt Mersin gekentert. Bei dem Unglück kamen offiziellen Angaben zufolge acht Menschen ums Leben, 239 Personen konnten gerettet werden. Die Zahl der Vermissten korrigierten die türkisch-zyprischen Behörden am Montagnachmittag von ursprünglich 18 auf 20.An Bord hatten sich insgesamt 267 Menschen befunden, darunter 259 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder. Kurz nach dem Auslaufen drang Wasser in das Schiff ein, das anschließend auf den Grund in 500 Metern Tiefe sank. Menschen an Bord gerieten in Panik. Angehörige der noch vermissten Personen warten am Hafen auf Aufklärung.Untersuchungshaft für neun VerdächtigeTufan Erhürman, der Präsident der nur von der Türkei anerkannten Republik Nordzypern, erklärte vor Journalisten, dass für neun Verdächtige eine dreitägige Untersuchungshaft angeordnet wurde. Nach Angaben der Richterin Hazal Hacimulla sollen insgesamt 16 Menschen vor Gericht vorgeladen werden und aussagen.Wie die türkische Tageszeitung «Hürriyet» berichtete, ordnete das Gericht außerdem an, technische Daten zu erheben und Zeugen zu vernehmen, um zu prüfen, ob auch in der Türkei Ermittlungen eingeleitet werden sollen.Präsident kündigt Aufklärung anDie Suche nach den Vermissten läuft derweil weiter auf Hochtouren. Nach Angaben der türkischen staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu sind Militärschiffe aus Nordzypern und der Türkei im Einsatz, aus der Luft werden sie von Militärflugzeugen und zahlreiche Drohnen unterstützt. Außerdem wurden Taucher eingesetzt. Der im Hafen von Kyrenia eingerichtete Krisenstab koordiniert die Suchmaßnahmen.Am Dienstag soll zudem mit spezieller Robotertechnik aus der Türkei zu dem Schiffswrack getaucht werden, wie Präsident Erhürman laut Anadolu ankündigte. Er betonte zudem, dass alle Fehler, Versäumnisse, Irrtümer und Mängel im Zusammenhang mit dem gekenterten Schiff aufgedeckt würden.Der Präsident sprach den Angehörigen der Ertrunkenen sein Beileid aus. Er sagte vor Journalisten, man stehe auch in Kontakt mit den Angehörigen der vermissten Personen.Dramatische Szenen an BordZur Ursache des tödlichen Unglücks erklärte der stellvertretende Polizeikommissar Mehmet Mannas laut der Tageszeitung «Zypernpost», dass das Passagierschiff der Reederei Filo Denizcilik einen Bruch an der vorderen linken Seite erlitten habe und durch das Eindringen von Wasser gekentert sei.Wie unter anderem auch Videos in den sozialen Medien zeigen, spielten sich dramatische Szenen auf dem Schiff ab. Eine Mutter berichtete gegenüber dem türkischen Sender NTV, wie sie zwei ihrer Kinder beim Untergang des Schiffes verloren hat: «Meine Tochter ist mir aus den Händen entglitten. Ich konnte sie nicht halten. Ich habe ihre Hand gehalten, auf uns sind Koffer gefallen und ihre Hand ist mir entglitten.»Die Passagiere seien übereinander gestiegen, um sich zu retten. Ihre Kinder hätten geschrien: «Mama, lass unsere Hände nicht los!» Überall sei Treibstoff ausgelaufen und der Boden sei rutschig gewesen.Dreitägige StaatstrauerIm Norden der Insel wurde eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen. Sie soll bis zum Sonnenuntergang am Mittwoch dauern, wie BRT berichtete.Nordzypern hat die Fährverbindungen zwischen Kyrenia und den türkischen Städten Mersin und Anamur nach Angaben von Anadolu bis auf weiteres ausgesetzt. Wann die Verbindungen wieder aufgenommen werden, ist noch unklar.Geteilte InselDie Republik Zypern im Süden der Insel hatte laut dem staatlichen Rundfunk RIK am Sonntag ihre Bereitschaft erklärt, sich an der Such- und Rettungsaktion vor der Küste von Kyrenia zu beteiligen. Im Mittelpunkt stehe der Schutz von Menschenleben, teilte das zyprische Such- und Rettungszentrum mit.Zypern ist seit 1974 nach einem Putsch nationalistischer griechischer Zyprer und einer darauffolgenden türkischen Militärintervention de facto geteilt. Im Jahr 1983 wurde die Türkische Republik Nordzypern (KKTC) proklamiert, die weltweit nur von der Türkei anerkannt wird. 2004 wurde die Insel Zypern als Ganzes in die EU aufgenommen.dpa-infocom GmbH