Nach dem tödlichen Fährunglück vor Zypern haben einige gerettete Passagiere schwere Vorwürfe gegen die Besatzung erhoben. Der Kapitän soll von Bord geflüchtet sein, als sich das Unglück anbahnte, sagte der türkisch-zyprische Verkehrsminister Erhan Arikli der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu . Außerdem hätten einige der rund 260 Schiffspassagiere von verschlossenen Türen und Fluchtwegen berichtetAlle Vorwürfe würden intensiv geprüft, versprach Arikli demnach. Neben den Ermittlungen der Polizei werde es eine separate Untersuchung geben. Alle Ergebnisse zu Betriebserlaubnis und Seetauglichkeit der Fähre sowie Sicherheitsvorkehrungen an Bord würden anschließend veröffentlicht. Außer dem Kapitän des gesunkenen Katamarans wurden den Behörden zufolge am Sonntagabend auch sieben Crewmitglieder festgenommen.Bei der Rettungsaktion spielten sich dramatische Szenen ab. Menschen in Rettungswesten klammerten sich an den über Wasser treibenden Teil der havarierten Fähre und warteten auf Rettung, während über ihnen ein Helikopter kreiste. Augenzeugen berichteten von chaotischen Zuständen an Bord: Passagiere im unteren Deck des zweistöckigen Schiffes hätten panisch versucht, die Scheiben einzuschlagen, um nach draußen zu gelangen.Die Regierung der nur von der Türkei anerkannten Republik Nordzypern kündigte an, die Hintergründe lückenlos aufzuklären und alle Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. »Selbst die geringste Fahrlässigkeit wird ans Licht kommen«, versprach Ministerpräsident Ünal Üstel.