Nach dem Fährunfall vor der Insel Zypern ist die Zahl der Toten auf mindestens acht gestiegen. Die Einsatzkräfte suchten noch nach 23 Personen, sagte der nordzyprische Präsident Tufan Erhürman dem Sender CNN Türk. 237 Passagiere seien gerettet worden.Das Schiff war den Behörden zufolge am Mittag kurz nach dem Auslaufen aus der Hafenstadt Kyrenia gekentert. Demnach drang Wasser in die Fähre ein, und es wurde ein Notruf abgesetzt. Die Fähre war auf dem Weg ins südtürkische Mersin.Der Kapitän und sieben Crewmitglieder sind mittlerweile festgenommen worden. Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen, sagte der Ministerpräsident der nur von der Türkei anerkannten Republik Nordzypern Ünal Üstel nach Angaben des nordzyprischen Staatssenders BRT. „Ich sage das hier ganz klar. Jeder Aspekt dieses Vorfalls wird untersucht. Selbst die geringste Fahrlässigkeit wird ans Licht kommen“, sagte Üstel. Die Rettungsarbeiten gehen indes weiter.Dem nordzyprischen Verkehrsminister Erhan Arıklı zufolge befanden sich insgesamt 267 Personen auf der Fähre, darunter 259 Passagiere und 8 Besatzungsmitglieder. Wie Arıklı Medienvertretern erklärte, drang Wasser in die Fähre ein, es wurde ein Notruf abgesetzt. Der Notruf erfolgte türkischen Behörden zufolge vier Seemeilen vor der Küste. Warum Wasser in das Schiff eindringen konnte, war zunächst unklar. Die See war Medienberichten zufolge stürmisch. Auf Videos der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu Ajansı und in den sozialen Medien ist zu sehen, wie Menschen auf dem seitlich liegenden Schiff auf Rettung warten.YouTubeDie SZ-Redaktion hat diesen Artikel mit einem Inhalt von YouTube angereichertUm Ihre Daten zu schützen, wurde er nicht ohne Ihre Zustimmung geladen.Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von YouTube angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an den Betreiber des Portals zur Nutzungsanalyse übermittelt. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie unter sz.de/datenschutz.Auf Bildern des Senders CNN Türk war zu sehen, wie Menschen in Rettungswesten sich an das Schiffswrack klammerten und darauf warteten, in Sicherheit gebracht zu werden. Ein Helikopter kreiste über ihren Köpfen. Dem Sender zufolge hatte der Kapitän noch versucht, umzukehren. Es habe sich um einen zweistöckigen Katamaran gehandelt. Ein Archivbild von September 2024 zeigt die Fähre, die am Sonntag verunglückt ist.Altay Alan/via REUTERSEin Augenzeuge berichtet von chaotischen SzenenVor dem Krankenhaus in Kyrenia versammelten sich Angehörige und warteten auf Nachricht. Der Augenzeuge Efe Mültici sagte dem Sender CNN Türk, er habe sich im unteren Deck des Schiffes aufgehalten, er berichtete von chaotischen Szenen: Die Passagiere hätten die Besatzung darauf hingewiesen, dass Wasser eindringe und gebeten, umzudrehen. Der Wellengang sei zudem sehr stark gewesen.Plötzlich habe sich das Schiff zur Seite geneigt, Menschen seien panisch aufgesprungen und hätten nach Rettungswesten gesucht. Einige hätten versucht, Scheiben einzuschlagen, um herauszukommen. Ein Mann sagte, der Tageszeitung Zypernpost, es habe Chaos geherrscht. Die türkische Küstenwache unterstütze die Rettung, schrieb der türkische Vizepräsident Cevdet Yilmaz auf X.Ein Rettungswagen trifft nach dem Unglück im Hafen von Kyrenia im Norden Zyperns ein.Uncredited/AP/dpa„Unsere Gedanken sind bei den Menschen, die ihr Leben verloren haben, bei den Verletzten und bei allen, die diese Tragödie erleben müssen, sowie bei ihren Familien in diesen äußerst schwierigen Stunden“, schrieb der zyprische Regierungssprecher Konstantinos Letybiotis auf der Plattform X auf Griechisch und Türkisch. Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.Zypern ist seit 1974 nach einem Putsch nationalistischer griechischer Zyprer und einer darauffolgenden türkischen Militärintervention de facto geteilt. Im Jahr 1983 wurde die Türkische Republik Nordzypern (KKTC) proklamiert, die weltweit nur von der Türkei anerkannt wird. 2004 nahm die EU die Insel Zypern als Ganzes in die EU auf.Hinweis: In einer früheren Textversion wurde Erhan Arıklı als Verkehrsminister von Zypern bezeichnet, er ist aber Verkehrsminister der international nur von der Türkei anerkannten Türkischen Republik Nordzypern. Wir haben den Fehler korrigiert.