PfadnavigationHomePanoramaProzess in GießenMutter täuscht Krebserkrankung ihres Sohnes vor und erhält 358.000 Euro – Frau legt Geständnis abStand: 14:40 UhrLesedauer: 3 MinutenDie 42-jährige Angeklagte sitzt neben ihrem Rechtsanwalt Ramazan Schmidt im Landgericht Gießen. Sie hat ein Geständnis abgelegtQuelle: Christine Schultze/dpaEine 42-Jährige sammelte Spenden für ihr angeblich schwer erkranktes Kind im Internet. Besonders perfide: Auch der Junge selbst dachte, er sei schwerstkrank. Nun soll der Fall vor Gericht aufgearbeitet werden.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenSie soll mit einer vorgetäuschten Krebserkrankung ihres kleinen Sohnes insgesamt 358.000 Euro an Spendengeldern ergaunert haben: Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Gießen hat die Frau nun ein Geständnis abgelegt. Die Staatsanwaltschaft Gießen legt der 42-Jährigen gewerbsmäßigen Betrug in 13 Fällen sowie Urkundenfälschung in zwei Fällen zur Last.Die Taten sollen sich zwischen September 2021 und Oktober 2024 zugetragen haben. Laut Anklage hatte sich zuvor bei einer hautärztlichen Untersuchung des im Tatzeitraum fünf- bis achtjährigen Kindes ein Befund ergeben, der sich jedoch als unauffällig herausstellte und keine medizinische Behandlung erforderlich machte. Die Frau soll mit ihrem Sohn auch in eine Klinik in der Schweiz gereist sein, wo Ärzte zu dem gleichen Ergebnis kamen.Daraufhin soll die Frau angefangen haben, eine Krankheitsgeschichte des Jungen zu fingieren: Sie habe behauptet, das Kind leide an schwarzem Hautkrebs und benötige dringend eine teure und seltene Behandlung in den USA. Dies soll sie sowohl gegenüber der Familie als auch in Medien und auf Internetplattformen vertreten haben. Aufgedeckt wurde der Schwindel von der KinderärztinDie Aufrufe hätten Mitgefühl und große Anteilnahme ausgelöst, erklärte Staatsanwalt Kai Karges. Privatpersonen und auch gemeinnützige Organisationen hätten teils mehrere Zehntausend Euro gespendet, um dem Kind zu helfen.Lesen Sie auchZu Wort kommen sie unter anderem in der „Hessenschau“, wie etwa der Elternverein für leukämie- und krebskranke Kinder Gießen. „Für uns als Elternverein ist dieser Fall in vielerlei Hinsicht zutiefst erschütternd“, teilte der Verein dem HR mit. Ein solcher Vorfall treffe „all jene Vereine, Verbände und Initiativen, die seit Jahrzehnten mit großem ehrenamtlichem Engagement seriöse Spendenarbeit leisten – immer mit dem Ziel, krebskranken Kindern und ihren Familien konkret zu helfen und die Kinderkrebsforschung voranzubringen“.Auch der Junge selbst habe geglaubt, dass er an Krebs erkrankt sei, sagte der Staatsanwalt. Später soll die Angeklagte Arztbriefe gefälscht und tatsächlich in die USA gereist sein, wie „Mittelhessen“ berichtet. Aufgedeckt wurde der Fall, als die Kinderärztin des Jungen über soziale Medien von den Spendenaufrufen erfuhr und das Jugendamt einschaltete. „Da ist dann das Lügenkonstrukt aufgedeckt worden“, sagte Karges. Das Kind wurde in Obhut genommen. Wo der Junge aktuell lebt, ist unbekannt. Laut Verteidigung laufe aktuell ein Verfahren vor dem Familiengericht.Auch ein psychologisches Gutachten wird erstelltIn einer vor Gericht verlesenen Erklärung hieß es: „Sämtliche Taten werden ohne jede Einschränkung eingeräumt. Das bezieht sich sowohl auf den Sachverhalt als auch auf die Höhe der jeweils aufgeführten Summen.“ Weitere Angaben zu den Vorwürfen machte die Frau nicht. Ihr Verteidiger Ramazan Schmidt gab auch an, dass sie sich zunächst nicht zu Fragen äußern werde. Im Anschluss erklärte er, seine Mandantin bedauere das Geschehene.Der Prozess soll trotz des Geständnisses der Frau mit der Beweisaufnahme fortgesetzt werden. Avisiert ist er bis Ende Oktober. Laut dem Landgericht Gießen werden 20 Zeugen befragt, zudem ist auch eine psychiatrische Sachverständige mit einer Untersuchung der Angeklagten beauftragt.dpa/krott