Die SVP will das Handy aus der Schule verbannen – der Zürcher Kantonsrat folgt ihrPrivate Smartphones und Tablets sollen an Zürcher Schulen verboten werden. Eine ungewohnte Allianz wehrte sich gegen «paternalistische Zensurversuche»: erfolglos.31.08.2026, 13.17 Uhr3 LeseminutenDie Schulen im Kanton Zürich regeln den Umgang mit privaten Handys sehr unterschiedlich. Nun soll das ändern.Goran Basic / NZZFür die SVP ist klar: Smartphones haben an den Schulen nichts verloren. Im Zürcher Kantonsrat listete Fraktionschef Tobias Weidmann (Hettlingen) am Montag mit Verweis auf eine amerikanische Studie auf, für welche Übel er die Handys verantwortlich macht: Depression, Schlafmangel, Übergewicht. Das seien Gründe, weshalb seine vier Kinder bis heute kein Smartphone besässen – und bestens damit zu recht kämen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Zumindest in den Schulen solle man allen Kindern eine digitale Auszeit gönnen, fand Weidmann. «Dort tragen wir Politiker die Verantwortung für das Lernumfeld.» Bereits die blosse Anwesenheit des Handys schwäche die Konzentration erheblich. Darum sei ein flächendeckendes Verbot privater Geräte notwendig. So wie es andere Kantone wie Aargau, Wallis, Basel-Stadt oder Nidwalden bereits beschlossen hätten.Konkret forderte die SVP mit einem Postulat «verbindliche kantonale Richtlinien», welche die Nutzung privater Smartphones, Tablets und Notebooks durch Schülerinnen und Schüler an allen Zürcher Volksschulen untersagen.Die Regel soll vom Kindergarten bis Ende der 9. Klasse gelten und die Unterrichtszeit, Pausen, das gesamte Schulareal sowie die Tages- und Betreuungsstrukturen umfassen. Heute ist es so, dass alle Schulen eigene Regeln erlassen können. Nicht betroffen vom Verbot wären Geräte, die explizit für den Unterricht genutzt werden.AL: «Staatliche Zensurversuche»Dass Handys – besonders an der Schule – unbeliebt sind, zeigte die Diskussion im Rat deutlich. Praktisch alle Sprecher leiteten ihre Voten mit der Bemerkung ein, dass es tatsächlich viele Probleme gebe. Die Frage war nur: braucht es ein generelles Verbot?David Garcia Nuñez (AL, Zürich) wehrte sich dagegen. Die Haltung der SVP und ihrer Verbündeten nannte er «paternalistisch». Ein kantonales Verbot sei «eine puritanische Lösung für ein allzu irdisches Problem». Kinder und Jugendliche brauchten keine Handyabstinenz, sondern Digitalkompetenz. Sie würden nicht durch Verbote, sondern durch Befähigung geschützt.In vielen Schulen gebe es zudem heute schon klare Regeln im Umgang mit Smartphones. Man müsse ein funktionierendes System nicht kantonal übersteuern. Die meisten «staatlichen Zensurversuche» könnten durch technikaffine Schüler ausserdem rasch umschifft werden. Das wahre Problem ortete Garcia Nuñez in den mächtigen Tech-Plattformen wie Instagram oder Snapchat, die es besser zu regulieren gelte.SP und Grüne waren in der Frage gespalten. Teile der Fraktionen unterstützen ein Verbot, andere waren dagegen. Der Zürcher SP-Parteipräsident Jean-Daniel Strub (Zürich) trat etwa für «smartphonefreie Räume» ein und verwies auf wissenschaftliche Studien. Klare Regeln würden Entlastung für Schülerinnen und Schüler, Lehrpersonen und Eltern schaffen. Sabine Arnold (Grüne, Zürich) hingegen nannte ein kantonales Verbot «unnötig»; es bevormunde die einzelnen Schulen.SVP: «Grosses Suchtpotenzial»Markus Bopp (SVP, Otelfingen) stellte richtigerweise fest, dass die Diskussion für einmal nicht streng nach Parteilinie verlaufe und auch nicht im klassischen Links-Rechts-Schema zu verorten sei. Er selbst sprach vom «grossen Suchtpotenzial» der Handys. «Wenn wir Alkohol oder Tabak an Schulen verbieten, dann sollten wir es auch mit Smartphones tun», sagte er.Bopp verwies auf Umfragen, die zeigten, dass Eltern, aber auch Schüler sehr offen für solche Lösungen seien. Plötzlich spielten Kinder in den Pausen wieder Tischtennis oder Fussball miteinander statt auf den Bildschirm zu starren. An skandinavischen Schulen verfolge man deshalb seit geraumer Zeit wieder einen analogen Ansatz.FDP, GLP und EVP waren neben der AL als einzige Parteien klar gegen das Verbot. Nadia Koch (GLP, Rümlang) bekräftigte, dass die meisten Schulen schon heute ihre Verantwortung wahrnähmen. Einen weitreichenderen Eingriff sei «weder notwendig, noch verhältnismässig». Kinder bewegten sich in einer digitalen Welt. Sie forderte «Aufklärung, nicht Verbote».In der Schlussabstimmung reichte es aber für die SVP. Eine knappe Mehrheit von 92 zu 82 Stimmen unterstütze ihr Postulat. Die Bildungsdirektorin Silvia Steiner (Mitte) wird das Anliegen nun prüfen. Man werde einen Bericht erstellen, um zu sehen, wo der Kanton die bestehenden Regelungen der Schulen «ergänzen» könnte, sagte sie. Steiner stellte aber auch klar, dass sie in der Smartphone-Frage vor allem die Eltern in der Verantwortung sieht.Passend zum Artikel