Wenn man am Ende des Sommers die Deutschen fragte, wer in Spanien, Italien und Österreich wohl die unbeliebtesten Urlaubsgäste seien, bekäme man mit Sicherheit folgende Antwort: die Deutschen! Natürlich nicht alle Deutschen, sondern alle außer einem selbst, die typischen deutschen Touristen eben. Diejenigen, die in Torremolinos die Strandliegen am frühen Morgen mit einem Handtuch besetzen, sich im Bierkönig auf Mallorca Schlager singend mit Weißbier abschießen, in Phuket ausschließlich Schnitzel futtern und in Rom mit weißbesockten Füßen in Wandersandalen durchs Kolosseum stapfen und dabei alles besser wissen als der italienische Reiseleiter.Man selbst sieht sich selbstredend vor solchen Verfehlungen gefeit, ist man selbst doch kein Tourist, der in der Fremde nur den Massenkonsum an einem sonnigeren Ort sucht, sondern ein Reisender, den der Wunsch nach authentischem Erleben auf individuellen Wegen in die Ferne treibt. Dass im Wort „Tourist“ etwas Abschätziges mitschwingt, ist dabei älter als der Tourismus in seiner heutigen Form. Als „tourists“ bezeichnete Adam Smith schon 1770 Männer aus gutem Haus, die ihre Zeit mit „liederlichem Müßiggang“ verschwendeten.Deutsche geben sich als Österreicher ausDie negative Bild des Touristen ist global, die Verachtung, mit der auf die eigenen Landsleute in der Fremde geblickt wird, aber etwas typisch Deutsches. Laut einer Studie genieren sich nur Briten und Norweger in ähnlichem Maße für das Verhalten ihrer Mitbürger im Ausland – allerdings fand diese Untersuchung vor Donald Trumps zweiter Amtszeit statt, und seitdem haben wir selbst erlebt, dass sich US-Bürger in Europa aus Scham über ihren Präsidenten als Kanadier ausgegeben haben.Auch Deutsche haben wir schon dabei erwischt, dass sie sich im Ausland zu Österreichern gemacht haben. Dabei wäre diese Schwindelei gar nicht nötig gewesen! Denn Selbst- und Fremdbild gehen in diesem Fall weit auseinander. Die Deutschen sind in ihren liebsten Urlaubsländern nämlich keineswegs so unbeliebt, wie sie selbst glauben.Bei Befragungen von internationalen Hotelmanagern landen die Deutschen auf den vorderen Plätzen, übertrumpft nur von den Japanern – woraus man auch unzweifelhaft schließen kann, worauf Hotelmanager Wert legen: Die beiden Nationen gelten in der Fremde als ordentlich, höflich und neigen nicht zu großer Lautstärke im Restaurant.Wer schon einmal miterlebt hat, wie Japaner nach einem Langstreckenflug kollektiv ihre Decken falten und ihren eigenen Abfall aus dem Flugzeug mitnehmen, den wundert der erste Platz überhaupt nicht. Abzüge in der B-Note gibt es für die Deutschen bei der Großzügigkeit, sie gelten als knausrig. Aber da Hotelmanager und nicht Kellner befragt wurden, fällt das offenbar nicht so sehr ins Gewicht.Und die unbeliebtesten Touristen? Die kommen je nach Studie und Weltgegend aus Russland, Frankreich oder auch China. Dem chinesischen Selbstbewusstsein scheint dieser Befund aber nichts anhaben zu können: Die Chinesen sind im Großen und Ganzen davon überzeugt, im Ausland beliebte Urlaubsgäste zu sein. Vielleicht ist es aber auch reiner Zweckoptimismus, denn im Gegensatz zu Amerikanern oder Deutschen können die Chinesen nur schwer die Identität ihrer Nachbarn vortäuschen und sich als Inder oder Russen ausgeben.
Urlaub im Ausland: Die Deutschen sind beliebter als gedacht
Wir ärgern uns über die eigenen Landsleute am Strand und leugnen an der Hotelbar mitunter sogar unsere eigene Herkunft. Dabei entbehrt der Fremdschamreflex jeder Grundlage. Die Deutschen sind beliebt.






