Hinter dem Deutschland der niedergehenden Traditionsindustrien, dem Deutschland der vor allem über Verteilungsthemen und Partikularinteressen Besorgten und dem Deutschland der Ewiggestrigen, die den Menschen einreden wollen, die Zukunft des Landes bestehe in einer Rückkehr in die Vergangenheit, existiert ein modernes, zugewandtes Deutschland. Es ist das Deutschland der modernen Technologien, die die Welt stärker verändern werden als die Ergebnisse von Landtagswahlen.Es ist das Deutschland sehr gut ausgebildeter, ehrgeiziger, international vernetzter Menschen, die Start-up-Unternehmen gründen und entwickeln oder dazu beitragen, etablierte Unternehmen auf dem Weg in die Moderne zu verändern.Die wenigsten Deutschen sind wirklich technologieaffinDiese Unternehmen rücken immer stärker in den Fokus internationaler Kapitalgeber, vorwiegend aus den Vereinigten Staaten und aus London, aber auch aus anderen Regionen, wo Deutschland insgesamt keineswegs als abgemeldet gilt. In diese innovativen Unternehmen wird investiert, hier entstehen Arbeitsplätze, hier werden Innovation und Wettbewerb gelebt. Keineswegs alle modernen Unternehmen sind in der Verteidigungsindustrie tätig. Sie repräsentieren den Typus des schöpferischen Zerstörers, den der Ökonom Joseph Schumpeter schon im Jahr 1911 in seinem Hauptwerk „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ beschrieben hatte.Menschen, die diese Unternehmen gründen oder in ihnen arbeiten – oft, aber keineswegs immer jung –, besitzen keine Lobby in der artifiziellen Blase der Talkshows, die unermüdlich die Gebrechen des alten Deutschlands durchnudelt. Schlimmer noch, die Menschen, die an und in diesem modernen Deutschland arbeiten, treffen auf kein politisches Angebot.Union und SPD, AfD und Grüne bewirtschaften auf unterschiedliche Art Vergangenheitssehnsüchte eines alten Deutschlands, das, je nach Standort, zu Helmut Kohl oder Erich Honecker zurückkehren möchte, auch bei ökonomischer Stagnation vor allem über zusätzliche Umverteilung streiten will und starrsinnig darauf beharrt, die Zukunft seiner Industrie müsse in den vertrauten Branchen mit mittlerem Technologieniveau liegen, deren Ursprung ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Die meisten Deutschen nutzen das Internet, aber die wenigsten sind technologieaffin.Moderne Unternehmen brauchen keinen intervenierenden StaatDas moderne Deutschland zu fördern, müsste die Aufgabe einer zukunftsweisenden Politik sein. Fördern heißt jedoch nicht intervenieren, regulieren und subventionieren; ebenso nützt der Rat von Ökonomen wenig, deren Repertoire mit Forderungen nach Industriepolitik und zusätzlicher Staatsverschuldung endet. Sie benötigen zuverlässige Rahmenbedingungen in einer freiheitlichen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, um ihre unternehmerischen Potentiale zu nutzen, die Standortbedingungen müssen sich im internationalen Wettbewerb bewähren, und sie profitieren von einem Ökosystem, in dem wissenschaftliche Exzellenz und wirtschaftliche Ambition zusammentreffen.Ein gemeinsamer europäischer Kapitalmarkt wäre hilfreich, um die Unternehmen von einer Abwanderung in die Vereinigten Staaten abzuhalten. Doch das Kartell der Besitzstandswahrer in der europäischen Politik und den europäischen Gesellschaften blockiert seit Jahren den gemeinsamen Kapitalmarkt.In den Vereinigten Staaten diskutieren Ökonomen Szenarien, in denen das Wachstum der gesamten Wirtschaft von modernen Technologien getragen wird, während etablierte Industrien und Dienstleistungsökonomie kaum noch Wachstumsbeiträge leisten. Denn die modernen Technologien versprechen am ehesten die dringend notwendigen Produktivitätszuwächse, die traditionelle Industrien und die meisten Dienstleistungen nicht mehr beisteuern können.Angesichts des vorwiegend demographisch bedingten Rückgangs des Arbeitsangebots sind die europäischen Volkswirtschaften noch dringlicher auf Produktivitätszuwächse angewiesen, die nur durch die Anwendung moderner Technologien entstehen können. Die deutsche Wirtschaft ist, wie die anderen europäischen Volkswirtschaften, jedoch anders als die amerikanische Wirtschaft weit von einer Situation entfernt, in der das Wachstum wesentlich von den modernen Unternehmen getrieben wird.Umso dringlicher bedarf es einer Angebotspolitik, die günstige Rahmenbedingungen für private Investitionen im Land schafft. Das alte Deutschland, das in den vergangenen Jahren mit einem bestenfalls anämischen Wirtschaftswachstum durch schuldenfinanzierte zusätzliche Staatsausgaben gescheitert ist, besitzt jedenfalls keine Zukunft in einer hochkompetitiven und in Teilen regelrecht konfrontativen Welt.
Technologischer Fortschritt: Das Deutschland der Zukunft ist längst da
Es existiert ein modernes Deutschland der aufstrebenden Technologieunternehmen. Sie verkörpern die Zukunft des Landes – finden aber kein politisches Angebot in einem zunehmend alternden Deutschland.






