Deutschland steht vor einer historischen Chance. Bei aller Skepsis und den oft bemühten Abgesängen auf unser Land: Deutschland ist nach wie vor die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Wir verfügen über exzellente Universitäten und herausragende Forschungseinrichtung, hochinnovative Unternehmen und eine dynamische Start-up-Szene. Gerade deshalb haben wir allen Grund, mit Zuversicht nach vorne zu blicken. Neue Technologien und Innovationen verändern Wirtschaft und Gesellschaft in rasanter Geschwindigkeit – und eröffnen enorme Möglichkeiten für Wachstum, Wohlstand und Fortschritt.Deutschland kann dabei nicht nur Schritt halten, sondern eine führende Rolle einnehmen. Dafür müssen wir den Wandel entschlossen gestalten und technologische Kompetenzen gezielt stärken. Unser industrielles Erbe ist dabei kein Ballast, sondern ein Wettbewerbsvorteil: Die Verbindung aus industrieller Stärke, wissenschaftlicher Exzellenz und technologischer Innovation kann zu einem neuen Erfolgsmodell werden. Wenn wir diese Chance jetzt mutig nutzen, kann Deutschland wieder zu einem führenden Technologieland werden. So sichern wir langfristig Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und technologische Souveränität – und schaffen die Grundlage für neuen wirtschaftlichen Erfolg und gesellschaftlichen Fortschritt.1,5 Billionen Euro Wertschöpfung möglichAls Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt will ich diese Chance entschlossen ergreifen – mit Forschung, Innovation und technologischer Stärke. Mit der Hightech Agenda Deutschland hat die Bundesregierung bereits im vergangenen Jahr den Kurs definiert, den wir nun konsequent und mit hohem Tempo verfolgen. Im Zentrum stehen sechs prioritäre Schlüsseltechnologien, die entscheidend für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes sind: Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Mikroelektronik, Biotechnologie, Fusion und klimaneutrale Energieerzeugung sowie Technologien für die klimaneutrale Mobilität.Dorothee Bär (CSU), Bundesministerin für Forschung, Technologie und Luft- und Raumfahrt und Bundeskanzler Friedrich Merz (l, CDU) vor dem Modell eines Satelliten der ESA der NASA bei der Vorstellung der „Hightech Agenda Deutschland“.dpaDas wirtschaftliche Potenzial dieser Zukunftsfelder ist gewaltig – bis 2030 könnten hier Wertschöpfungspotenziale von rund 1,7 Billionen Euro entstehen. Für all diese Bereiche legen wir heute technologiespezifische Roadmaps vor – konkrete Fahrpläne mit klaren Zielen und Meilensteinen. Sie sind im engen Dialog mit allen relevanten Partnern entstanden: mit anderen Ressorts und den Ländern ebenso wie mit Akteuren aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Wichtig ist nun, dass alle Partner an einem Strang ziehen. Ziele und Meilensteine können wir nur gemeinsam erreichen, den Fortschritt werden wir regelmäßig analysieren. Zusammen schaffen wir echtes Momentum für mehr Technologie und Innovation in unserem Land.Weltraum gestütztes QuanteninternetDoch wie werden Wirtschaft und Gesellschaft ganz konkret davon profitieren? Ein Blick auf die Quantentechnologien zeigt, welches transformative Potenzial in diesen Zukunftsfeldern steckt. Zukünftig könnten damit Medikamente schneller entwickelt und der Verkehr optimal gesteuert werden. Durch neue Ansätze beim maschinellen Lernen versprechen Quantencomputer zudem einen Boost für KI-Modelle. Bis zum Jahr 2030 wollen wir mindestens zwei fehlerkorrigierte Quantencomputer auf europäischem Spitzenniveau realisieren. Die „Quantum Computing Competition“ ist in vollem Gange. Damit werden wir die zentralen Voraussetzungen für fehlerkorrigierte Quantencomputer schaffen.Und bereits heute werden erste Quantencomputer von Start-ups für unsere Forscher gebaut, zum Beispiel am Leibniz-Rechenzentrum in Garching, am Forschungszentrum Jülich und beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Hamburg und Ulm. Das zeigt, welches Innovationspotenzial in unserem Land vorhanden ist, wenn exzellente Wissenschaft, unternehmerischer Mut und gezielte Förderung zusammenkommen.Das Vorgängermodell des supraleitenden Quantencomputers Euro-Q-Exa, Q-Exa, ist am Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in Garching bei München zu sehen.Foto dpaQuantensensorik ermöglicht neuartige Sensoren mit nie dagewesener Genauigkeit. Wir möchten dafür sorgen, dass mit Quantensensoren Krankheiten wie beispielsweise Krebs schneller erkannt werden können. In der Raumfahrt könnten sie eine Revolution sein: hochpräzise Positionsbestimmung für Navigation auch ohne Satellitensignal, Erdbeobachtung mit nie dagewesener Genauigkeit. Quantenkommunikation ist für eine zukunftsfähige Cybersicherheit im Quantenzeitalter unerlässlich. Nur damit können wir sicherstellen, dass unsere Kommunikation in Zukunft abhörsicher bleibt. Im Rahmen der QuNET-Initiative erproben wir die Leistungsfähigkeit in verschiedenen Anwendungsszenarien. Mit dem Forschungs-Kleinstsatellit QUBE testen wir seit letztem Jahr Quantenkommunikation auch im Weltall. Sein Nachfolger QUBE II geht bald in Betrieb. Das Potential von Quantenkommunikation geht weit über abhörsichere Kommunikation hinaus. Bereits heute arbeiten wir an der Vernetzung von Quantencomputern für ein Quanteninternet der Zukunft.Fusionskraftwerk Made in GermanyQuantentechnologien stehen gerade an der Schwelle zum Megatrend und Deutschland wird mitspielen. Deutsche Industrieunternehmen entwickeln schon heute Quantenanwendungen und unsere deutschen Start-ups finden weltweit Beachtung. Die Investitionen in Quantentechnologie-Start-ups haben sich innerhalb eines Jahres versechsfacht und auch bei uns ist dieser Trend spürbar. Allein im Mai haben zwei deutsche Start-ups jeweils über 50 Millionen Euro Investorengeld eingesammelt. Genau hier setzen wir an, um das Potential noch besser auszuschöpfen. Zusammen mit der Agentur für Sprunginnovationen SPRIND werden wir eine Quantensensorik-Challenge ausrufen und so neue Anwendungen erschließen.In der Schlüsseltechnologie Fusion blickt die Fachwelt bereits heute auf Deutschland. Mit dem Wendelstein 7-X der Max-Planck-Gesellschaft steht der leistungsstärkste Fusionsreaktor seiner Bauart bei uns. Mit dem Aktionsplan Fusion hat die Bundesregierung im letzten Jahr ein klares Ziel gesetzt: das weltweit erste kommerzielle Fusionskraftwerk soll in Deutschland stehen. Allein in dieser Legislatur stellen wir 2,4 Milliarden Euro bereit, um diesem anspruchsvollen Ziel näher zu kommen. Auch in der Fusion haben wir vielversprechende Start-ups und etablierte Unternehmen bringen sich ebenfalls ein um Demonstratoren und Forschungsinfrastruktur aufzubauen. Dazu haben wir stets auch den Brennstoffkreislauf im Blick, wir dürfen keine neuen Abhängigkeiten schaffen. Mit drei Fusions-Hubs wollen wir Kompetenzen bündeln. Wir gehen international voran für die Energieversorgung unserer Zukunft: sauber, sicher und nahezu unerschöpflich.Die Dimension dieser historischen Chance ist klar: Deutschland kann wieder zu einem führenden Technologieland werden. „Made in Germany“ steht weltweit für Qualität, Innovationskraft und Verlässlichkeit – und kann auch den Wohlstand der kommenden Generationen sichern.Doch dafür müssen wir jetzt entschlossen handeln. Entscheidend wird sein, unsere exzellente Forschung noch schneller in Innovationen, neue Technologien, wirtschaftliche Stärke und internationale Wettbewerbsfähigkeit zu übersetzen. Das gelingt nur gemeinsam: Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft müssen an einem Strang ziehen. Die Hightech Agenda Deutschland weist dafür den konkreten Weg. Sie verbindet technologische Ambition mit klaren Prioritäten und einem gemeinsamen Verständnis von Fortschritt. Die Hightech Agenda Deutschland weist uns dafür den konkreten Weg in eine innovative, wettbewerbsfähige und technologisch souveräne Zukunft.