Prodromos Tsinikoris inszenierte und performte eindrücklich in Weimar das Doku-Theater-Stück „96 %“ über Thessaloniki seit der deutschen Besatzung.
V. l. n. r.: Panagiotis Manouilidis, Prodromos Tsinikoris, Alexandra Chatzopoulou-Saias und Natassa Daliaka in „96 %“
Thomas Müller
Der Sohn griechischer Arbeitsmigrant:innen, Prodromos Tsinikoris, wurde 1981 in Wuppertal geboren. Dort betrieben seine Eltern ein Restaurant. Stammkunde dort war auch Onkel Willy. Ein Ex-Nazi: so wie alle damals, wie Tsinikoris auf der Bühne der Weimarer Redoute am Samstagabend erzählt. Onkel Willy war immer nett zu Tsinikoris, er war während des Zweiten Weltkriegs in Griechenland stationiert gewesen, hatte sich in eine Griechin verliebt, doch war nie wieder dorthin zurückgekehrt. Er könne nicht, es sei zu schlimm gewesen, was sie dort angerichtet hätten.
Ansonsten redete Onkel Willy nicht viel über den Krieg, doch er gab dem jungen Tsinikoris einen Rat, den „besten – schlechtesten Ratschlag, den ich je bekommen habe: Du musst nicht vieles im Leben wissen, Promdromos. Nur zwei Dinge: Worin du gut bist und worin du scheiße bist.“ Mit dem Schlechten müsse man aufhören und dafür im Guten noch besser werden. Damals, berichtet Prodromos Tsinikoris, der nicht nur Regisseur, sondern auch Performer des Doku-Theaterstücks „96 %“ ist, wollte er also der beste griechische Junge überhaupt werden: denn zu den Deutschen in der Schule gehörte er nie so richtig dazu.







