Gibt es ein Wettrennen unter den Anbietern autonomer Taxis in Deutschland, oder warum kündigen sich gerade überall Flotten selbstfahrender Autos an? Sie heißen Kira, Moia oder Waymo. Manche kommen in blütenreinem Unschuldsweiß daher. Das kann kein Zufall sein. Weiß ist die Farbe, die am wenigsten Angst macht. Kein Mensch würde ja freiwillig in ein fahrerloses Taxi steigen, das aussieht wie ein schwarzer Lieferwagen. Dafür haben wir zu viele Science-Fiction-Filme gesehen.Was 2027 in München starten soll, ist in den USA schon etabliert. Natürlich erschrickt man, wenn man zum ersten Mal in Los Angeles oder San Francisco ein Auto ohne Fahrer hinterm Steuer sieht. Das kann nicht gut gehen, denkt man unwillkürlich, woher soll der Wagen denn auch wissen, wann ein Fußgänger die Straße überquert und was mit dem Lieferwagen ist, der da halb auf dem Gehweg steht? Doch auf den Schrecken am ersten Tag folgt die Neugier am nächsten, und am dritten bucht man ein fahrerloses Taxi mit der App.München als Härtetest für Deutschland?Schon beim Einsteigen umgarnt es einen wie die Schlange Kaa im „Dschungelbuch“ den jungen Mogli. Da wundert man sich folglich kaum noch, wenn der Wagen plötzlich in einer digitalen Schleife festhängt und den Ausweg aus dem Kreisverkehr nicht mehr findet. Bitte bleiben Sie entspannt, flötet die Stimme, was leicht gesagt ist von einem, der keinen Puls hat. Geht deshalb die Alphabet-Tochter Waymo für ihre Deutschlandpremiere Ende 2027 nach München: weil eine KI, die den Englischen Garten, den Mittleren Ring und die Heerscharen von SUV überlebt, bereit ist für den Rest des Landes?Berlin wäre jedenfalls zu einfach. Da fährt man dreißig Minuten geradeaus und wartet dann genauso lang im Stau an der nächsten Baustelle. Und in Frankfurt würde sich das Robotaxi nach drei Tagen einen Kredit bei der Bank aufnehmen und ins Controlling wechseln.Doch wie soll man Vertrauen zu etwas entwickeln, das selbst kein Vertrauen empfinden kann? Ein Taxi ohne Taxifahrer, das ist wie ein Hund ohne Herrchen. Es weiß, wohin es soll, aber man fragt sich, wer hier eigentlich auf wen aufpasst. Die Maschine kann nicht nervös werden, wenn man selbst es ist. Sie kann nur bremsen, beschleunigen und den Fahrgast mit ihrer KI-Stimme beruhigen, die wie eine Meditationslehrerin klingt.Und doch haben wir uns schon an so vieles gewöhnt. Die Kasse ohne Kassierer im Supermarkt galt einst als Angriff auf die Zivilisation. Heute scannen wir dort unsere Avocado so selbstverständlich ein, wie wir am Telefon die „Eins“ drücken, nur weil ein Algorithmus uns dazu auffordert.Wir bleiben auch in Warteschleifen, in denen uns versichert wird, wie wichtig unser Anruf sei, während uns seit zweiundvierzig Minuten das Gegenteil bewiesen wird. Auch im Fall des autonomen Autos geht es am Ende nicht um Vertrauen, sondern darum, dass wir lernen müssen, ihm zu misstrauen, und zwar im richtigen Moment.
Angsteinflößend: Autonome Taxis bald schon in Deutschland
Autonome Taxis sollen nun auch Deutschlands Straßen erobern, zuerst in München: Der Wagen fährt von allein, doch die Angst wird zunächst mit im Auto sitzen.







