Je länger Robin Koch darüber nachdachte, was hinter ihnen lag, umso schwerer fiel es dem Kapitän der Eintracht, durchweg Worte zu finden, die analytisch klangen. Es war ein aufregender Nachmittag, der emotional nachwirkte. Er und seine Frankfurter Kollegen waren für ihr Tun in Köpenick mit einem Punkt bedacht worden. Doch das war nichts, was Koch zufriedenstellte.Stattdessen lenkte er bei seinem Fazit des Resultats in der Alten Försterei den Blick auf die verpasste Chance, mehr als ein 3:3 zu erreichen. Der 30-Jährige sprach unbeabsichtigt davon, dass sie verloren und eine Niederlage zu beklagen hätten – und seine Versprecher illustrierten die Gefühlslage bestens. Mitte der zweiten Halbzeit hatten sie – durch drei Treffer von Stürmer Younes Ebnoutalib (10., 11., 67. Minute) – 3:1 vorne gelegen, zogen sich aber immer „tiefer und tiefer zurück“, wie Koch konstatierte, und lieferten den Berlinern eine „optimale“ Vorlage, wie sie in den Kopf doch noch aus der Schlinge ziehen konnten.Fehlende Stressresilienz„Ein Stück Abgeklärtheit“ habe gefehlt, befand der Abwehrboss – und schob einen Erklärungsansatz hinterher, wie es zum fatalen Energieverlust gegen Union kommen konnte. „Die drei Jungs neben mir“, sagte Koch über die Bundesliga-Debütanten Keita Kosugi und Jeremiaha Maluze sowie den bislang nur während seiner Leihe nach Elversberg in der zweiten Liga überzeugenden Elias Baum, die mit ihm die zunehmend löchrige Viererkette bildeten, „haben zusammen fünf Bundesliga-Spiele bestritten.“In der Mischung aus Unerfahrenheit und mangelnder Stressresilienz sah auch Adi Hütter die Hauptursache, warum nach zielstrebigem Beginn das Unheil nicht abgewendet werden konnte. Der Trainer brachte mit dem 18 Jahre alten Malik Pimpong, dem gleichaltrigen Love Arrhov, dem 21 Jahre alten Oscar Höjlund und dem erst Anfang des Monats verpflichteten Otávio (20 Jahre) ein Quartett in der Absicht, damit das hektische Treiben beruhigen zu können.Der Kader soll sich noch verändernDoch es wurde – wie bereits in der Vorbereitung – sichtbar, dass die Eintracht-Youngster Talent mitbringen, aber den Nachweis schuldig sind, dauerhaft auf erstklassigem Niveau mithalten zu können. „Union hat uns fast erdrückt“, räumte der Österreicher ein, urteilte ansonsten aber (coram publico) milde über die Rookies: „Sie brauchen Zeit.“Intern, so ist es verbrieft, hat Hütter deutlich gemacht, dass er sich für seine Fußball-Ideen ein anderes Qualitätsniveau vorstellt und die Auswahl, so wie sie sich darstellt, nicht mit den Plänen korrespondiert, die ihm im Zuge der Comeback-Gespräche von Markus Krösche skizziert wurden. „Es fehlt sicher noch etwas“, sagte Hütter vor dem Heimflug aus der Hauptstadt. Allen sei „bewusst, dass wir noch das ein oder andere tun müssen“.Brassier befindet sich im AnflugNach Informationen der F.A.Z. steht die Verpflichtung von Lilian Brassier bevor. Die Eintracht verständigte sich mit Stade Rennes über die Konditionen eines Wechsels des Franzosen. Als Ablöse-Sockelbetrag ist eine hohe einstellige Millionensumme vorgesehen, auf den durch mögliche Erfolgs-Nachzahlungen möglich sind. Der 26 Jahre alte Verteidiger wird zu Beginn dieser Woche in Frankfurt zur Vorstellung erwartet; am Dienstag schließt um 20 Uhr das Bundesliga-Transferfenster für diesen Sommer.Abwehr-Zugang für die Eintracht: Lilian Brassier (in rot).AFPDarüber hinaus soll ein Offensivmann geholt werden, um über eine Alternative zu Jonathan Burkardt und Ebnoutalib zu verfügen, die im Frühjahr wegen Blessuren länger pausieren mussten. Getrennt haben sich die Frankfurter am Samstagabend von Keeper Michael Zetterer (zu Leeds United) und am Sonntagmorgen von Arthur Theate. Der Belgier schließt sich dem FC Bologna an. In seinem ersten Jahr im SGE-Trikot gehörte er zu den Defensivstützen, die zum Erreichen der Champions League beitrugen. In den vergangenen zwölf Monaten verscherzte er es sich durch seine Egozentrik mit den Mitspielern. Auch Hütter gewann die Überzeugung, dass es besser ist, wenn sich die Wege trennen. Die Italiener leihen Theate bis Sommer 2027 aus und sicherten sich eine Kaufoption.Krösche lässt „Bild“-Bericht unkommentiertAuch bei Jean-Matteo Bahoya stehen die Zeichen auf Abschied. Er hat das gesteigerte Interesse von Hull City geweckt, das den 21-Jährigen gerne engagieren würde, aber noch auf sein Jawort wartet. Die Eintracht signalisierte den Engländern ihre Bereitschaft, den Flügelspieler abzugeben. Das Gleiche gilt für Ritsu Doan, sofern auch in seinem Fall die Konditionen stimmen. Der Japaner steht bei Klubs aus Saudi-Arabien auf dem Wunschzettel. „Ein bisschen was wird noch passieren“, kündigte Krösche an und verwies auf seine Vorliebe, am „Deadline-Day“ zuzuschlagen: „Ihr kennt mich.“Schweigsamer verhielt sich der Sportvorstand zu den Spekulationen, an diesem Mittwoch könne die Sitzung des Aufsichtsrats sein Ende als Sportvorstand der Eintracht einläuten, so wie es zunächst die „Bild“-Zeitung berichtet hatte: „Wir sprechen heute über Fußball. Das ist das Wichtigste. Und wir werden auch nächste Woche über Fußball sprechen. Von daher lasst es uns beim Fußball belassen.“ Auf die im Bericht insinuierte gestörte Zusammenarbeit mit Krösche reagierte Hütter nach der Union-Partie zurückhaltend: „Ich habe es heute gelesen“, sagte der Coach. Für eine ausführliche Einordnung sei jedoch nicht der richtige Zeitpunkt, schließlich ärgere er sich gerade mehr über das Ergebnis. Dann fügte er hinzu: „Wir haben ein sehr ordentliches Verhältnis.“Deeskalierend klang Mathias Beck, der Präsident und Aufsichtsratsvorsitzende, der in Berlin vor Ort war. Die Sitzung des Kontrollgremiums sei „eine lange geplante“ und „turnusmäßige“ Zusammenkunft. „Selbstverständlich wird es um alle Themen des Sommers, auch um die sportlichen, gehen.“ Berichte zu Krösche werde er öffentlich nicht kommentieren: „Fakt ist, er hat einen Vertrag bis 2028, sich vor zwei Monaten klar zu Eintracht Frankfurt bekannt und befindet sich mit seinem Team auf der Zielgeraden des Transferfensters.“ Es bestehe, sagte Beck, „kein Anlass, über die Zukunft von Markus Krösche zu spekulieren“. Die nächste Szene dieser Angelegenheit wird in Frankfurt hinter verschlossenen Türen stattfinden.
Eintracht Frankfurt: Lehren aus dem 3:3 bei Union Berlin
Ein Verteidiger ist noch nicht da, die Gegentore fallen wie im Frühjahr: Die Eintracht hat ihre Sorgen mit in die neue Saison genommen. Was unternimmt Krösche?








