Die TorhüterAlle Augen auf Noah Atubolu! Die neue „klare Nummer eins“, wie Eintracht-Trainer Adi Hütter am Donnerstag seinen Zugang adelte. Wenn der neue Torhüter buchstäblich hält, was er verspricht, sind die Frankfurter zwischen den Pfosten viele Sorgen los. Von seiner Bedeutung her ist der 24-Jährige zum jetzigen Stand der Königstransfer der am kommenden Dienstag zu Ende gehenden Transferperiode.Seine beim SC Freiburg gezeigten Fähigkeiten in 125 Pflichtspielen haben den ambitionierten Atubolu in den erweiterten Kreis der Nationalmannschaft geführt. Eintracht-Trainer Adi Hütter lobt dessen „viele Stärken“: seine „außergewöhnliche“ Dynamik, auf der Linie sei Atubolu „sehr schnellkräftig“, sagt der Fußballlehrer, und auch mit dem Ball am Fuß hält er ihn für „gut“. Kurzum: „Noah ist ein aufstrebender junger Tormann.“Der Frankfurter Königstransfer: Torhüter Atubolu kommt vom SC Freiburg.dpaDessen großer Karrierewunsch in diesem Sommer aber nicht in Erfüllung gegangen ist, denn ein Wechsel in die Premier League kam nicht zustande. Wenn man so will, verzockte sich der geborene Freiburger gehörig. Vor ein paar Monaten wäre die Eintracht sportlich noch nicht der Königsweg für den 1,90 Meter großen Atubolu gewesen. Insofern wird es interessant sein zu sehen, wie er jetzt mental mit der Situation umgeht.Im Torhüter-Ranking zurückgefallen zu sein, ist für die Karriere von Kaua Santos ein großer Rückschlag. Hütter sieht in dem 22 Jahre alten Brasilianer trotz dessen Talents einen zu fehleranfälligen Schlussmann ohne Perspektive zur absoluten Stammkraft. Im Hinblick auf sein Fortkommen müsste Santos die Eintracht daher eigentlich verlassen. Und Michael Zetterer? Der 31-Jährige, der vor einem Wechsel zu Leeds United steht, war nach dem ersten Eindruck von Hütter offenbar keine Option für ihn als Nummer eins. Die heißt jetzt Noah Atubolu. Und der könnte wirklich eine 1-A-Lösung sein.Die Abwehr„Denk ich an die Abwehr in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.“ Auf diese Zeile könnte der große Dichter Heinrich Heine kommen, wäre er noch auf der Welt und Eintracht-Fan. Nathaniel Brown, Rasmus Kristensen und Aurèle Amenda, Profis zwischen internationaler und solider Bundesligaklasse, haben den Klub verlassen, die drei Eleven Baum, Kosugi und Otávio sollen ihre Rollen übernehmen.Ein Plan mit beunruhigendem Risikofaktor. Es soll zwar bis Dienstag noch ein erfahrener Innenverteidiger geholt werden, aber auch der muss sich am Main erst einmal einfinden. Dass Nnamdi Collins von einer langwierigen Verletzung geplagt wird, macht die Lage nicht einfacher, dass Mannschaftskapitän Robin Koch zumindest bei der 0:7-Schlappe im Test gegen Brentford nicht den Hauch von Sicherheit ausstrahlte, auch nicht.Einer der neuen Abwehrmänner: der Brasilianer Otavio (links)dpaAber wer wird denn schwarzmalen? Schlimmer als im vergangenen Januar, als in sieben Pflichtspielen 20 Gegentore fielen, kann es auch nicht werden. Und damals waren alle Abwehrspieler einsatzfähig, inklusive Arthur Theate, der mittlerweile ausgemustert ist, obwohl er noch einen gültigen Vertrag besitzt und mit seiner Erfahrung hilfreich sein könnte.Auf dem Papier wirkt die neue Abwehr deutlich schwächer als die alte, in der Realität muss das nicht so sein. Die mentale Komponente ist nicht zu unterschätzen. Der neue Trainer Adi Hütter vermittelt den Verteidigern mehr Klarheit und Sicherheit, als es Interimstrainer Dennis Schmitt und Versuchsballon Albert Riera möglich war. Allein das kann zu größerer Stabilität führen.Das MittelfeldIn dieser Region hat sich die Eintracht signifikant verbessert. Noch haben Raphael Onyedika und Noël Aséko nicht nachgewiesen, ob sie ihre Fähigkeiten auch in der höchsten deutschen Spielklasse durchsetzen können, beide absolvierten noch kein Bundesligaspiel. Aber ihre Vorleistungen lassen die Wahrscheinlichkeit sehr hoch erscheinen.Vor allem bringen beide deutlich mehr Tempo ins Spiel, als es ihren Vorgängern Ellyes Skhiri und Mahmoud Dahoud möglich war. Von der Schnelligkeit der Neuen werden auch ihre Nebenleute im zentralen Mittelfeld profitieren, von denen keiner ein Sprintertyp ist und lediglich Oscar Højlund mit einer überdurchschnittlichen Dynamik Fußball spielt. Es ist zu erwarten, dass das Pressing der Eintracht im Mittelfeld druckvoller wird und dass es im Block leichter fallen wird, die Räume im Mittelfeld zu verdichten.Sechser mit Champions-League-Erfahrung: Raphael Onyedika, hier im Trikot von Brügge.dpaIn welcher Kombination Hütter die Spielfeldmitte besetzen wird, ist noch weitgehend offen. Der Österreicher hat die Qual der Wahl: „Ich habe alle möglichen Spielerprofile zur Verfügung, um jedem Gegnerprofil zu begegnen“, drückt der Eintracht-Trainer seine Zufriedenheit aus. Onyedika, von Club Brügge verpflichteter nigerianischer Nationalspieler, ist als klassischer „Sechser“ zum Saisonstart bei ihm gesetzt, um ihn herum sind viele, man kann auch sagen, zu viele Konstellationen möglich. „Ich hätte lieber im Mittelfeld einen oder zwei Spieler weniger im Kader, dafür an anderen Stellen einen mehr“, sagt Hütter.Der SturmNoch hat Sportvorstand Markus Krösche nicht Ja gesagt. Aber die Richtung ist vorgegeben: Es soll in den kommenden Tagen noch ein neuer Topstürmer nach Frankfurt kommen. „Und wenn wir dann noch ein bisschen Kleingeld haben und wir vorne was machen können, da wird der Trainer nicht Nein sagen.“ Adi Hütter schmunzelte, als er das sagte.Aber dem Österreicher dürfte nicht zum Lachen zumute sein. Denn dafür ist die Lage im Angriff zu ernst. Das zeigte sich schon vor dem ersten Spieltag. Weil der Stürmer Nummer eins, Jonathan Burkardt, zu Beginn der Woche krank war, musste der Trainer um dessen Einsatzfähigkeit für die Begegnung in Berlin bangen. Als Mittelstürmer hätte dann nur der vergleichsweise unerfahrene Younes Ebnoutalib zur Verfügung gestanden. Für Adi Hütter alles andere als eine ideale (Ausgangs-)Situation.Deshalb würde die Eintracht wohl am liebsten Arnaud Kalimuendo abermals an sich binden. Und der 24 Jahre alte Offensivspieler soll schon Zeichen gegeben haben, dass er gerne an den Main zurückkehren würde. Ausgerechnet der ehemalige Eintracht-Trainer Oliver Glasner, heute in Diensten von Nottingham Forest, muss Kalimuendo aber die Freigabe für Frankfurt erteilen. Aufgrund der aktuell beschränkten finanziellen Möglichkeiten – Kalimuendo hat einen Marktwert von geschätzt 25 Millionen Euro – käme vermutlich nur ein Leihgeschäft für die Eintracht infrage.Vorrang hatte bei den Frankfurtern die Verpflichtung eines neuen Torhüters und eines Innenverteidigers, der bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht gefunden war. Allein schon wegen der bisherigen Verletzungsanfälligkeit von Burkardt ist eine Verstärkung im Sturm dringend geboten. Aber ja: Ein abschließendes Nein zu einem torgefährlichen Zugang wäre ein großes Risiko für die Eintracht.Der TrainerGanz viele Hoffnungen im Verein und unter den Fans verbinden sich mit dem neuen Trainer Adi Hütter. Der Österreicher soll richten, was aus dem Lot gelaufen ist – erst bei Dino Toppmöller, der nach gutem Saisonstart die Mannschaft verlor, dann unter Interimstrainer Dennis Schmitt und seinem Partner Alex Meier, die nie richtig Zugriff auf das Team hatten, und dann bei Albert Riera, der das kurzzeitig erworbene Vertrauen seiner Profis mit seinem nicht nachvollziehbaren Verhalten mutwillig zerstörte.Hütter ist ausgeruhter und widerstandsfähiger, als es Toppmöller zuletzt war, nach Frankfurt gekommen, mit mehr Erfahrung und Kompetenz ausgestattet als Schmitt und Meier und menschlich um Galaxien reifer als Riera. Gute Voraussetzungen, um die Hoffnungen zu erfüllen.Aber auch der 56 Jahre alte Fußballlehrer kann kein Gras aus den Füßen seiner Spieler wachsen lassen. Der Kader ist (noch) nicht so zusammengesetzt, dass Platz sechs in der Bundesliga und damit die Rückkehr nach Europa unter allen Umständen seinem Potential entspräche. Das ausgegebene Saisonziel liegt in Reichweite, um es wirklich zu erfüllen, muss einiges zusammenlaufen und die Konkurrenz ein bisschen mitspielen.Hütter hat während der Vorbereitung einiges mit der Mannschaft erarbeitet, Intensität, Fitness, Laufstärke und Pressingverhalten sind verbessert, was nach einigen erfolgreichen Tests großen Optimismus auslöste. Dann kam das 0:7 gegen Brentford, in dem sich die Dämonen der vergangenen Saison wieder zeigten. Die Erkenntnis: Mit Hütter ist die Eintracht nicht mehr am Schwimmen, aber richtig Boden unter den Füßen hat sie noch nicht. Die Stimmung schwankt zwischen bang und erwartungsfroh.
Eintracht Frankfurt: Zwischen Hoffen und Bangen
An diesem Samstag startet die Eintracht bei Union Berlin in die neue Bundesligasaison. Ziel ist die Rückkehr ins europäische Fußballgeschäft. Aber sind die Frankfurter stärker als in der Vorsaison?









