Als Adi Hütter auf der Pressekonferenz anlässlich seiner Vertragsunterschrift bei der Frankfurter Eintracht Anfang Juni die Hoffnung äußerte, vor dem ersten Bundesligaspieltag seinen Kader weitgehend beisammenzuhaben, hatte er schon den Verdacht, dass dies schwierig werden könnte. Bis zu 35 Transfers wurden für den Sommer prognostiziert. Dass er kurz vor dem Anstoß am Samstag um 15.30 Uhr in Köpenick gegen Union Berlin so weit davon entfernt sein würde, ein eingespieltes Team zur Verfügung zu haben, hätte sich der 56 Jahre alte Österreicher jedoch nicht träumen lassen.48 Stunden vor dem Erstligastart drehten sich die ersten Fragen in der Medienrunde darum, wer in Köpenick zwischen den Frankfurter Pfosten stehen würde. Hütter wusste es zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit Sicherheit zu sagen. „Die Tinte ist noch nicht trocken.“ Aber auch wenn es mit einem Einsatz in Köpenick noch nichts werden sollte, bestätigte der Frankfurter Trainer den Freiburger Noah Atubolu immerhin als neue Nummer eins der Eintracht. „Wir haben Noah nicht geholt, um ihn zur Nummer zwei zu machen.“ Ob der 23 Jahre alte deutsche Junioren-Nationalspieler schon am ersten Spieltag seine Rolle einnehmen wird, machte Hütter von den Gesprächen mit dem Spieler und Torwarttrainer Jan Zimmermann abhängig.Während Hütter auf dem Podium im Proficamp saß, absolvierte sein neuer Torwart den Medizintest. Zuvor hatten Atubolus Vertragssituation und die unübersichtliche Transferlage der Eintracht die Verhandlungen kompliziert, obwohl Frankfurt den Freiburger schon seit Tagen unbedingt wollte und es den Freiburger stark nach Frankfurt zog.Da sich einige angestrebte Spielerverkäufe für die Eintracht bisher nicht realisieren ließen, kann sich der Klub im Moment Atubolu nur auf Leihbasis leisten. Da dessen Vertrag mit den Breisgauern aber im Juni 2027 ausläuft, musste dieser Kontrakt zunächst verlängert werden, um die Regeln des DFB für eine Leihe zu erfüllen. Das geschah am Mittwoch, nachdem sich die Hoffnungen der Freiburger zerschlagen hatten, einen anderen Verein für Atubolu zu finden, der eine hohe Ablösesumme zu zahlen bereit ist.Der Kompromiss sieht nun so aus, dass die Frankfurter Leihe mit einer Kaufverpflichtung im nächsten Jahr verknüpft wird. Die soll bei 13 Millionen Euro liegen. Das ist deutlich unter dem derzeitigen Marktwert von Atubolu, der zwischen 20 und 25 Millionen Euro geschätzt wird. Andererseits hätte der Torwart 2027 ohne die Eintracht-Lösung (inklusive Vertragsverlängerung) ablösefrei gehen können. Inklusive Leihgebühr fließen circa 15 Millionen Euro von Frankfurt nach Freiburg.Adi Hütter: „Kauã hat uns in Zweifel gebracht“Hütter gab offen zu, dass das 0:7 gegen Brentford der ausschlaggebende Punkt für die Torwartsuche war. „Ich habe mir schon Gedanken über unsere Torwartsituation gemacht, bevor ich in Frankfurt ankam. Aber ich wollte jedem die Gelegenheit geben, sich zu zeigen“, sagte der Österreicher. „Kauã hat uns in Zweifel gebracht.“ Der Brasilianer sei natürlich nicht erfreut über die Entscheidung gewesen, habe sie aber professionell aufgenommen. Ob Kauã Santos als Nummer zwei gegen Union Berlin auf der Bank sitzt oder Michael Zetterer oder ob einer von beiden sogar spielt, ließ Hütter offen: „Ich werde keine Informationen dazu geben, bevor ich nicht die Mannschaft informiert habe, wir haben am Freitag das Abschlusstraining.“Mit der Verpflichtung Atubolos sind längst nicht alle Baustellen der Eintracht geschlossen: „Genauso wichtig ist noch ein neuer Innenverteidiger“, bekannte Hütter. Und auch ein weiterer Stürmer wäre wichtig. Wenn Jonathan Burkardt ausfällt, gibt es derzeit keine „Spitzen-Alternative“ mit Bundesligaerfahrung in vorderster Linie, sondern nur Lösungen mit „falschen“ Neunern. Und Burkardts Körper gilt als überdurchschnittlich anfällig. Während seiner Karriere fiel er häufiger wegen Verletzungen und Krankheiten aus. Zu Wochenbeginn plagte ihn eine Grippe, der Eintracht-Trainer geht aber davon aus, dass sein Torgarant gegen Union dabei sein wird.Dafür verzichtet Hütter aus Sicherheitsgründen auf Doan und Larsson, die schon im Pokal gegen St. Tönies angeschlagen fehlten. Und da sich auch Knauff wegen Oberschenkelbeschwerden abmelden musste, wird die Eintracht mit einer Startelf die Saison beginnen, auf die vor wenigen Wochen wohl niemand gekommen wäre. Mit drei Bundesliga-unerfahrenen Profis in der Viererkette (Baum, Otávio, Kosugi), mit Liga-Neuling Onyedika im Mittelfeld und mit den Offensivkräften Ebnoutalib und Amaimouni, die deutlich mehr Einsatzzeit im Amateurbereich sammelten als im erstklassigen Profifußball.Hütter ließ sich am Donnerstag nicht den Hauch von Unsicherheit anmerken, er habe kein schlechtes Gefühl zum Saisonstart: „Vielleicht sind wir nicht top, top, top vorbereitet. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir in der Lage sind, unsere Spiele zu gewinnen. Ich sehe, dass die Mannschaft extrem bemüht ist, das umzusetzen, was wir spielen wollen.“Gegen Union gehe es immer darum, deren Spiel anzunehmen, das auf Physis und Dynamik beruhe: „Wenn wir das tun, werden sich uns Möglichkeiten bieten. Wenn nicht, wird es unangenehm werden.“
Noah Atubolu ist die neue Nummer eins bei Eintracht Frankfurt
Nach komplizierten Verhandlungen mit dem SC Freiburg verpflichten die Frankfurter Torhüter Noah Atubolu auf Leihbasis mit Kaufverpflichtung. Spannend bleibt die Frage nach dessen künftigem Stellvertreter.










