Am Samstagabend wurde im Dortmunder Fußballstadion Sirtaki gespielt. In der Pause der Partie gegen den Hamburger SV flippten die Menschen auf der Tribüne dabei geradezu aus. Griechische Tänze spielen sie bei Borussia Dortmund normalerweise nicht, jedenfalls nicht bisher, denn in der 60-jährigen Bundesliga-Historie dieses Klubs war bislang erst ein Grieche vorgekommen: ein Innenverteidiger namens Sokratis Papastathopoulos, der zwischen 2013 und 2018 vor allem Gegentore verhindern half.Neuerdings aber schmücken den BVB gleich zwei junge dribbelstarke Griechen, die selbst Tore schießen und vorbereiten: der 23 Jahre alte Giannis Konstantelias und der 18 Jahre alte Konstantinos Karetsas. Dass beim 2:0 am Samstagabend im ersten Saisonspiel gegen den HSV Karetsas das 1:0 durch Serhou Guirassy (9.) vorbereitete und dass Konstantelias das 2:0 selbst erzielte (45+1.), war ein schwarz-gelber Hellas-Traum. Auf der Tribüne wurden blau-weiße Griechenland-Fahnen geschwenkt. Der Sirtaki dröhnte aus den Boxen. Doch urplötzlich verwandelte sich im größten deutschen Freilufttheater, dem 80 000-Zuschauer-Stadion im Dortmunder Süden, diese griechische Komödie in eine griechische Tragödie.FC Bayern beim 5:1 gegen Stuttgart:Mutig kopiert ist schon verlorenWie macht er das bloß? Trainer Vincent Kompany gelingt es immer wieder, seine hoch überlegene Mannschaft zu motivieren. Der VfB Stuttgart versucht, die Bayern zum Saisonstart mit gleichen Waffen zu schlagen – vergeblich.In der 51. Minute verdrehte sich Konstantelias bei dem Versuch, einem Gegenspieler den Ball abzuluchsen, das Knie. Er griff sich erschrocken an selbiges, legte sich auf den Rasen und verdeckte sein Gesicht mit beiden Händen. Das verhieß nichts Gutes. Konstantelias humpelte nach dreiminütiger Behandlung zwar noch selbst vom Platz, konnte aber nicht mehr weiterspielen und machte ein sehr ängstliches Gesicht.Die beiden jungen Griechen stellen in diesem Sommer eine erhebliche Investition für Borussia Dortmund dar. Für Karetsas überweist der Klub dem Vernehmen nach 30 Millionen Euro an den belgischen Erstligisten KRC Genk. Für Konstantelias gehen demnach 26 Millionen Euro an den griechischen Erstligisten Paok Saloniki.Es ist der erste Transfersommer für den neuen BVB-Sportdirektor Ole Book, der zuvor bei der SV Elversberg zuverlässig seine Transfertreffsicherheit bewiesen hatte. Auch am Samstagabend beim Bundesliga-Saisonstart gegen den HSV schien sich bereits zu bewahrheiten, dass Book und der BVB mit den beiden Griechen einen fabelhaften Griff getan hatten. Doch dann griff sich Konstantelias ans Knie.„Wir hoffen das Beste, befürchten aber das Schlimmste“, sagt BVB-Sportgeschäftsführer Lars RickenAm Sonntag stand für den jungen Griechen, dessen Familie eigens zum Spiel ins Dortmunder Stadion gekommen war und das Unglück mit eigenen Augen hatte ansehen müssen, eine Untersuchung im Krankenhaus an. Bis zum Nachmittag gab es aus Dortmund noch keine öffentliche Diagnose. Aber bereits am Samstagabend hatten die Befürchtungen der Dortmunder Verantwortlichen sehr düster geklungen.„Wir haben große Sorge vor einer schweren Verletzung“, sagte Book. Der Begriff Kreuzbandriss geisterte durchs Stadion. Bei einer solchen Verletzung beträgt die Ausfallzeit oft mindestens sechs Monate – bis zu neun Monaten. Die Saison wäre für Konstantelias weitgehend vorbei. „Seine Auswechslung macht mich traurig“, sagte kurz nach dem Spiel der Trainer Niko Kovac. Er geht mit der internen und öffentlichen Erwartung von schnellerem, spektakulärerem und erfolgreicherem Fußball in die neue Saison, und bei diesem Vorhaben waren für das griechische Zauberduo Hauptrollen vorgesehen.„Wir hoffen das Beste, befürchten aber das Schlimmste“, sagte noch am Samstagabend im Stadion der BVB-Sportgeschäftsführer Lars Ricken. Am kommenden Dienstag schließt die Sommer-Transferperiode. Bis zu jenem Tag dürfen Transfers vorgenommen werden. Und so hätte der BVB sogar die Möglichkeit, auf einen möglichen Konstantelias-Ausfall noch einmal mit einem zusätzlichen Transfer zu reagieren. „Wir haben uns die nächsten drei Tage zumindest nichts vorgenommen“, sagte Ricken und wollte damit andeuten, dass man zumindest darüber nachdächte, auf dem Transfermarkt kurzfristig noch einmal aktiv zu werden. „Wir müssten uns Gedanken machen“, sagte der Trainer Kovac. „Wir müssten schauen, was dann noch möglich wäre; ob wir etwas machen würden, wissen wir nicht, aber wir würden zumindest darüber nachdenken, das ist mal klar.“Und so zeigte der Dortmunder 2:0-Sieg zum Auftakt, eigentlich ein Anlass der Freude, ein paar feine Risse. Der 18 Jahre junge italienische Stürmer Samuele Inácio, in der 74. Minute für den Griechen Karetsas eingewechselt, leistete sich nur drei Minuten später eine grobe Grätsche, für die er die rote Karte erhielt. Beim Gang in die Kabine filmte ihn eine TV-Kamera, wie er eine Wasserflasche gegen ein BVB-Wappen an der Wand schleuderte. Der Trainer Kovac berichtete, wie er Inácio weinend in der Kabine vorfand. Nach einem Platzverweis samt zwei Spielen Pokalsperre für Linksaußen Ramy Bensebaini im Supercup gegen Bayern München war die rote Karte für Inácio bereits der zweite Platzverweis.Am Dienstag spielt der BVB sein DFB-Pokal-Erstrundenspiel beim Fünftligisten HEBC Hamburg (20.45 Uhr, RTL), nächsten Samstag gastiert er in der Bundesliga bei der TSG Hoffenheim und drei Tage später empfängt er zum ersten Champions-League-Spiel den FC Villarreal. Die Saison eröffnet sofort mit hoher Frequenz.
Bundesliga: Dortmunds griechische Tragödie um Konstantelias
Die Sorge um den wohl schwer verletzten Giannis Konstantelias trübt die Freude beim BVB. Womöglich muss sich der Klub noch einmal auf den Transfermarkt begeben.












