Die Kommunalwahlen in Niedersachsen finden wenig Beachtung. Dabei zeigen sie viel. Betrachtungen aus einer Stadt, in der die AfD nicht das größte Problem ist.
Das kannst du doch alles keinem mehr erklären“, schimpft die ältere Genossin und zerrt energisch an dem widerspenstigen SPD-Sonnenschirm, der sich nicht öffnen will. „Man müsste sich einfach mal wieder um die wirklichen Probleme kümmern.“
Aber nein, wehrt sie dann gleich erschrocken ab, namentlich zitieren lassen möchte sie sich damit nicht. Was die wirklichen Probleme sind, sagt sie auch nicht. Aber was sie für schwer erklärbar hält, wird schon klar: Dass hier alles auf ein Duell zwischen der SPD und den Grünen zuläuft.
Überall sonst starrt man auf die AfD, redet von der letzten Patrone der Demokratie und so weiter. In Hannover wird am 13. November ein neues Kommunalparlament und ein neuer Oberbürgermeister gewählt – wobei der aller Voraussicht nach wohl erst nach der Stichwahl am 27. September feststeht. Der amtierende Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) kämpft um seine Wiederwahl, aussichtsreichster Gegenkandidat ist sein bisheriger Kämmerer Axel von der Ohe (SPD).
Das ist auch deshalb ein bisschen bizarr, weil Hannover lange als natürliches Habitat von Rot-Grün galt. Ab den späten 1980er Jahren waren die Grünen eigentlich immer mit im Boot, davor hat die SPD, die hier als Bundespartei nach dem Zweiten Weltkrieg wiederauferstanden ist, die Stadt allein regiert. 73 Jahre lang stellte sie den Oberbürgermeister. Bis ihr die sogenannte Rathausaffäre um unzulässige Zulagen, die der damalige Oberbürgermeister Stefan Schostok für zwei seiner Spitzenbeamten genehmigt hatte, das Genick brach.










