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Wirtschaft von oben

Eines von vielen Arealen für Rechenzentren im Frankfurter Raum. Foto: LiveEO/Airbus/Pleiades Wirtschaft von oben #419 – Heimische Rechenzentren: KI-Bauboom erreicht Deutschland – doch nicht ohne ein großes „Aber“ Frankfurt ist der größte Standort für Rechenzentren in ganz Europa und wächst weiter, wie Satellitenbilder zeigen. Doch unabhängiger von US-Konzernen wird die Republik nur bedingt. Wirtschaft von oben ist eine Kooperation mit LiveEO.

Noch ist der Acker in Dummerstorf, südlich von Rostock, fast unberührt. Das, was die Schwarz-Gruppe hier an der A20 aber plant, wird das Amazon-Logistikzentrum nebenan in den Schatten stellen. So wenig wie Amazon nur ein Onlinehändler ist, so wenig ist Schwarz mit den bekannten Supermärkten Lidl und Kaufland ein reiner Einzelhändler. Seit Jahren investiert der Konzern, wie auch Amazon, in digitale Infrastruktur, in Rechenzentren für eigene Datenverarbeitung und als Geschäftsmodell zur Vermietung dieser Rechenleistung. Jetzt kommt ein weiteres Großprojekt hinzu, wie Konzern, Ministerpräsidentin und Lokalpolitiker am Donnerstag verkündeten.„Waren es im 19. und 20. Jahrhundert Stahlwerke, die das Industriezeitalter prägten, sind Rechenzentren die Einrichtungen des Zeitalters der Künstlichen Intelligenz“, sagte Digitalminister Karsten Wildberger (CDU), als er im März die Rechenzentrumsstrategie der Bundesregierung vorstellte. Die Kapazitäten in Deutschland sollen bis 2030 mindestens verdoppelt werden, die für KI und High-Performance-Computing gar vervierfacht werden. Und das nachhaltig, umweltverträglich, flächenschonend und am besten noch die zuletzt zunehmend in den Fokus gerückte digitale Souveränität fördernd. Dann könnte die hiesige Leistung 5000 Megawatt erreichen. In diesem Jahr hat sie erstmals die Grenze von 3000 Megawatt überschritten.Klappt das? Aktuell sind gut 2000 Rechenzentren in Betrieb oder kurz davor. Aber wird Deutschland damit wirklich unabhängiger von US-Unternehmen? Auch China will den KI-Markt dominieren. Die kommunistische Führung lässt an den Peripherien des Landes regelrechte Rechenzentrumsstädte bauen. Womit können europäische Anbieter punkten? Antworten liefert ein Blick von oben, auf den Knotenpunkt Frankfurt und das Rheinische Revier zu Microsoft.Damian Dudek vom Verband der Elektrotechnik Elektronik und Informationstechnik (VDE) hält das Vorhaben der Bundesregierung für ambitioniert, aber möglich. Der Bedarf sei definitiv vorhanden, was ihn aber umtreibe: „Wer baut diese Rechenzentren?“ Klar, es gibt große Projekte wie von Schwarz oder der Telekom. Oftmals seien es aber eben US-Unternehmen, die sich hier ansiedelten, um hier Rechenkapazitäten zu bekommen, hier digitale Infrastruktur zu nutzen. „Eine dezentrale Infrastruktur an moderner Informationstechnik ist wichtig, um nicht alle Datenströme über den Atlantik transportieren zu müssen.“Einem Medienbericht auf Grundlage von Daten mehrerer Nichtregierungsorganisationen zufolge sind aktuell 99 Rechenzentren in der Entstehung, 41 sind schon im Bau. Mehr als ein Drittel der neuen Projekte wird demnach von Unternehmen geplant oder gebaut, die nicht aus der EU stammen. US-Techkonzerne bilden die größte Gruppe unter ihnen.Es sind nicht nur die bekannten Konzerne wie Amazon oder Microsoft, die in Deutschland Rechenzentren bauen. Auch die großen Rechenzentrenbetreiber wie Digital Realty oder Stack Infrastructure, Dienstleister, die Rechenkapazitäten ihrer Anlagen anderen Unternehmen zur Verfügung stellen, kommen meist aus den USA. Sie sind am wichtigsten Internetknotenpunkt Europas stark vertreten: Frankfurt.