Die Zahl von Sensoren und Chips in modernen Autos ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Vernetzte Fahrzeuge scannen ständig ihre Umgebung. Der Abstand zum vorausfahrenden Pkw wird gemessen, Kameras erkennen Verkehrsschilder und erleichtern das Einparken. Die Assistenzsysteme sind komfortabel. Seit Längerem wird aber auch davor gewarnt, dass die Systeme Einfallstor für Missbrauch sein können.Besonders umstritten sind Fahrzeuge chinesischer Hersteller, die in Europa immer beliebter werden. Die Bundesregierung arbeitet daher einem Bericht des „Spiegel“ zufolge an einer nationalen Risikoanalyse über die Sicherheitsrisiken vernetzter Autos.Da die Fahrzeuge große Mengen an Umgebungs- und Bewegungsdaten erfassen können, haben Nachbarländer wie Polen und die Schweiz dem Bericht zufolge bereits Zufahrtsbeschränkungen für Militärgelände erlassen.Das Bundesinnenministerium gehe „derzeit von abstrakten Missbrauchsgefahren“ aus. Sicherheitsrisiken wie die staatliche Einflussnahme auf einen Hersteller können „mit technischen Mitteln nicht ausgeschlossen werden“, konkrete Vorfälle seien der Bundesregierung bisher „nicht bekannt“.Wir müssen die Menschen dafür sensibilisieren, dass diese Daten abfließen können.Thorbjörn Schulz, Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)Thorbjörn Schulz vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sagte dem Magazin: „Wir müssen die Menschen dafür sensibilisieren, dass diese Daten abfließen können – und sei es für Werbezwecke oder um eine KI zu trainieren.“ Die Hauptrisiken sieht der BSI-Experte allerdings in Spionageversuchen.Paulina Uznańska, Wissenschaftlerin am Warschauer Centre for Eastern Studies, befasst sich seit Jahren intensiv mit China und hat 2025 Dokumente staatlicher chinesischer Stellen ausgewertet. Sie sagte, Peking sei im Umgang mit vernetzten Autos deutlich vorsichtiger und restriktiver als viele Staaten in Europa. „China behandelt sie vor allem als Sicherheitstechnologie“, sagte sie.Angesichts der steigenden Zahl vernetzter chinesischer E-Autos auf deutschen Straßen riet sie Deutschland und Europa, die Bedrohung ernst zu nehmen. Sie wählt dafür einen drastischen Vergleich: Ein vernetztes Auto sei „wie eine Drohne auf Rädern“. Sicherheitspolitisch müssten sie genauso ernst genommen werden wie unbemannte Fluggeräte.Die Daten könnten nicht nur für China selbst interessant sein, warnt die polnische Forscherin. Angesichts der zunehmend engen militärischen Kooperation Chinas mit Russland halte sie es für möglich, dass Daten, die auf Europas Straßen gesammelt werden, auch in Russland landen.Wie konkret die Gefahr ist, zeigte dem Bericht zufolge schon 2024 ein Datenleak bei Volkswagens Softwaretochter Cariad, das das Magazin damals mit dem Chaos Computer Club auswertete. Demnach standen mehrere Terabyte an Daten von rund 800.000 vernetzten Elektroautos über eine Amazon-Cloud weitgehend ungeschützt im Netz. Problemlos ließen sich demnach konkrete Halter und ihre Privatwohnungen, Arbeitsorte oder Urlaubsziele identifizieren. (lem)
„Wie eine Drohne auf Rädern“: Experten warnen vor Spionagerisiken bei Autos aus China
Vernetzte Fahrzeuge sind rollende Datenbanken. Fachleute sehen darin ein Einfallstor für Missbrauch. Einem Bericht zufolge lässt die Regierung eine Risikoanalyse erstellen.







