Am Sonntag lädt die Stiftung Mitte Berlin zum MITTE-FEST in die Parochialkirche an der Klosterstraße, von 10 bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei. Der Stadtforscher Dr. Benedikt Goebel gehört zum Vorstand. Er will die Leere zwischen Alexanderplatz und Spree wieder bebauen und hält die Planungen des Senats für einen historischen Fehler.Ein Gespräch über Schönheit als Reizwort, über arisierte Grundstücke und über die Frage, wem die Mitte gehört.

Was die Stiftung Mitte Berlin will

Herr Goebel, viele unserer Leser hören zum ersten Mal von der Stiftung Mitte. Wofür setzen Sie sich ein?Nach der Wende haben sich verschiedene Bürgervereine für ein schöneres Stadtbild engagiert. Die sind rührig, könnten aber mehr Reichweite haben. Die Stiftung Mitte wurde vor vier Jahren von der inzwischen leider verstorbenen Marie-Luise Schwarz-Schilling und mir gegründet, um der guten Sache mehr Öffentlichkeit zu verschaffen.Wir waren beide in Frankfurt am Main und haben das dortige Dom-Römer-Projekt erlebt. Wir waren echt begeistert, wie eine respektable deutsche Großstadt in ihrem Kern so viele reizvolle Häuser und Stadträume wiedergewonnen hat, die auch prächtig funktionieren.

Und das träumen Sie für Berlin auch?Für den Stadtkern zwischen Alexanderplatz und Humboldt-Forum, zwischen Jannowitzbrücke und Museumsinsel. Ein Quadratkilometer mit großen Straßen, viel Abstandsgrün und ganz wenig Urbanität. Da wohnen nur 8000 Menschen. Einmal haben dort 40.000 gelebt.Da müssen wieder mehr Menschen leben, arbeiten, sich begegnen. In diesem historischen Kern, wo Berlin ein halbes Jahrtausend älter ist als drumherum, gibt es kaum Angebote – weder kulturell noch kulinarisch noch alltäglich. Auch der Einzelhandel ist ganz schwach ausgeprägt.