Sie stehen Menschen bei, wenn das Leben beginnt und wenn es endet: Aus ihrer christlichen Tradition heraus beherbergen kirchliche Kliniken häufig Geburtsstationen, Abteilungen für Altersmedizin oder Palliativstationen. Wichtige Zweige der Medizin seien das, sagt Landes-Caritasdirektor Andreas Magg, nur leider keine, mit denen sich Geld verdienen lasse. In Kliniken gelten vielmehr die techniklastigen, gut planbaren Fächer als lukrative Bereiche.Er zählt auf: Bayerns größte Geburtsklinik mit mehr als 3000 Geburten jährlich sei das Josefinum in Augsburg, ein kirchliches Haus. Auf den vier nächsten Plätzen finden sich neben dem kommunalen Klinikum Nürnberg zwei weitere kirchliche, nämlich die Barmherzigen Brüder in Regensburg und der Dritte Orden in München, sowie, traurige Realität, ein ehemals kirchliches Haus. Die Klinik Hallerwiese-Cnopfsche Kinderklinik gehörte bislang zum evangelischen Sozialunternehmen Diakoneo. Dieses aber trennt sich gerade von seiner verlustreichen Gesundheitssparte samt aller Krankenhäuser.Es könnte nicht das letzte kirchliche Krankenhaus sein, das aufgeben muss, warnt Magg. Überall in Bayern kämpfen Kliniken derzeit mit großen Defiziten und einer vom Bund vorgegebenen Umstrukturierung der Krankenhauslandschaft. Der Prozess sei für kirchliche Häuser besonders kritisch, so Magg: „Wir haben kein Auffangnetz.“ Für staatliche Kliniken springen derzeit vielerorts die Kommunen ein.Das stürzt diese zwar in Schulden und raubt ihnen das Geld für Schulen und Schwimmbäder, es sichert aber die Existenz der Kliniken. Bei freigemeinnützigen Häusern, zu denen auch die kirchlichen Kliniken zählen, ist das nicht der Fall. Anders als etwa private Kliniken dürfen sie zudem keine Gewinne machen, sondern nur Rückstellungen bilden für Investitionen. „Wir haben keine großen Reserven und sind also doppelt benachteiligt“, sagt Magg.Gemeinsam mit der Vorständin Soziales der Diakonie Bayern, Sandra Schuhmann, hat der Caritaschef deshalb nun in einem Schreiben an Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auf die besonders prekäre Situation der kirchlichen Häuser hingewiesen. Ob ein Krankenhaus eine Zukunft hat, dürfe nicht davon abhängen, ob dahinter eine Kommune steht, die Defizite ausgleichen kann, schreibt Schuhmann darin. „Wenn ein Haus für die Versorgung gebraucht wird und denselben öffentlichen Auftrag erfüllt, muss es auch unter denselben Bedingungen arbeiten können.“Kinder und Familie:Schwere Geburtshilfe: Warum der Beruf der Hebamme in der Krise istChristina Belonic ist mit Herzblut Hebamme, dennoch hat sie gekündigt. Warum ist das so? Eine Nachtschicht auf der Geburtsstation in Augsburg.Die beiden Verbände sprechen damit eine alte Ungleichbehandlung an, die auch die Privatkliniken seit jeher beklagen: Es ist deutschlandweit verbreitete Praxis, dass Kommunen die Defizite ihrer Krankenhäuser aus Steuermitteln ausgleichen. Kirchliche Kliniken oder private Häuser erhalten dieses Geld dagegen nicht. 2014 schon klagte der Bundesverband Deutscher Privatkliniken (BDPK) deswegen in einem Musterverfahren gegen den baden-württembergischen Kreis Calw, der seine Not leidenden Kliniken stützte. Die Privatkliniken sahen darin einen Verstoß gegen EU-Wettbewerbsrecht. Der Streit ging bis vor den Bundesgerichtshof. Dieser allerdings hielt die Zuschüsse im Grundsatz für zulässig. Sie dienten schließlich dazu, die Versorgung aufrechtzuerhalten und nicht, einem kommunalen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.Kommunen und Landkreise dürfen also ihre Not leidenden Kliniken stützen. Das wissen auch Diakonie und Caritas. Sie wünschen sich aber die gleiche Hilfe für kirchliche Häuser. Denn anders als Privatkliniken, die sich häufig auf lukrative Fachrichtungen konzentrieren, seien die kirchlichen Häuser häufig in der Grundversorgung der Bevölkerung engagiert, so Magg: „Die Menschen müssen sich darauf verlassen können, dass notwendige Versorgung erhalten bleibt – unabhängig davon, ob ein Krankenhaus kommunal, konfessionell oder privat getragen wird.“Gesundheitsministerin Judith Gerlach:Jobprofil: sich unbeliebt machenDer Umbau der Kliniklandschaft führt überall in Bayern zu Frust. Gesundheitsministerin Judith Gerlach ist diejenige, die diesen Wandel vertreten und ihren Kopf dafür hinhalten muss. Über die Aufsteigerin im Kabinett Söder und ihre bislang größte Prüfung.Hintergrund des Schreibens der zwei Verbände ist die derzeit laufende Neuordnung der Krankenhauslandschaft. Sie ist Teil der Krankenhausreform des Bundes, die auf größere und stärker spezialisierte Kliniken setzt. Ministerpräsident Söder und Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) hatten die Bevölkerung bei einer Pressekonferenz im Juli auf große Veränderungen eingeschworen. „Es geht im Herbst ans Eingemachte“, sagte Söder. Der Freistaat muss derzeit festlegen, welche Kliniken künftig welche Behandlungen anbieten sollen. Vieles wird beim Alten bleiben. Gerade bei planbaren Eingriffen wie Hüft- und Knieoperationen aber könnten Doppelstrukturen abgeschafft werden. Die verbleibenden Häuser würden somit häufiger operieren und damit auch eine höhere Routine und Qualität erzielen, so die Idee. Dieser vergleichsweise lukrative Teil der Medizin würde den anderen Häusern dann aber fehlen.Die Staatsregierung will, wie Söder und Gerlach im Juli andeuteten, am Ende des Prozesses überlegen, inwiefern zusätzliche Landesmittel nötig sind, um die Folgen der Transformation abzufedern. Söder sprach von einem „Schulterschluss auf Augenhöhe“ mit Krankenhausgesellschaft, Trägern und kommunaler Seite.Hieran knüpfen die Verbände an und fordern kurzfristig Hilfen für alle notwendigen Krankenhäuser in wirtschaftlicher Notlage, egal in welcher Trägerschaft. Insgesamt verfügt Bayern über etwa 400 Krankenhäuser mit mehr als 73 000 vollstationären Betten. Etwas mehr als die Hälfte der Häuser befindet sich in öffentlicher Trägerschaft. Etwa zwölf Prozent der Kliniken im Freistaat haben nach Angaben der Verbände freigemeinnützige Träger.
Bayerns kirchliche Kliniken fordern finanzielle Unterstützung
Ob Geburt oder Altersmedizin – vieles was kirchliche Häuser anbieten, ist schlecht vergütet. In einem Brief bitten Caritas und Diakonie Ministerpräsident Söder um Hilfe.






