Die Staatsregierung will auch in Zukunft notleidende Kreißsäle im ländlichen Raum unterstützen. Das Geburtshilfe-Förderprogramm, aus dem diese Gelder stammen, werde über das Jahr 2025 hinaus fortgesetzt, teilte Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) am Dienstag mit. Es sei ihr ein wichtiges Anliegen, dass es für werdende Mütter „in ganz Bayern“ eine wohnortnahe und hochwertige Versorgung mit Geburtshilfe gebe. Im Jahr 2025 stehen demnach Haushaltsmittel in Höhe von 23 Millionen Euro für den Defizitausgleich bereit.Mit dem Förderprogramm für notleidende Geburtsstationen springt Bayern für den Bund ein, der eigentlich für die laufenden Betriebskosten von Kliniken zuständig ist. Gerlach lehnt das im Grunde ab. „Wir können nicht sukzessive zum Ausfallbürgen für den Bund werden“, sagte sie einmal in einem SZ-Interview. Für die Kreißsäle setzt sie sich dennoch ein. Im vergangenen Jahr konnten durch das Programm 28 Krankenhäuser gestützt werden, deren geburtshilfliches Angebot sonst aus wirtschaftlichen Gründen gefährdet gewesen wäre.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Aus rechtlichen Gründen fördert der Freistaat die Kliniken dabei nicht direkt, sondern zahlt den Landkreisen bis zu 85 Prozent der Summe zurück, mit der diese ihre Kliniken stützen. Die Zahlungen an die Landkreise lagen 2024 zwischen 250 000 eine Million Euro.Die Ministerin weiß, dass das das Thema der Bevölkerung wichtig ist: „Geburtenstationen, Kinderheilkunde, Notfallversorgung. Das sind auch die Punkte, deren Wegfall die allermeisten Leute vor Ort kritisieren“ – sagte sie im Interview. Eine Einschätzung, die die Abgeordneten bei der am Mittwoch zu Ende gegangenen Klausurtagung der CSU-Fraktion in Kloster Banz voll bestätigten.Fraktionschef Klaus Holetschek, früher selbst bayerischer Gesundheitsminister, hatte vor der Klausur unter den 85 Abgeordneten aus allen Ecken Bayerns eine Abfrage gemacht, welches „aktuelle Top-Problem“ sie sehen. 22 Prozent der Parlamentarier antworteten: bedrohte Gesundheitsversorgung, wozu vor allem die Lage der Krankenhäuser gehört. Das Gesundheitsthema landete damit auf Platz eins der Probleme, noch vor Migration und Sorge vor industriellem Abstieg (jeweils 17 Prozent). Das ist ein Signal auch vor den Kommunalwahlen in Bayern im März nächsten Jahres. Holetschek sagte, zu dem Themenbereich gehörten aber auch andere Sorgen, etwa Arztversorgung oder „pflegende Angehörige, die am Limit sind“. Das Thema müsse „im Zentrum des politischen Handelns der nächsten Zeit stehen“.Das nun verlängerte Förderprogramm hat zwei Säulen. Einerseits unterstützt es mit bis zu fünf Millionen Euro im Jahr Hebammen-Projekte. Die Landkreise und kreisfreien Städte erhalten hierfür bis zu 40 Euro pro neugeborenem Kind. Die zweite Säule zielt speziell auf die Geburtshilfe im ländlichen Raum. Der Freistaat unterstützt Kliniken in strukturschwachen Regionen, deren Kreißsäle wegen geringer Patientenzahl nicht profitabel sind. Experten halten das in einem Flächenstaat wie Bayern für sinnvoll, zumal die Qualität der Geburtshilfe trotzdem hoch sei. Bayern hat aktuell mit etwa 2,9 pro 1000 Lebendgeburten eine relativ niedrige Säuglingssterblichkeit (Deutschland 3,3). Eine Mindestzahl an Geburten sollte eine Klinik aber immer haben, damit Ärzte und Hebammen routiniert arbeiten. Das Programm berücksichtigt das, weil nur Kliniken, die mindestens die Hälfte der Geburten in einem Landkreis begleiten, gefördert werden können.Medizinische Versorgung in Nürnberg:Ärzte fordern „verlässliche Perspektive“ für Schwangere, Frühchen und KinderDiakoneo versucht seit Monaten, die verlustreiche Klinik Hallerwiese und die zugehörige Cnopfsche Kinderklinik an das Klinikum Nürnberg abzugeben. In einem offenen Brief beklagt die Nürnberger Ärzteschaft nun die unklare Zukunft der zwei Häuser und verlangt ein verlässliches Konzept.Ein kompliziertes Konstrukt, das aber zumindest aus Sicht der Bayerischen Krankenhausgesellschaft hervorragend geeignet ist, um offensichtlich unterfinanzierte Strukturen wie die Geburtshilfe zu fördern und zu erhalten. Geschäftsführer Roland Engehausen wünscht sich denn auch eine Ausweitung des Programms auf alle Geburtskliniken. „Auch große Geburtshilfen sind chronisch unterfinanziert, weshalb die bayerische Förderung große Geburtshilfen in den Ballungsräumen aus unserer Sicht nicht länger ausschließen sollte“, sagt er. Gleiches gelte für die Kindermedizin.Dass das Gesundheitsministerium nach den Kreißsälen bald auch Kinderkliniken und vielleicht die ebenso unrentablen Notaufnahmen bezuschusst, steht dennoch nicht zu erwarten. Die Ministerin sieht hier den Bund in der Pflicht, für eine auskömmliche Finanzierung der Kliniken zu sorgen.Krankenhäuser in Bayern stehen derzeit unter großem Veränderungsdruck. Grund dafür ist die Gesundheitsreform des Bundes und die anhaltende schlechte finanzielle Lage vieler Häuser, medizinischer Fortschritt und der Personalmangel. Zusammen zwingen sie manch kleines Haus zum Gesundheitszentrum zu schrumpfen. Andere wiederum fusionieren zu größeren Verbünden. Der Ministerin wurde angesichts dieses immensen Umbruchs in der Krankenhauslandschaft oft eine zu passive Rolle vorgeworfen. Inzwischen begleitet sie den Prozess recht aktiv mit einem Sieben-Punkte-Plan.Dieser beinhaltet etwa Strukturgutachten, die das Ministerium finanziert und die ausloten, wie Kliniken in einer Region künftig besser zusammenarbeiten können. 30 Anträge auf solche Strukturgutachten seien inzwischen in Auftrag gegeben worden, berichtete sie bei der Klausurtagung in Kloster Banz. Darin seinen insgesamt 120 Krankenhäuser involviert, die sich abstimmen und miteinander in Richtung Neustrukturierung auf den Weg machten.
Förderprogramme: 23 Millionen Euro für Geburtshilfe in Bayern
Die bayerische Staatsregierung stellt 23 Millionen Euro für die Unterstützung von defizitären Geburtshilfestationen bereit. Das Förderprogramm zielt darauf ab, die geburtshilfliche Versorgung im ländlichen Raum zu sichern.






