Wann und wo hielt Martin Luther King Jr. die Rede „I have a Dream“?Es ist der 28. August 1963 in Washington, D. C., als Martin Luther King vor mehr als 200.000 Menschen ans Mikrofon tritt. Auch das Lincoln Memorial wird Zeuge seiner Rede, die buchstäblich in die Geschichtsbücher eingehen wird. Sie gilt bis heute als eine der wichtigsten Reden der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, für Gleichheit und das Ende der Diskriminierung.Der Kundgebung vorangegangen war der „Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit“, ein Protestmarsch von Anhängern der Bürgerrechtsbewegung in Amerika. Mehrere Bürgerrechts-, Gewerkschafts- und Kirchenorganisationen nahmen teil. Die Kundgebung wurde in den USA live im Fernsehen und Radio übertragen und fand weltweit Beachtung. Der Name machte deutlich, dass es um mehr ging als um das Ende der Rassentrennung. Die Organisatoren forderten Arbeitsplätze, faire Löhne und wirtschaftliche Teilhabe.Wer war MLK?Martin Luther King Jr. wurde am 15. Januar 1929 in Atlanta, Georgia, in eine Baptistenfamilie geboren, studierte Theologie und Philosophie. Später wurde er selbst Pastor. Schon früh setzte er sich für die Bürgerrechtsbewegung ein.King war Vorsitzender der Montgomery Improvement Association, die den Montgomery Bus Boycott in Alabama organisierte. Der mehr als einjährige Protest begann nach der Verhaftung Rosa Parks’ und richtete sich gegen die Rassentrennung im öffentlichen Nahverkehr. Dadurch wurde King zu einer zentralen Figur der Bürgerrechtsbewegung. Daraufhin mobilisierte er zusammen mit anderen Aktivisten Hunderttausende zu Demonstrationen, Boykotten und Protesten. Der Druck der Bürgerrechtsbewegung trug wesentlich dazu bei, dass mit dem Civil Rights Act von 1964 und dem Voting Rights Act von 1965 zentrale gesetzliche Grundlagen der Rassentrennung und Wahlrechtsdiskriminierung beseitigt wurden.Menschen haben sich vor dem Washington Monument nach dem „Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit“ versammelt.AP1964 erhielt Martin Luther King Jr. für seinen gewaltfreien Einsatz für Bürgerrechte den Friedensnobelpreis. 1963 wurde er vom Magazin „Time“ zum „Mann des Jahres“ gewählt. Zu seinen Lebzeiten hielt er mehr als 2500 Reden.Worum geht es in der Rede?Bei der Kundgebung auf dem Marsch auf Washington kamen mehrere Redner zu Wort. King war als letzter an der Reihe und hatte so die Möglichkeit, seine Redezeit zu überziehen. Diese Gelegenheit ergriff er auch: Die Rede dauerte am Ende mehr als 15 Minuten und wurde zum Höhepunkt der Kundgebung.Thematisch drehte sich die Rede um die Befreiung der Sklaven durch Abraham Lincoln und darum, dass die schwarze Bevölkerung noch immer nicht wirklich frei sei. King stellte dabei einen direkten Bezug zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart her. Obwohl die Sklaverei hundert Jahre zuvor abgeschafft worden war, litten schwarze Amerikaner weiterhin unter Diskriminierung und Ungleichheit. Die von Lincoln verkündete Freiheit sei damit für viele noch nicht Realität geworden. King sprach davon, dass sie noch immer „in den Fesseln der Rassentrennung und den Ketten der Diskriminierung“ lebten. Gleichzeitig machte er deutlich, dass er nicht länger auf einen langsamen Wandel warten will: „Jetzt ist die Zeit“, forderte er und rief damit zu einem unmittelbaren Ende der Diskriminierung auf.Danach richtete King den Blick stärker auf die Zukunft. Der vierfache Vater formulierte seine berühmte Vision, wonach seine Kinder eines Tages in einer Gesellschaft leben sollten, „in der man sie nicht nach der Farbe ihrer Haut, sondern nach dem Wesen ihres Charakters beurteilt“.Trotz der deutlichen Kritik blieb King in seiner Rede bei seinem Prinzip des gewaltfreien Widerstands. Er rief seine Zuhörer dazu auf, weiter für ihre Rechte zu kämpfen, ohne dabei selbst zu Hass und Gewalt zu greifen.King improvisierte die „I have a Dream“-StelleDie berühmte „I have a Dream“-Passage stand so offenbar gar nicht im vorbereiteten Manuskript. Das Motiv des Traums hatte er zwar schon in früheren Reden verwendet, in Washington wich er jedoch von seinem vorbereiteten Text ab. Der Überlieferung nach rief ihm die Gospelsängerin Mahalia Jackson während seiner Rede zu: „Tell them about the Dream, Martin!“ King griff die Worte daraufhin auf und wiederholte immer wieder die inzwischen berühmte Formulierung.Ihre Wirkung verdankt die Rede auch Kings Sprache. Er verband biblische Bilder mit Anspielungen auf die amerikanische Verfassung und die Unabhängigkeitserklärung. Durch Wiederholungen wie „Now is the time“, „I have a Dream“ und „Let freedom ring“ steigerte er seine Rede zu einem eindringlichen Appell.Warum ist die Rede heute noch relevant?Ein Grund, weshalb die Rede zu den bekanntesten politischen Ansprachen des 20. Jahrhunderts zählt, ist die Art, wie King darin Kritik übte. Er schaffte es, auf Missstände aufmerksam zu machen, Rechte für die schwarze Bevölkerung einzufordern und einen Umbruch in der Gesellschaft anzustoßen, ohne dabei zu Gewalt und Hetze aufzurufen. Er griff die politischen und gesellschaftlichen Strukturen der Rassentrennung scharf an, ohne zu Hass oder Gewalt aufzurufen.Blick auf Demonstrationsteilnehmer auf der Constitution Avenue.Picture AllianceMehr als sechs Jahrzehnte später ist Kings „Traum“ noch immer nicht vollständig eingelöst. Zwar haben die Vereinigten Staaten seit den Sechzigerjahren große rechtliche Fortschritte gemacht: Die Rassentrennung wurde abgeschafft, Diskriminierung gesetzlich verboten, das Wahlrecht schwarzer Amerikaner gestärkt. Doch viele Probleme, die King ansprach, bestehen in veränderter Form weiter. Bürgerrechtsorganisationen verweisen bis heute auf Benachteiligungen im Bildungssystem, auf wirtschaftliche Ungleichheit, auf Unterschiede bei Einkommen und Vermögen sowie auf eine ungleiche Behandlung schwarzer Amerikaner im Justizsystem.Besonders sichtbar wurde diese Aktualität nach dem Tod von George Floyd im Jahr 2020. Die Proteste gegen Polizeigewalt in den USA und vielen anderen Ländern knüpften an die Tradition der Bürgerrechtsbewegung an. Wie King forderten die Demonstranten nicht nur einzelne Reformen, sondern eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit strukturellem Rassismus.Wofür trat Martin Luther King Jr. noch ein?Kings „I have a Dream“ ist längst zu einem Schlagwort für Freiheitsbewegungen auf der ganzen Welt geworden. Kunstwerke, Musikstücke, Briefmarken, T-Shirts und vieles mehr greifen bis heute Auszüge aus der Rede auf. Vor allem die Worte „I have a Dream“ werden immer wieder für politische Kampagnen und gesellschaftliche Anliegen verwendet. Dabei gerät leicht in den Hintergrund, dass King weit über die Forderungen seiner berühmten Rede von 1963 hinausging.In den letzten Jahren seines Lebens wandte er sich zunehmend auch gegen wirtschaftliche Ungleichheit und den Vietnamkrieg. 1967 forderte er eine „radikale Umverteilung der wirtschaftlichen und politischen Macht“. Im selben Jahr stellte er sich öffentlich gegen den Vietnamkrieg und bezeichnete die US-Regierung als den „größten Verbreiter von Gewalt in der ganzen Welt“. Kurz vor seinem Tod widmete er sich schließlich der Poor People’s Campaign, mit der er die wirtschaftlichen Rechte armer Menschen unabhängig von ihrer Hautfarbe einforderte.Wie starb Martin Luther King Jr.?Martin Luther King Jr. wurde am 4. April 1968 in Memphis, Tennessee erschossen. Er war 39 Jahre alt. King war nach Memphis gereist, um die streikenden afroamerikanischen Müllarbeiter zu unterstützen, die für bessere Arbeitsbedingungen und eine gerechtere Bezahlung kämpften. Am Abend des 4. April stand King auf dem Balkon des Lorraine Motels, als um 18.01 Uhr ein Schuss fiel. Die Kugel traf ihn im Gesicht. King wurde noch in ein Krankenhaus gebracht, erlag dort jedoch wenig später seinen Verletzungen. Als Täter wurde James Earl Ray festgenommen und später zu 99 Jahren Haft verurteilt.Der Tod Kings löste in mehreren Teilen der USA gewalttätige Unruhen aus, bei denen es Tausende Verletzte und mehr als 30 Tote gab. Seit 1986 wird in den Vereinigten Staaten der Martin Luther King Jr. Day begangen, ein bundesweiter Feiertag am dritten Montag im Januar, der in der Nähe von Kings Geburtstag am 15. Januar liegt. Statt jedoch den Geburtstag selbst zu feiern, entschied sich der US-Kongress für einen festen Montag. Damit schafft der Gedenktag jährlich ein verlängertes Wochenende – entsprechend dem Prinzip des Uniform Monday Holiday Act von 1968, durch den Feiertage auf Montage gelegt wurden, um lange Wochenenden zu ermöglichen.