Die Is­län­de­r*in­nen entscheiden, ob ihre Regierung EU-Beitrittsgspräche führen soll. Die einen haben Angst um ihre Fischerei. Die anderen wollen zumindest drüber reden.

D ie Morgensonne scheint freundlich auf den Alten Hafen, als der Kapitän zu seinem Schiff kommt. Ólafur Kristjánsson wird gleich wieder rausfahren aus Reykjavík, mit einer Menge weit gereister Touristen an Bord. Es ist sein Job, ihnen einen Traum zu erfüllen – sie sind gekommen, um Wale zu sehen.

Wovon die Isländer selbst träumen, wenn sie an ihr Land denken, das fährt als akut ungelöstes Problem im Hintergrund mit – von den Passagieren unbemerkt.

Soll Island die Beitrittsgespräche mit der EU wiederaufnehmen? Das ist die Frage der Stunde, und die Regierung bittet das Volk zur Abstimmung. Seit März ist das bekannt, am Samstag geht es an die Wahlurnen. Und wie die Entscheidung der Is­län­de­r*in­nen ausfällt, das ist unmöglich vorherzusagen. Umfragen zeigen es immer wieder: Die Angelegenheit steht 50/50, mal liegt die eine Seite einen Hauch vorn, mal die andere. Acht Prozent sind noch unentschlossen. Ein EU-Referendum? Auch in der isländischen Light-Version, wo es erst mal nur um die Aufnahme von Beitrittsgesprächen geht: kein Spaziergang.